Drogenkrieg: Der härteste Polizeichef Mexikos
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DrogenkriegDer härteste Polizeichef Mexikos

Letzte Woche wurde Julian Leyzaola zum neuen Polizeichef von Ciudad Juárez berufen. Der 51-Jährige hat den gefährlichsten Job der Welt. Angst zeigt er keine. Das hat seinen Grund.

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Vor knapp einer Woche hat Julian Leyzaola den vakanten Posten des Polizeichefs in Ciudad Juárez übernommen, der zweitgefährlichsten Stadt der Welt nach Mogadischu. Der 51-Jährige hatte bis vor Kurzem die Polizeistation in der Grenzstadt Tijuana geleitet. Damit wechselte er von einem der gefährlichsten Jobs der Welt zum anderen.

Leyzaola ist in seinem Land eine umstrittene Person. Über seine Berufung nach Ciudad Juárez berichteten die Medien nicht kommentarlos. Dabei wurde vor allem seine Tätigkeit in Tijuana näher beleuchtet: Leyzaola soll in der Grenzstadt, ebenfalls eine Drogenhochburg wie Ciudad Juárez, mit eiserner Hand regiert haben.

Blutiges Willkommensgeschenk am zweiten Tag

Der Polizeichef hat dort, wie er behauptet, eine «effektive Anti-Korruptions-Kampagne» geführt. Amnesty International warf ihm aber vor, jene Polizisten gefoltert zu haben, die nicht nach seiner Pfeife tanzten. Aufgrund der Indizienlage forderte eine Menschenrechtsorganisation im Bundesstaat Baja California gar die Suspendierung des höchsten Polizisten. Dazu kam es nie. Leyzaola geniesst die Unterstützung des mexikanischen Präsidenten Felipe Calderon.

Nach Juárez komme er nun, schrieb Leyzaola in einem Communiqué, um einen «ethischen, seriösen und professionellen Job» zu machen. Lokale Menschenrechtsgruppen befürchten eine Zunahme der Gewalt: Der «Cheffolterer» werde den Drogenkrieg «mit Hilfe der Polizei» anheizen. Sie befürchten zudem, dass sich «Todesschwadronen wie in Kolumbien oder Brasilien» bilden.

Polizei und Korruption gehen in Mexiko Hand in Hand, glaubt man einer US-Depesche aus dem Jahr 2009, die dank Wikileaks öffentlich wurde. Die US-Diplomaten berichteten, die mexikanische Armee «sähe es gern, wenn das Sinaloa-Kartell in Ciudad Juárez den Drogenkrieg gewinnen würde.» Denn im Machtkampf zwischen dem grössten Drogenkartell Mexikos und dem lokalen Juárez-Kartell wurden allein letztes Jahr 3100 Menschen ermordet. «100 Prozent der kommunalen Polizisten sind korrupt», räumte ein früherer Bürgermeister von Juárez der selben Depesche zufolge ein.

Der neue Chef hat an seinem zweiten Arbeitstag bereits einen «Willkommensgruss» des Sinaloa-Kartells bekommen: Eine in ein Leintuch eingewickelte Leiche mit der Botschaft «Das ist unser erstes Geschenk für dich».

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