Kayne West vs. 50 Cent: Der Harte & der Zarte
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Kayne West vs. 50 CentDer Harte & der Zarte

Kanye West und 50 Cent, die beiden Hip-Hop-Stars der Stunde, veröffentlichen am 7. September beide ihr drittes Album. Damit enden die Gemeinsamkeiten zwischen dem Studienabbrecher und dem Gossenjungen aber auch.

«Die Ärmsten wissen nicht, dass ich der Anti-Bling bin», witzelte Hip-Hop-Mogul Kanye West über die englischen Prinzen nach dem Gedenkkonzert für Lady Di im Wembley-Stadion. Anlass war eine Diskussion zwischen Harry und William, ob Wests Gartenzaun-Brille jetzt «Bling», sprich Klunker, sei oder nicht.

Gegen «Bling» hat Rap-Superstar 50 Cent nichts einzuwenden – gross prangt ein Schriftzug aus Diamanten auf seiner neusten schusssicheren Weste. «Curtis» steht darauf – sein Vorname und gleichzeitig der Titel seines dritten Albums, das er am 7. September veröffentlicht. Am selben Tag erscheint auch das dritte Kanye-West-Album «Graduate». 50 Cent will nie wieder als Solo-Künstler an die Öffentlichkeit treten, sollte sein Kontrahent das Rennen um die Verkaufszahlen gewinnen. 2006 schnappte ihm dieser einen Grammy fürs beste Rap-Album vor der Nase weg. Ein klarer Fall von Grammy-Neid?

Kanye lässt sich für einmal nicht provozieren. Bereits vor seinem Durchbruch als Solo-Künstler hat er es weit gebracht. Vom Akademiker-Sohn aus Chicago, der ein Jahr vor dem Abschluss das College schmiss, avancierte er zum Hit-Produzenten für Grössen wie Alicia Keys oder Jay-Z. «Finding Forever», das neue Album von Soul-Rapper Common, das Kanye mit seinen kuscheligen Beats unterlegte, schoss auf Platz eins der amerikanischen Billboard Charts.

50 Cent gehört ebenfalls zu jenen Künstlern, die sich von Produzenten die Hits auf den Leib produzieren lassen. Einen grossen Teil seines Erfolges verdankt er Dr. Dre und Eminem, die ihn entdeckten und ihn aus den Sozialsiedlungen des New Yorker Stadtteils Queens nach Los Angeles holten.

Zurzeit ist der Sohn einer Drogensüchtigen – der zwischenzeitlich selbst als Dealer aktiv war – der erfolgreichste Rapper weltweit. Mit Hits wie «In Da Club» oder «Candy Shop» hat der 32-Jährige den Gangster-Rap in die Hitparaden geholt. Er besitzt zudem eine Kleidermarke, tritt in Videogames auf und ist sich auch als Dildo-Modell nicht zu schade.

Kanye West ist längst nicht so multimedial orientiert wie 50 Cent. Trotzdem: Im Hintergrund für andere die Regler zu drehen, ist nicht sein Ding. Aus gutem Grund, denn im Vergleich zu anderen Produzenten, deren Gesangskünste gerade mal für einen geträllerten Refrain ausreichen, hat Kanye West einen charakteristischen Reim-Stil entwickelt: Wenn Ye, wie er sich gerne nennt, rappt, klingt das im Vergleich zum entspannten Sprechgesang von 50 Cent aber immer inbrünstig – wie ein Schuljunge, der von der Ungerechtigkeit eines Lehrers erzählt.

Für «Stronger», die erste Singleauskopplung des neuen Albums, holte sich Kanye als Verstärkung Daft Punk ins Boot und drehte einen Video-Clip, der die Ästhetik der Elektro-Band übernimmt.

«Can't Tell Me Nothing», die zweite Single, wartet im Refrain mit einem für West typischen Stimm-Sample auf – hoch quietschend und herzzerreissend schön. Dazu gibts neben dem offiziellen Video eine Version auf Kanyewest.com zu sehen, in der US-Comedian Zach Galifianakis in Begleitung von Folk-Sänger Will Oldham (alias Bonnie Prince Billy) auf einem Bagger durch eine Ackerlandschaft rattert.

Bagger und französischer Firlefanz sind nichts für 50 Cent. Im Videoclip zur Singleauskopplung «Ayo Technology» mit Justin Timberlake werden kurvenreiche Frauen durch grosse Zielfernrohre beobachtet. Der typische Timbaland-Beat frisst sich dazu direkt in die Gehörgänge. Im «versehentlich» zu früh veröffentlichten Video zu «Follow My Lead» wiederum lässt sich 50 Cent von Dustin Hoffmann therapieren, weil er immer so unschön mit den Frauen spricht. Vielleicht sollte er mal bei Kanye West reinhören, der singt in «Stronger» für seine Angebetete Strophen wie: «You can be my black Kate Moss tonight.» Ob sich aber mit Romantik mehr Platten verkaufen lassen als mit Sex und Klunker, bleibt abzuwarten. Die Verkaufszahlen von 50 Cent sprechen jedenfalls deutlich dagegen.

(Jonas Dreyfus)

Kanye West

Kanye Wests drittes Album «Graduation» enthält 17 hausproduzierte Tracks inkl. Features von Mos Def und Chris Martin von Coldplay. Kanyes letztes Album «Late Registration» (2005) verkaufte sich 4 Millionen Mal. Er erhielt dafür 2006 den Grammy für das beste Rap-Album. In jenem Jahr verdiente er umgerechnet rund 20,5 Millionen Franken.

50 Cent

Auf 50 Cents drittem Album «Curtis» wimmelt es nur so von Top-Produzenten wie Dr. Dre oder Timbaland. Jeder der 17 Tracks ist gefeatured, u. a. kommen Gäste wie Mary J. Blige, Justin Timberlake oder Akon zum Einsatz. Das Vorgänger-Album «The Massacre» (2005) ging 11 Millionen Mal über den Ladentisch. 2006 hatte er ein geschätztes Jahreseinkommen von 38,5 Franken.

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