23.04.2014 05:15

Juso lanciert PetitionDer Hafenkran soll für immer bleiben

Die Juso startet eine Petition, die den Stahlkoloss zu einem ständigen Wahrzeichen Zürichs machen will. Das sei nicht im Sinne des Kunstprojekts, sagen die Initianten.

von
Hannes von Wyl

«Der Hafenkran ist dazu prädestiniert, ein neues Wahrzeichen der Stadt Zürich zu werden, und aus diesem Grund soll er auch stehen bleiben», schreiben die Stadtzürcher Jungsozialisten in einer Mitteilung. Mit einer heute Mittwoch lancierten Petition fordern sie die Stadt auf, das Kunstprojekt auf unbestimmte Zeit zu verlängern.

«Die Kontroverse um den Hafenkran zeigt auf, dass das Kunstprojekt ein Erfolg ist», sagt Juso-Vorstandsmitglied Lewin Lempert. Das Bünzlihafte der Stadt werde aufgebrochen und die Bevölkerung zum Nachdenken angeregt. «Das zeichnet eine mondäne Stadt von Weltformat aus.» Zürich habe das Potenzial dazu, sei aber kulturpolitisch gelähmt, sagt Lempert. Zusätzlich zum Verbleib des rostigen Ungetüms am Limmatquai fordert die Petition daher von der Stadt Zürich ein verstärktes Engagement für Kunst im öffentlichen Raum.

«Spassige Aktion»

Mit dem Begehren stellt sich die Juso gegen die bürgerliche Hafenkräne-Nein-Initiative, die jegliche Hafeninfrastruktur in der Kernzone verbieten will. Initiant und SVP-Gemeinderat Roland Scheck hält die Juso-Petition zwar für eine «spassige Aktion», die im ansonsten eher ernsten Politikbetrieb durchaus seinen Platz habe. «Sie ist aber nicht nur komplett wirkungslos, sondern geht auch völlig am Volkswillen vorbei.»

Scheck sieht die Linke daher in einem Argumentationsnotstand. So werde nun versucht, das überteuerte Kunstprojekt als notwendiger Teil einer modernen, weltoffenen Stadt zu verkaufen. «Den Hafenkran findet meines Wissens ausser rotgrünen Parteifunktionären aber niemand toll.» Wie viel Unterstützung die Jungsozialisten aus der Bevölkerung erhalten, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Das Ziel sei es, die benötigten 3000 Unterschriften innerhalb eines halben Jahres zu sammeln.

Hafenkran zieht weiter

Nur: Selbst bei der Stadt will man von einer Verlängerung des Kunstprojekts nichts wissen. «Wir bauen den Hafenkran im Januar ab», sagt Pio Sulzer, Sprecher des Tiefbau- und Entsorgungsdepartements. Dann laufe die Bewilligung aus. Um den Hafenkran stehen zu lassen, müsste man eine neue Bewilligung beantragen. Das sei aber zum jetzigen Zeitpunkt kein Thema: «Heute sagt die Stadt Zürich klar nein», stellt Sulzer fest.

Ähnlich klingt es beim Künstler Jan Morgenthaler, der treibenden Kraft hinter der Installation: «Der Kern der Sache liegt im Wort ‹Transit›. Das heisst, der Kran wird Zürich wieder verlassen.» Auch für Alt-Stadtrat Martin Waser (SP), der die Kunstaktion mit rund 80'000 Franken aus der eigenen Tasche unterstützt, hat der Stahlkoloss kein Bleiberecht: «Der Hafenkran ist ein Reisender auf Durchreise.»

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