Terror in Nairobi: Der Held, das Kind und das vor Angst gelähmte Mami
Aktualisiert

Terror in NairobiDer Held, das Kind und das vor Angst gelähmte Mami

Die Terrorattacke von Nairobi brachte Helden hervor: Einer davon ist Abdul Haji. Der Zivilist half einer amerikanischen Familie, lebend aus der Westgate-Mall zu kommen.

von
gux

Die Waltons zogen mit ihren fünf Kindern vor zwei Jahren von North Carolina nach Kenia. Letzten Samstagnachmittag nahm Katherine Walton (38) ihre zwei Teenage-Söhne und drei kleinen Töchter in das Einkaufszentrum mit. Dann kamen die Terroristen der Al-Schabaab – Walton war mit ihren Töchtern zu diesem Zeitpunkt in einem Supermarkt, ihre beiden Söhne spazierten alleine durch die Mall.

«Wir wollten uns mit den beiden Älteren vor dem Supermarkt treffen, als wir Schüsse und Explosionen hörten», erzählt Walton dem «Telegraph». «Ich schnappte mir die Mädchen und rannte. Eine Frau zog uns hinter einen Tisch. Ich sah, wie die Kugeln über uns Schaufenster trafen und hörte überall Schreie.»

«Sie rannte einfach los»

Zusammen mit einer Kenianerin und zwei indischen Frauen kauerte die Mutter mit ihren drei Mädchen hinter dem Tisch. «Die Mädchen waren ganz still. Das Baby schrie während der Schiesserei, schlief dann aber ein», so Walton. Alle anderen hatten Todesangst. Doch dann sah Walton einen Mann in kariertem Hemd, der auf die Terroristen schoss: Abdul Haji, Sohn eines Sicherheitsbeamten, war zum Einkaufszentrum geeilt, um seinem Bruder zu helfen.

Ohne Worte wies er die verängstigten Frauen und Kinder an, ihren Platz hinter dem Tisch zu verlassen und zu ihm zu kommen. Doch die Frauen zögerten, sie hatten Angst, ihre Deckung aufzugeben. In dem Moment rannte die vierjährige Portia einfach los, auf Haji zu. «Ich weiss nicht, wieso sie wusste, was zu tun ist, aber sie tat es einfach und rannte los», so Portias Mutter. In dem Moment, als das Kind den Gang hinunterrannte, drückte der ebenfalls anwesende Kriegsfotograf Goran Tomasevic auf den Auslöser seiner Kamera.

Mutter Walton unter dem Tisch

Es entstand ein ikonisches Foto: Das kleine Mädchen rennt mit konzentriertem Gesichtsausdruck auf Haji zu, der die Hand nach ihm ausstreckt. Im Hintergrund kaum zu erkennen: Mutter Walton mit dem Baby unter dem Tisch.

Nachdem ihre Vierjährige losgerannt war, half der mutige Kenianer auch den anderen Frauen. Er gab ihnen Deckung und führte sie aus der Mall heraus. Andere Fotos zeigen ihn später, wie er weiter Jagd auf die Angreifer macht. «Ich schulde Herrn Haji ein oder zwei Umarmungen», so Katherine Walton. Ihre beiden älteren Söhne hatten sich bei dem Angriff draussen in Sicherheit bringen können.

«Ich tat, was jeder Kenianer in dieser Lage tun würde – Leben retten, anderen Menschen helfen, unabhängig von Nationalität, Religion und Überzeugungen», meinte Haji bescheiden in einem Interview mit NTV. Wie er erzählt, arbeitet sein Bruder als Undercover-Agent einer Antiterroreinheit. Bei dem Angriff sei dessen Deckung aufgeflogen. Jetzt erhalte die Familie Todesdrohungen.

Abdul Haji erzählt im Fernsehen von der Attacke

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