Markus Babbel: «Der grösste Schweizer ist für mich Tom Lüthi»
Publiziert

Markus Babbel«Der grösste Schweizer ist für mich Tom Lüthi»

FCL-Trainer Markus Babbel ist in der Zentralschweiz ein Jahr im Amt. Der 43-Jährige über seinen Job zwischen Überholspur und 30er-Zone.

von
ete

Markus Babbel ist seit 369 Tagen FCL-Trainer. Der Münchner mit einem Rück- und Ausblick. (Video: FCL.TV)

«Eine gewisse deutsche Hektik ist weg», sagt Markus Babbel. Er sei wesentlich ruhiger geworden, fährt der Deutsche fort und lacht über das ganze Gesicht, denn der ehemalige Bayern- und Liverpool-Profi bezieht das aufs Autofahren. Wieso der Exkurs auf die Strasse?

369 Tage lebt und arbeitet Babbel nunmehr in der Zentralschweiz. «Ich fühle mich sehr wohl hier. Die Leute sind sehr freundlich.» Plötzlich ein Gedankensprung. «Roger Federer ist ein unglaublicher Sportler, aber der grösste Schweizer ist für mich Tom Lüthi», so der FCL-Trainer. Wie bitte?

Babbel klärt auf: «So schlecht wie ihr hier Auto fährt, gehört Lüthi mein Respekt, dass er mit so viel km/h über die Runden brettert und Weltmeister wurde. Ich weiss gar nicht, warum ihr in der Schweiz 30er-Zonen habt, denn schneller fährt eh keiner. Aber – man wird gelassener. Manchmal ertappe ich mich sogar, dass ich auch in Deutschland so fahre und entspannt bin.»

Vom Pannenstreifen auf die Überholspur

Ein höheres Tempo schlägt auch der FCL an, seit Babbel im Oktober 2014 von Carlos Bernegger übernommen hat. Auf dem letzten Rang und nach 11 Runden mit gerade mal fünf Punkten auf dem Konto. Dem FCL drohte ein Totalschaden. Babbel bekam die Kurve und führte die Innerschweizer Ende letzter Saison auf Platz 5. Und so flott fährt der FCL weiter.

In insgesamt 36 SL-Spielen holte der 43-Jährige 61 Punkte (1,69 pro Spiel). Die Mannschaft habe gelernt, an die Grenze zu gehen, habe Selbstvertrauen gewonnen und ein Selbstverständnis entwickelt. Sehr positiv sei die Entwicklung, die viele Spieler in diesem Jahr gemacht hätten, sagt Babbel, nennt Jérôme Thiesson, der zum Führungsspieler wurde und François Affolter, der viel Kritik einstecken musste und zum sicheren Wert in der Abwehr wurde. «Wir sind jetzt so weit, dass sich keiner im Kader ausruhen kann. Der Konkurrenzkampf erlaubt mir bei der Aufstellung auch mal einen Nationalspieler – wie zuletzt Jakob Jantscher – draussen zu lassen, weil ein anderer einen Tick besser drauf ist.»

Der Akku ist voll

Sein erstes Auslandsabenteuer macht Babbel nach wie vor viel Spass. «Ich finde die Schweizer Liga sehr interessant. Mir gefällt diese Dichte, diese Ausgeglichenheit. Klar, Basel ist eine Ausnahme, aber wenn sich die anderen Vereine anstrengen, kann man sie in einem Spiel trotzdem schlagen. Das macht den Reiz aus.» Im Mai verlängerte Babbel in Luzern um ein Jahr und derzeit sieht es danach aus, als würde er diesen Vertrag erfüllen – im Gegensatz zu vorhergehenden Engagements. Da kam er auf 1,06 Jahre im Schnitt beim VFB Stuttgart, Hertha Berlin und Hoffenheim. Bei allen seinen Ex-Klubs hatte Babbel zuerst Erfolg.

«In Stuttgart haben wir eine tolle Rückrunde gespielt und dann wurde ich in der neuen Saison nach fünf Spieltagen gefeuert. Aber ich habe nebenbei den Trainerschein gemacht und war einfach platt. In Berlin hatten wir nach dem Aufstieg in die Bundesliga in der Winterpause 20 Punkte und waren auf einem guten Weg, ehe es zur Trennung kam. In Hoffenheim war es anders, da habe ich Fehler gemacht, aber Fehler können mir auch wieder passieren. Zwei Jahre weg vom Fussball haben mir gut getan. Ich habe bei anderen Vereinen hospitiert und ein Managerseminar besucht. Jetzt ist der Akku voll, ich fühle mich gut und voll im Saft. Es braucht Power, um in diesem Job gut zu sein.»

Gedanken an einen Abgang macht sich Babbel nicht. «Ich habe da keinen Plan. Ich muss nicht in drei Jahren oder so wieder in der Bundesliga sein. Wenn ich in zehn Jahren immer noch da bin, habe ich auch nicht so viel verkehrt gemacht. Dann war es einfach meins.» Gemessen wird Babbel in erster Linie an Resultaten. Und die sprechen für den Münchner. Der FCL ist seit dem 12. August und 6 Ligaspielen ungeschlagen (4 Siege/2 Remis) und ist auswärtsstark. Die Zentralschweizer haben in bisher fünf Partien auf fremden Terrain 13 Punkte geholt. Geht es nach Babbel und dem FCL sollen 14, 15 und 16 am Samstag folgen - im Letzigrund gegen GC.

Das sagt Marco Schneuwly über Babbel: «Bei Markus Babbel steht die Physis im Vordergrund und das ist beim Trainerteam und uns positiv angekommen. Unter dem Trainer sind die Rollenverteilungen klar, jeder weiss zu hundert Prozent, was er zu tun hat und er bringt uns Spieler weiter. Er spürt, was ein Spieler hören will und er kann sehr gut einschätzen, was er wann sagen muss. Je nach Situation kann er auch sehr deutlich werden. Zum Beispiel, wenn er mit unserem Spiel nicht zufrieden ist, sagt er das in der Halbzeit klipp und klar. Das hat uns schon einige Male geholfen, ein Spiel noch zu drehen.» (ete)

Das sagt Marco Schneuwly über Babbel: «Bei Markus Babbel steht die Physis im Vordergrund und das ist beim Trainerteam und uns positiv angekommen. Unter dem Trainer sind die Rollenverteilungen klar, jeder weiss zu hundert Prozent, was er zu tun hat und er bringt uns Spieler weiter. Er spürt, was ein Spieler hören will und er kann sehr gut einschätzen, was er wann sagen muss. Je nach Situation kann er auch sehr deutlich werden. Zum Beispiel, wenn er mit unserem Spiel nicht zufrieden ist, sagt er das in der Halbzeit klipp und klar. Das hat uns schon einige Male geholfen, ein Spiel noch zu drehen.» (ete)

Trainer-Haltbarkeit beim FCL in den letzten 15 Jahren Markus Babbel: 368 Tage

Trainer-Haltbarkeit beim FCL in den letzten 15 Jahren Markus Babbel: 368 Tage

Carlos Bernegger: 546 Tage

Ryszard Komornicki: 225 Tage

Murat Yakin: 415 Tage

Rolf Fringer: 917 Tage

Roberto Morinini: 71 Tage

Ciriaco Sforza: 771 Tage

Friedel Rausch: 837 Tage

Urs Schönenberger: 123 Tage

René van Eck: 1095 Tage

Hans-Peter Zaugg: 364 Tage

Raimondo Ponte: 331 Tage

Ryszard Komornicki: 27 Tage

Andy Egli: 911 Tage

Längste Amtszeit:

Friedel Rausch (1985 – 1992) 2651 Tage

Deine Meinung