Hattrick-Schütze Félix: Der Held mit Zahnspange jagt die Rekorde
Aktualisiert

Hattrick-Schütze FélixDer Held mit Zahnspange jagt die Rekorde

Mit drei Toren ist João Félix der grosse Gewinner der Viertelfinals. Er überbietet sogar den grossen Eusebio.

von
Marcel Rohner

Bei seinem dritten Tor kommen dem 19-Jährigen die Tränen: João Félix liefert gegen Frankfurt eine grossartige Performance ab. Video: SRF

Dieser Jubel ist nicht mehr einstudiert. Nicht wie das klassische Rutschen auf den Knien beim 1:0, nicht wie das Dastehen mit verschränkten Armen à la Kylian Mbappé beim 2:1. Dieser Jubel, der eigentlich gar kein Jubel ist, ist spontan, vielleicht weil nicht mal João Félix selbst damit gerechnet hatte, was am Donnerstagabend im Estádio da Luz in Lissabon passieren würde.

Das Spiel gegen Eintracht Frankfurt ist 54 Minuten alt, da erzielt der 19-jährige Stürmer mit Pickeln im Gesicht und Zahnspange im Mund sein drittes Tor des Abends, jetzt kommen die Tränen, keine Coolness mehr wie bei seinen ersten zwei Treffern. Benfica gewinnt gegen die Eintracht, die mit über 3000 Fans im Schlepptau nach Portugal reiste, 4:2. Dank einer hervorragenden Performance von Félix. Der spielt in diesem Europa-League-Viertelfinal so gross auf, dass sie es sich bei Benfica leisten können, den Liga-Topskorer Haris Seferovic auf der Bank zu lassen und erst in der zweiten Halbzeit einzuwechseln.

Sie nennen ihn Zauberer

Auch der deutsche Boulevard, er ist besonders findig, was Spitznamen angeht, ist angetan: «Bubi-Superstürmer schockt die Eintracht», steht bei den einen, «Zahnspangen-Zauberer führt Frankfurt vor» bei den anderen. Félix ist der jüngste Hattrick-Schütze der Europa League je, und der jüngste Portugiese, der in einem europäischen Wettbewerb drei Tore in einem Spiel erzielt hat. Er löst den grossen Eusebio ab, der Rekord bestand während 57 Jahren.

Félix, der Teenager mit Boyband-Frisur, ist im Norden Portugals, in Viseu, zur Welt gekommen. Nächste logische und grosse Station ist da der FC Porto, diesem schloss er sich im Alter von neun Jahren an. 2015 folgte der Sprung in Benficas U-15. Aus derselben Nachwuchsakademie kommen auch Bernardo Silva, Portugiese, und Ederson, Brasilianer. Beide wechselten 2017 zu Manchester City, Silva machte den Umweg über Monaco. 90 Millionen bezahlten die Engländer für den Dribbelkünstler und den Goalie, heute ist jeder von ihnen alleine so viel wert.

Auch an Félix soll der englische Meister dran sein, genauso wie Stadtrivale United, Juventus Turin und Bayern München. Der Angreifer, der meist hängend hinter dem klassischen Neuner Seferovic spielt, verlängerte im November 2018 seinen Vertrag bis 2023, man spricht von einer Ausstiegsklausel in der Höhe von 120 Millionen Euro.

Auch Seferovic profitiert

Diese Summe kommt natürlich nicht nur vom Spiel gegen Frankfurt, Félix ist kein völlig Unbekannter. Nur spielte er bisher auf der kleinen Bühne des europäischen Fussballs. In der portugiesischen Liga steht er bei 20 Einsätzen und zehn Toren, zu seinem Debüt kam er im vergangenen August. Sein erstes Tor schoss er eine Woche später, seit dem 6. Januar steht er stets in der Startelf. Meist hinter Seferovic, der gegen seinen ehemaligen Verein Frankfurt dann doch eine halbe Stunde zum Einsatz kam und kurz nach der Einwechslung am Fuss von Goalie Kevin Trapp scheiterte.

Topchance für Seferovic

Video: SRF

Félix schickt Seferovic, der scheitert knapp. Video: SRF

Das 5:2 hätte nichts daran geändert, dass der Abend Félix gehörte. Schliesslich hatte der junge Portugiese selbst Seferovic mit einem herrlichen Pass in den Lauf erst in diese Situation gebracht. Es wäre neben den drei Toren sein zweiter Assist gewesen. Adi Hütter, YB-Meistercoach und jetzt Trainer bei Frankfurt, sagte nach dem Spiel: «Er ist ein seltenes Talent, im Rückspiel müssen wir auf ihn aufpassen.» Sein Gegenüber Bruno Lage versuchte, die Erwartungen zu dimmen: «Macht keinen Superhelden aus ihm», befahl er an der Pressekonferenz nach dem Spiel.

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