Eklige Faszination: Der Herzschlag des Wasserflohs
Aktualisiert

Eklige FaszinationDer Herzschlag des Wasserflohs

Windend, zuckend, kämpfend: Clemens Wirth filmt Krebs- und Lidtierchen – Wesen, die aussehen wie von einem anderen Planeten. Doch sie sind ganz und gar irdisch, wie er im Gespräch versichert.

von
P. Dahm

«Wer hätte gedacht, dass Wasser so erschreckend sein kann?», fragt die «Daily Mail» bange. Das englische Blatt schreibt über den Kurzfilm «Micro Empire». «Das Resultat mit furchteinflössenden Organismen ist erstaunlich, die sich windend, zuckend und kämpfend ihren Weg bahnen.»

Die amerikanische «Huffington Post» berichtete ebenfalls über den Kurzfilm aus der Welt des Kleinen, für den der Österreichers Clemens Wirth verantwortlich ist. Der 27-Jährige kann die Publicity gut gebrauchen: Der Video-Profi hat sich gerade selbstständig gemacht.

20 Minuten Online: Herr Wirth, was für Kreaturen bekommen wir in ihrem Film zu sehen?

Clemens Wirth: Das, was aussieht wie Aliens, sind weisse Mückenlarven. Dann haben wir Daphnia-Krebstierchen, einen Wasserfloh, rote Mückenlarven, Tubifex-Würmer, Hydra und Glockentierchen drin. Das lilane Teile gegen Ende des Films ist ein japanisches Lidtierchen. Die grünen Kugeln am Ende sind Volvox aureus. Eine Algenart, die schon seit ziemlich langer Zeit auf unserem Planeten existiert. Für Musik und Sound-Design war übrigens Radium Audio verantwortlich.

Wie sind die Reaktionen der Zuschauer: Faszination oder Ekel?

Beides. Mein Vater fand es wegen der Tubifex-Würmer ein bisschen ordinär. Von professioneller Seite habe ich viele positive Reaktionen bekommen.

Sie haben «Multimedia Art» studiert (siehe Infobox rechts). War «Micro Empire» eine Abschlussarbeit?

Nein, ich bin seit zwei Monaten selbstständig. Ich wollte mit dem Projekt auf mich aufmerksam machen, aber ich habe es in der Freizeit gemacht. Das ist mein Hobby. Das ist das, was ich gerne tue.

Neben «Micro Empire» haben Sie noch andere Makro-Filme gedreht (siehe Videos unten). Was mögen sie an diesem Genre?

Mich fasziniert die Unschärfe, die bei der Makro-Fotografie entsteht und dass man nur ein kleines Detail hervorhebt. Dass man bei den kleinen Tierchen zum Beispiel feinste Härchen und die Organe sieht.

Was würden Sie am liebsten filmen, wenn es keine Grenzen gebe?

Ich würde gerne mal zum Marianengraben hinabtauchen. Dort unten gibt es ganz besondere Lebewesen, die ich gerne filmen und fotografieren würde.

Wirths Film «macro kingdom III». Quelle: Vimeo

Wirths Film «macro kingdom II». Quelle: Vimeo

Wirths Film «macro kingdom». Quelle: Vimeo

Clemens Wirth hat an der Fachhochschule Salzburg studiert. Bei dem dreijährigen Bachelor-Studiengang werden die Studenten im ersten Jahr in die Bereiche Audio, Video, 3D-Animation und Web-Design eingeführt. Anschliessend spezialisieren sie sich für den Rest des Studiums auf eine der vier Kategorien.

Deine Meinung