Kälte, Schnee und Unfälle: Der harte Winter kennt Verlierer und Gewinner
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Kälte, Schnee und UnfälleDer harte Winter kennt Verlierer und Gewinner

Einige reiben sich im kalten Winter die Hände ob der guten Geschäfte und nicht weil sie frieren. Streusalz, Schneeketten, Winterkleider und Schlitten verkaufen sich wie warme Weggli. Eine andere Branche dagegen leidet – die Versicherungen.

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scc/oba

Der Mensch ist ein spontanes Wesen. Wir denken meist erst im morgendlichen Schneegestöber daran, dass wir Streugut für den Vorplatz brauchen, oder merken bei der ersten Rutschpartie in der Garagenausfahrt, dass die Winterreifen doch erneuert werden sollten. Und ein Blick auf den weissen Hausberg verleiht Lust auf einen spontanen Schlittelplausch.

Salz hat's noch genug

Das lässt die Nachfrage in den betreffenden Branchen sprunghaft ansteigen und in Extremfällen gar die Vorräte zur Neige gehen. Zum Problem wird's, wenn es – wie in Deutschland geschehen – beim Streusalz zu Lieferengpässen kommt. Können die Städte und Gemeinden ihren Winterdienst nicht gewährleisten, wird Autofahren zur gefährlichen Schleuderpartie.

Zumindest für die Stadt Zürich gibt die zuständige Stelle Entwarnung. «Wir verfügen über genügend Streusalz, um die Anforderungen der Bevölkerung an Sicherheit und Mobilität zu erfüllen», sagt Leta Filli, Sprecherin von ERZ Entsorgung und Recycling. Die Vorräte reichten auch für weitere harte Wintertage.

Lieferstopp für Deutschland

Für Nachschub ist ebenfalls gesorgt, wie Armin Roos von den Rheinsalinen bestätigt. Dieses Unternehmen beliefert fast die ganze Schweiz. Produktion und Auslieferung laufen auf Hochtouren. Bereits seien im Januar 2010 über 40'000 Tonnen ausgeliefert bzw. bestellt worden. Mit einem Engpass wie im Schneewinter 1999 rechnet Roos nicht. Vorsorglich wird jedoch kein Streusalz mehr nach Deutschland geliefert, um die eigene Versorgung nicht zu gefährden.

Run auf Wintersportartikel

Wie sieht es beim Autozubehör aus, müssen Herr und Frau Schweizer gar auf Winterreifen warten? Daniel Bircher, Verkaufsleiter des grössten Schweizer Händlers, Pneu Egger, winkt ab. «Die Schweizer sind diesbezüglich vorbildlich, fast 80 Prozent der Automobilisten haben bis Ende Jahr schon auf Winterreifen umgerüstet.» Etwas spontaner sei die Nachfrage nach Schneeketten, hier deckten sich die Leute häufig erst bei Schneefall oder vor den Winterferien ein.

Ganz direkt spüren hingegen die Sportartikelhändler die plötzliche Winterstimmung. Bei der Migros Aare in Bern verkaufe sich das gesamte Wintersportsortiment – von der Jacke bis zu den Skis – seit der letzten Altjahreswoche ausgezeichnet, sagt Pressesprecherin Barbara Siegenthaler. Nahezu ausverkauft sei der preisgünstige Plastikbob, schliesslich lade der Berner Hausberg Gurten zum Schlitteln ein. Aber auch der traditionelle Holzschlitten, der «Davoser», gleite zügig über den Ladentisch.

Beim Schlitten-Traditionshersteller Graf in Sulgen wird daher eifrig weiterproduziert, um die Nachfrage zu befriedigen, bestätigt Patricia Opprecht. 3000 bis 4000 Stück Bestellungen kämen jährlich herein, heuer besonders viele aus Deutschland, da dort wegen des landesweiten Schneewetters Schlitten nahezu ausverkauft seien.

Verlierer: die Versicherungen

Doch nicht allen bereitet der weisse Winter eitel Freude. Auf den Strassen steigt die Unfallgefahr, Spaziergänger rutschen auf den vereisten Trottoirs aus, Skifahrer überschätzen ihre Fähigkeiten, Wasserleitungen gehen zu Bruch. Je strenger der Winter, desto höher wird die Zahl der Schadensmeldungen, die bei den Versicherungen eingehen. Die Schadensbilanz der aktuellen Schnee- und Kältewelle lässt sich noch nicht beziffern. Die Zürcher Polizei erfasst zurzeit die Unfallprotokolle der ersten Januarwoche. Und auf das nächste Wochenende sind neue Niederschläge angesagt...

Zu den Verlierern des Kälteeinbruchs gehört auch die Luftfahrtsindustrie. Letztes Wochenende ging auf dem Flughafen Genf-Cointrin während Stunden gar nichts mehr: Zehn Zentimeter Schnee blockierten die Pisten, rund 70 Flüge mussten verschoben oder annulliert werden.

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