Mit HIV infiziert: Der «Heiler von Bern» steht vor Gericht
Aktualisiert

Mit HIV infiziertDer «Heiler von Bern» steht vor Gericht

Er soll 16 Schüler und Patienten mit HIV-verseuchten Nadeln gestochen und so infiziert haben, wirft ihm der Staatsanwalt vor. Der Angeklagte X. sagt hingegen, er sei unschuldig.

von
A. Hirschberg

Der Fall des «Heilers von Bern» sorgte landesweit für Aufsehen. Er soll zwischen 2001 und 2005 16 Schüler oder Patienten gezielt mit HIV infiziert haben. Nach acht Jahren Untersuchung muss sich der Angeklagte X.* nun endlich vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland verantworten. Staatsanwalt Hermann Fleischhackl wirft dem Angeklagten X. vor, seine Schüler und Patienten mit HIV-kontaminierten Nadeln oder Nadel-ähnlichen Gegenständen gestochen zu haben.

Dabei ging er laut Anklageschrift unterschiedlich vor: Er täuschte vor, die Opfer mit Akupunktur zu behandeln, er stach sie unvermittelt mit einem unbekannten Gegenstand in den Rücken oder servierte ihnen ein einschläferndes Getränk und infizierte sie dann auf unbekannte Art mit HIV. Das Blut soll er immer wieder einem Schüler abgezapft haben, der X. im Frühsommer 2001 erzählte, er sei HIV-positiv.

Nur eine einzige Akupunktur-Behandlung

Heiler X., der selbst HIV-negativ ist, bestreitet alle Vorwürfe, obwohl sich unter den Infizierten sogar drei weitere Personen aus seinem direkten familiären Umfeld befinden. Diese wurden zunächst verhört, sind mittlerweile aber vermutlich auf eigenen Wunsch aus dem Verfahren gestrichen worden.

Sein Anwalt erklärte gegenüber den Medien, X. habe nie einem Schüler Blut abgezapft. Akupunktur-Behandlungen habe er nur ein einziges Mal bei seiner Frau gemacht, als sie Rückenprobleme hatte.

X. zu beschuldigen sei einfacher

Auf die Frage, wie sich 16 Musikschüler und Patienten des Heilers X. mit HIV angesteckt haben sollen, wenn sie nicht gezielt von ihm infiziert wurden, hat Anwalt Reber jedoch keine plausible Antwort. Sein Mandant selbst suche immer wieder nach möglichen Erklärungen, sagt er. Und: Die Opfer könnten sich untereinander abgesprochen haben, seinen Mandanten zu beschuldigen. Es sei für die Infizierten einfacher, einen Grund für die Ansteckung schildern zu können, besonders wenn man es sich selber nicht erklären könne.

Der Fall gegen den Heiler X. beruht vor allem auf den Beschreibungen seiner Opfer. Material zur Blutentnahme oder infiziertes Blut konnte die Polizei bei G. nie finden. Aber auch ein Gutachten stützt die Aussagen seiner mutmasslichen Opfer.

Alle mit demselben Subtypus infiziert

Es handelt sich um eine phylogenetische Analyse der HIV-Virusstämme der Infizierten. Das Gutachten kommt zum Schluss, dass die 16 Personen alle vom gleichen Subtypus infiziert wurden, dessen Sequenzen sehr ähnlich sind. Anwalt Reber kritisiert, dass die phylogenetische Analyse eine junge Wissenschaft sei, deren Ergebnisse auf statistischen Einschätzungen und Annahmen basiere.

Der Prozess beginnt am Mittwoch, 6. März und dauert drei Wochen. «Heiler» X. werden schwere Körperverletzung und Verbreitung menschlicher Krankheiten zum Nachteil von insgesamt 16 Personen vorgeworfen. Ausserdem soll er seine ehemalige Partnerin bedroht und genötigt haben. 20 Minuten berichtet laufend vom Prozess.

* Name der Redaktion bekannt

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