Aktualisiert 03.12.2009 16:26

Umstrittene AktionDer harte Kampf der Stapo Zürich um Respekt

Die Polizei wehrt sich gegen die zunehmenden Attacken gegen ihre Beamten. Seit dem 20. Oktober greift sie im Rahmen der Aktion «Respekt» rigoros durch. Wie das aussieht, weiss man spätestens seit der gestrigen «10vor10»-Sendung. Obs klappt mit dem Respekt, ist allerdings offen.

von
meg

Ein Velofahrer fährt verbotenerweise auf der Busspur. Alltag auf der Zürcher Langstrasse. Doch dann kommt ihm ein Polizeiwagen der Stadtpolizei Zürich entgegen. Was dann genau passiert, ist unklar. Er habe das Auto touchiert, sagt der Velofahrer. Er habe dem Auto einen Tritt versetzt, sagen die Beamten. Es steht Aussage gegen Aussage. Doch was dann passiert, hat gestern zahlreiche Zuschauer von «10vor10» überrascht und schockiert. Ein Beamter steigt aus dem Wagen, packt den Velofahrer und sein Fahrrad, klatscht den Radler förmlich an die nächste Wand, wirft das Fahrrad auf den Boden. Herbeigeilte Passanten sind über die Härte des Vorgehens entsetzt und nehmen Partei für den Verhafteten. Immer mehr Polizisten treffen ein. Um die Situation in den Griff zu kriegen, wird der Tatort schliesslich von Stadtpolizisten mit Gummischrotgewehren gesichert. Respekt und Deeskalation sieht irgendwie anders aus. Der Mann wird verhaftet, er muss die Nacht in Polizeigewahrsam verbringen.

«Sofort mit Konsequenzen rechnen»

Die Reportage des Schweizer Fernsehens zeigt, wie die Stadtpolizei Zürich ihre am 20. Oktober bekannt gegebene Aktion «Respekt» umsetzt: mit voller Härte. «Wer Polizisten angreift, muss sofort mit Konsequenzen rechnen», teilte die Stapo damals mit. In der Realität genügt bereits eine weggeworfenen Zigarette. So wird ein FCZ-Fan verhaftet, der seine Zigarette hinter eine Polizeibeamtin geworfen hatte. Er wird gepackt, verhaftet, für ein paar Stunden weggesperrt. Er sei «vorbeigelaufen, musste sich natürlich mitteilen, hat dann irgendetwas geblabbert, ist dann weitergelaufen, hat noch einmal etwas gesagt, wurde nicht verstanden», erklärt eine Polizistin im Beitrag. Er sei dann einfach weitergelaufen und habe dann die Zigarette geworfen, die genau hinter der Polizeibeamtin landete. Dafür wird er in Polizeigewahrsam genommen.

«Ohne Härte geht es nicht»

Polizeisprecher Marco Cortesi rechtfertigt die beiden Einsätze gegenüber 20 Minuten Online. Der Velofahrer habe ganz klar ans Polizeiauto getreten. «Es gab sogar noch Zeugen.» Hätte er dies nicht gemacht, hätten ihn die Beamten «nicht einmal beachtet», so Cortesi und weiter: «Es mag vielleicht kleinlich sein, aber ein solches Vorgehen tolerieren wir einfach nicht mehr.» Auch den Einsatz gegen den FCZ-Fan verteidigt Cortesi: «Er hat die Zigarette ganz klar gegen die Beamtin geworfen. Er hat sie einfach verfehlt.» Man lasse sich einfach nicht mehr mit Gegenständen bewerfen oder anspucken, wie dies in der Vergangenheit vorgekommen sei. Allerdings muss Cortesi gestehen, dass man das Velo hätte sanfter anpacken können. «Das hätte man anders auf die Seite stellen können», gibt er zu. Ansonsten sei an diesem Abend alles nach Plan abgelaufen: «Die Einsätze waren vielleicht an der härteren Grenze, aber nicht unverhältnismässig.»

Eine Frage des Augenmasses

Fragt sich, wo die Grenze ist und wann die Aktion in Polizeiwillkür übergeht. Cortesi sagt, dass es keinen Katalog gebe. «Es ist eine Frage von Augenmass.» Die Einsätze würden jeweils auch diskutiert. «Und der Kommandant reagiert konsequent gegenüber Beamten, die die Spielregeln verletzen.»

Laut Polizeiangaben reagieren die Quartierbewohner und Beamten positiv auf die Nulltoleranz-Politik. Andere sehen das anders. In einem Forum steht: «Als ich das gesehen habe, war ich entsetzt, vor allem die Szene, als der Velofahrer wegen eines Verkehrsdeliktes brutal verhaftet wurde.»

Finden Sie das Vorgehen richtig oder falsch? Was sind Ihre Erfahrungen? Schreiben Sie uns an:feedback@20minuten.ch.

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