«Time-Out»: Der heilige Zorn des HCD-Trainers
Aktualisiert

«Time-Out»Der heilige Zorn des HCD-Trainers

HCD-Trainer Arno Del Curto ist wütend. Er weiss, dass ihn nur das jüngste Gericht vor einer Krise bewahrt.

Trotz dem Sieg gegen Langnau gibt es für Arno Del Curto nicht viel Anlass zur Freude.

Trotz dem Sieg gegen Langnau gibt es für Arno Del Curto nicht viel Anlass zur Freude.

Der HCD hat soeben die SCL Tigers 4:2 besiegt und damit zum dritten Mal in Serie gewonnen. Aber Trainer Arno Del Curto ist zornig. Nein, nein, er wolle nicht über diese Partie diskutieren. «Wir spielen so schlecht, dass ich darüber nicht reden will. Ich will nichts von unserem Spiel sehen und hören, ich will einfach alles ausblenden und vergessen.» Er beruhigt sich ein wenig und sagt dann: «Wir können erst wieder unser Hockey spielen, wenn alle gesund sind.»

Der HCD-Trainer hat schon recht: Aus dem Hockey-Schnellzug HCD ist ein Dieseltraktor geworden. Ohne Leitwolf Reto von Arx, ohne das Tempo von Peter Guggisberg und ohne die Härte und die Pässe von Beat Forster ist der HCD bloss eine gewöhnliche Mannschaft. Das Spiel der Davoser ist jetzt mehr Arbeit als Spiel. Vielleicht halb so schnell, präzis und intensiv wie zu den grandiosen meisterlichen Zeiten.

Das Vorbild aus der NHL

Aber das «jüngste Gericht» ist trotzdem über die Langnauer hereingebrochen und hat dem HCD doch noch einen 4:2-Sieg beschert. Aus der NHL kennen wir eine Linie, die als «jüngstes Gericht» («Legion of Doom») legendär geworden ist: Ein Sturm, der mit furchterregender Feuerkraft, Wucht und enormer Wasserverdrängung zwischen 1995 und 1997 gleichsam wie das «jüngste Gericht» die Gegner heimgesucht und die Philadelphia Flyers ins Stanley Cup-Finale gebracht hat: Mikael Renberg (188 cm/100 kg), Eric Lindros (195 cm/109 kg) und John LeClair (191 cm/102 kg).

HCD-Trainer Arno Del Curto hat auch ein «jüngstes Gericht» zusammengestellt. Eine Linie wie Philadelphias «Legion of Doom». Petr Sykora (191 cm/106 kg), Joe Thornton (193 cm/106 kg) und Rick Nash (193 cm/100 kg). Alle drei über 190 cm gross und mindestens 100 kg schwer. Kein anderes NLA-Team bringt eine Linie mit dieser Kombination aus Postur, Wasserverdrängung, Wucht und Talent aufs Eis. Und tatsächlich entscheidet das furchterregende HCD-Trio diese intensive Partie mit den wegweisenden ersten beiden Treffer zur 2:0-Führung. Zudem leistete Joe Thornton auch ein enormes defensives Arbeitspensum (inkl. Einsätze im Boxplay) – weil es der Trainer von ihm verlange. Joe Thornton war der dominierende und mit Abstand beste Spieler auf dem Eis.

HCD-Powerlinie kann nicht mit der NHL mithalten

Dem NHL-Star gefällt der Vergleich mit der «Legion of Doom», gibt aber zu bedenken, weder Nash noch Sykora oder er seien so gut wie Eric Lindros. Die «Legion of Doom» hatte bereits die Partie gegen die Lakers (3:2) mit drei Treffern in der ersten Spielhälfte entschieden. In Langnau genügten 20 Minuten. Viel länger als 30 Minuten können die drei ihre furchterregende Wirkung nicht entfalten. Denn keiner ist hundertprozentig fit. Joe Thornton leidet an einer im letzten Februar erlittenen und jetzt wieder aufgebrochenen Handverletzung. Rick Nash wagt nach einer Schulterprellung keinen richtigen Check und Petr Sykora zwickt es in den Adduktoren, am Schlüsselbein und in den Rippen. Die Konkurrenz sollte den Hockeygöttern auf den Knien danken, dass Thornton, Nash und Sykora nicht die Energie für 60 Minuten haben.

Den 0:2-Rückstand vermochten die Langnauer also nicht mehr aufzuholen. Immer mehr zeigt sich, dass die völlig ungenügenden ausländischen Feldspieler die Emmentaler die Playoffs kosten könnten. Das «jüngste Gericht» des HCD brauchte gerade mal ein Drittel, um so viele Tore zu erzielen wie alle Langnauer Ausländer in der ganzen Saison: nämlich zwei. Curtis McLean, Mark Popovic, Pascal Pelletier, Tyler Ennis und Jared Spurgeon haben bisher zusammen zwei Treffer erzielt. Gegen den HCD versagten Pelletier (völlig ungenügend), McLean (ungenügend) und Spurgeon (genügend) erneut. Am Freitag in Biel sollte nun NHL-Stürmer Tyler Ennis ins Team zurückkehren.

Langaus schwache Ausländer

Die Langnauer hätten durchaus die Basis für die Playoffs. Das Team ist exzellent gecoacht, gut organisiert, diszipliniert und kampfstark. Torhüter Jaroslav Hübl ist einer der besten der Liga. Aber ohne brauchbare ausländische Feldspieler geht es einfach nicht. Simon Moser (188 cm/95kg) könnte mit seiner Postur eigentlich eine ähnliche Wirkung entfalten wie Joe Thornton, Rick Nash oder Petr Sykora. Er hat gestern in seinem zweiten Spiel nach seiner Verletzungspause sein erstes Tor erziel (zum 2:3).

Da stellt sich der neutrale Beobachter zu Recht die Frage: Wo wären die Langnauer, wenn sie neben Simon Moser zwei Ausländer wie Joe Thornton und Petr Sykora hätten? Die Antwort ist klar: in den Playoffs.

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