Nachruf: Der Held wider Willen
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NachrufDer Held wider Willen

Rodney King, dessen Misshandlung die Rassenunruhen von 1992 in Los Angeles ausgelöst hatten, ist tot. Mit seinem Status als Bürgerrechts-Ikone haderte der Alkoholiker zeit seines Lebens.

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kri
Rodney King im April 2012 bei einer Autogrammstunde für sein Buch «Die inneren Unruhen».

Rodney King im April 2012 bei einer Autogrammstunde für sein Buch «Die inneren Unruhen».

Rodney Kings schwere Misshandlung durch Polizisten in Los Angeles hatte 1992 tödliche Rassenunruhen in den USA ausgelöst. Nun ist der Afroamerikaner im Alter von 47 Jahren gestorben. Ein Polizeisprecher sagte, Kings Verlobte habe ihn am Sonntagmorgen auf dem Grund des Swimmingpools ihres Hauses entdeckt. Hinweise auf ein Verbrechen gab es demnach nicht. Die Sanitäter hätten erfolglos versucht, King wiederzubeleben, sagte der Polizeisprecher. Im Krankenhaus wurde wenig später sein Tod festgestellt. Eine Autopsie soll nun die genauen Todesumstände klären.

Die Prügelattacke gegen King im März 1991 löste Bestürzung in den USA aus. Vier Polizeibeamte prügelten den Schwarzen mit mehr als 50 Schlägen nieder, traten ihn und feuerten mit einer Schreckschusspistole auf ihn, nachdem sie ihn wegen einer Geschwindigkeitsüberschreitung gestoppt hatten. George Holliday, der in der Nähe des Tatorts wohnte, filmte das Geschehen und reichte die Aufnahmen an einen Fernsehsender weiter. Der Fall Rodney King wurde dadurch gleichsam zur Geburtsstunde des modernen Leser-Reporters.

Festnahmen im Zusammenhang mit Alkohol

Eine Verurteilung der Beamten schien sicher, doch dann wurde das Verfahren in den mehrheitlich von Weissen bewohnten Vorort Simi Valley verlegt. Im April 1992 sprach eine Jury, der kein Schwarzer angehörte, drei Polizisten frei. Das Verfahren gegen den vierten platzte.

Das Urteil löste umgehend gewaltsame Ausschreitungen aus, die in South Los Angeles ihren Anfang nahmen. Innerhalb von drei Tagen kamen 55 Menschen ums Leben, mehr als 2000 wurden verletzt. Auf dem Höhepunkt der Gewalt bat King auf einer Pressekonferenz: «Können wir nicht alle miteinander auskommen?»

Die Polizei wurde von den Unruhen überrascht. Der Aufruhr breitete sich auf Koreatown aus, wo Ladeninhaber sich bewaffneten und Feuergefechte mit Plünderern lieferten. Mehrere schwarze Männer zogen einen weissen Lastwagenfahrer aus seinem Fahrzeug und prügelten ihn fast zu Tode. Der Polizeichef Daryl Gates geriet in die Kritik und trat zurück.

Entschädigung in Millionenhöhe

Im Sommer desselben Jahres kam es erneut zu einer Anklage der vier Polizisten. Zwei von ihnen wurden in dem Prozess zu zwei Jahren Haft verurteilt, King erhielt 3,8 Millionen Dollar. Einen Grossteil gab er für Anwaltsgebühren und Autos aus. Später gründete er sein eigenes Plattenlabel, dem aber kein Erfolg beschieden war.

In den zwei Jahrzehnten, seit sein Name zum Synonym für die Unruhen geworden war, wurde King mehrfach festgenommen, meist im Zusammenhang mit Alkohol. Er trat in der Reality-Show «Celebrity Rehab» auf und veröffentlichte pünktlich zum 20. Jahrestag der Unruhen seine Autobiographie: «Die innereren Unruhen: Meine Reise vom Aufstand zur Wiedergutmachung». Dafür erhielt er von seinem Verleger einen Vorschuss, ansonsten war er inzwischen weitgehend mittellos.

Gespaltenes Verhältnis zu Promistatus

Zu seinem Status als Bürgerrechts-Ikone hatte King ein widersprüchliches Verhältnis: «Die Leute vergleichen mich mit Malcolm X, Martin Luther King oder Rosa Parks», klagte er im April gegenüber der «Los Angeles Times». Andere hätten ihm geraten, «dieses zu tun und jenes sein zu lassen». Es sei schwierig, «solche Erwartungen» zu erfüllen.

Doch manchmal wollte selbst er an jene Bedeutung glauben, die ihm andere seit 20 Jahren zuschreiben: Obama wäre ohne das, was ihm und anderen Schwarzen widerfahren ist, nicht Präsident geworden. Er habe vielen die Tür geöffnet und die Welt sei durch ihn ein besserer Ort geworden. (kri/dapd)

Rodney King obduziert - Noch keine Ergebnisse

Die Umstände des Todes von Rodney King, dessen Misshandlung durch Polizisten in Los Angeles 1992 tödliche Rassenunruhen auslöste, werden voraussichtlich erst in einigen Wochen geklärt sein. Eine Autopsie von Kings Leichnam wurde am Montag abgeschlossen.

Die Behörden in Kalifornien erwarten das Ergebnis in vier bis sechs Wochen, wie sie mitteilten. Bisher deutet nichts auf ein Verbrechen hin.

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