Aktualisiert 15.08.2013 10:51

Sieg gegen BrasilienDer grosse Gewinner heisst Blerim Dzemaili

Napoli-Söldner Blerim Dzemaili spielte gestern eines seiner besten Länderspiele. Dank seiner guten Leistungen wird er für Nati-Coach Ottmar Hitzfeld zunehmend zum Problem.

von
E. Tedesco/S. Compagno

Blerim Dzemaili zeigt einen starken Auftritt beim 1:0-Sieg gegen Brasilien und spricht nach dem Spiel über seine Vorstellung. (Video: 20 Minuten)

Diese Spielfreude hat man bei der Schweizer Nati schon lange nicht mehr gesehen. Es waren nicht die Stars des fünffachen Weltmeisters, die zauberten, den Ball laufen liessen und sich freiliefen. Es waren die Schweizer, die glänzten und gegen Neymar & Co. rotzfrech mit weltmeisterlichem Selbstvertrauen auftraten. Angetrieben vom laufstarken zentralen Mittelfeld, gebildet von den Napoli-Klubkollegen Valon Behrami und Blerim Dzemaili.

Für Dzemaili war der starke Auftritt und der begeisternde Applaus, der ihn bei seiner Auswechslung in der 75. Minute begleitete, Balsam. Monatelang stand der ehemalige FCZ-Mittelfeldspieler im Schatten des Sechser-Duos Behrami/Inler – und das nicht nur in der Nati, sondern auch beim SSC Napoli. Mit einer beeindruckenden Rückrunde in der Serie A (41 Spiele/9 Tore) verdrängte er Inler im Verein, nicht aber in der Nati. Obwohl Inler weniger gespielt hatte, kam der Nati-Captain unter Trainer Ottmar Hitzfeld gegen Zypern in Genf wieder vor Dzemaili zum Zug.

Dzemaili oder Inler – knifflig

Nun wird Inler im nächsten WM-Qualifikationsspiel gegen Island (6. September) gesperrt sein. Dass Dzemaili den Captain adäquat ersetzen kann, ist kein Thema. Es könnte für Hitzfeld heikel werden, wenn dem 26-Jährigen auch gegen das Team von Lars Lagerbäck eine so bärenstarke Performance gelingt. Zumal Napoli-Trainer Rafael Benitez in der Vorbereitung verdächtig häufig auf Dzemaili gesetzt hat und dem Vernehmen nach auch in der Meisterschaft auf ihn setzen will. Kann Hitzfeld auf Dauer seinen Captain auf die Bank setzen? Knifflig. Am Mittwochabend lobte der 64-jährige Lörracher das zentrale Mittelfeld: «Im Mittelfeld haben Behrami und Dzemaili Schwerstarbeit geleistet.»

Dzemaili oder Inler? Behrami ist das egal. Der Tessiner, der sich in einer brillanten Frühform befindet, sagt: «Beide sind super Spieler und mit beiden ist es für mich einfach zu spielen. Ich kenne die Qualität von beiden und bin es gewohnt, mit ihnen zu spielen. Deshalb ist es für mich egal, wen ich an der Seite habe.» Behrami hat auch keine Vorstellung davon, wer von beiden im Klub zum Zug kommen wird. «Ich habe wirklich keine Ahnung, was der Mister plant. Aber ich glaube, dass wir in der kommenden Saison wesentlich mehr rotieren werden, weil wir sehr viele Spiele haben.»

«Keine Bewerbung, eine Bestätigung»

Und was sagt Dzemaili, der Gewinner des Abends? «Es war eines meiner besseren Spiele in der Nationalmannschaft. Ich bin sehr, sehr froh darüber, dass ich endlich einmal ein Spiel machen konnte, wie ich mir das vorstelle. Ich bin immer überzeugt davon gewesen, was ich kann, darum war es weniger ein Bewerbungsgespräch, als eine Bestätigung. Für mich war es wichtig, weil ich in der Schweiz zeigen konnte, was ich in den letzten Monaten in Napoli gezeigt habe. Ich denke, wenn es ein Spieler dem Trainer schwer macht, dann ist es für den Trainer umso schöner, denn dann hat er mehrere Möglichkeiten. Und ich glaube, das ist für einen Trainer wichtig.»

Aber im nächsten Spiel gegen Island werde die Schweiz das Spiel machen müssen. «Für uns wird das ein völlig anderer Match und wahrscheinlich wird es wichtig sein, ein frühes Tor zu erzielen», sagt Dzemaili. «Aber das Spiel gegen Brasilien wird uns sicherlich unheimlich viel Moral gegeben. Ich hoffe, dass wir an die Leistung vom Mittwoch anknüpfen können.» Die Schweiz hofft mit und lässt sich von so viel Freude bestimmt anstecken – mit Vorfreude auf die WM 2014.

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