Stiftung Warentest: Der grosse Pesto-Beschiss

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Stiftung WarentestDer grosse Pesto-Beschiss

Statt traditioneller Zutaten finden sich in Pesto-Saucen Keime, Kartoffeln und Bambus. Jedes dritte Produkt fiel im Test durch. Ein Schweizer Bio-Pesto enthielt gar einen potenziell krebserregenden Stoff.

von
rey
Basilikum, Pinienkerne, Olivenöl: Von 30 getesteten Saucen kommt nur eine an frisches Pesto heran.

Basilikum, Pinienkerne, Olivenöl: Von 30 getesteten Saucen kommt nur eine an frisches Pesto heran.

Frisches Basilikum, knackige Pinienkerne, Olivenöl, Parmesan-Käse, Knoblauch und Salz: Aus diesen Zutaten wird im Nordwesten Italiens Pesto Genovese gemacht. Die beliebte Pasta-Sauce gibt es auch als Fertigprodukt im Handel zu kaufen. Doch mit dem Original haben diese Pestos wenig zu tun: Bei einem Test der Stiftung Warentest fiel jedes dritte Produkt durch, wie die Zeitschrift «Test» in der Ausgabe von heute Donnerstag berichtet. Nur 3 von 30 geprüften Pastasaucen wurden mit «gut» beurteilt. Mehrere dieser Produkte sind im Schweizer Handel erhältlich.

Im Bio-Pesto der Schweizer Firma Ppura wurde sogar ein viel zu hoher Gehalt des potenziell krebserregenden Schadstoffs Anthrachinon nachgewiesen. Die analysierte Menge war 80-mal so hoch wie der in der EU zulässige Höchstgehalt. Der Stoff ist in der EU für die Papierproduktion zugelassen, nicht aber als Pestizid. Laut Ppura war es das Basilikum, das – trotz Bio-Zertifikat – mit Anthrachinon belastet war. Einen Monat vor der Veröffentlichung der Resultate warnte «Test» den Anbieter. Dieser zog das Pesto umgehend aus dem Verkehr. Laut Angaben der Schweizer Firma Ppura war das umstrittene Produkt lediglich in Deutschland und Österreich, nicht aber in der Schweiz erhältlich.

In einer Erklärung beteuert die Firma, nichts von den Schadstoffen gewusst zu haben und gegen den schuldigen Lieferanten des Pestos, mit dem man schon seit Februar 2013 nicht mehr zusammenarbeite, vorzugehen. «So etwas darf nicht passieren und wir sind darüber mindestens so entsetzt wie die Öffentlichkeit», heisst es in dem Statement.

Etikettenschwindel, Keime und Bambusfasern

Auch wenn die anderen getesteten Produkte nicht gefährlich sind, stimmt mit ihnen einiges nicht: Fünf der sechs traditionellen Pesto Genovese im Test betreiben laut Stiftung Warentest Etikettenschwindel, weil sie teure Zutaten ganz oder teilweise durch günstigere ersetzen. Sie verwenden Sonnenblumen- statt Olivenöl, Cashew- statt Pinienkerne, Kartoffelflocken oder Weizengriess statt Parmesan und Pecorino.

Mehrere Anbieter benutzen authentische Zutaten als Alibi, in quasi homöopathischen Mengen, die kaum zu schmecken sind. Mehrere Pestos schmecken nicht, einige haben zu viele Keime, Konservierungsstoffe oder chemisch hergestellte Aromen. In einem Produkt fanden sich sogar Bambusfasern, die als Lebensmittel gar nicht zugelassen sind.

Immerhin: Drei Saucen erhielten das Qualitätsurteil «gut», der Testsieger von der Liechtensteiner Firma Hilcona wurde im Geschmack sogar als «sehr gut» eingestuft. Er käme geschmacklich an ein selbstgemachtes Pesto heran.

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