Car of the Week: Der Hipster unter den Volkswagen
Aktualisiert

Car of the WeekDer Hipster unter den Volkswagen

Nach erfolgreichem Echo auf den T-Roc füllt Volkswagen mit dem T-Cross die letzte Nische im Markt – und poliert nebenbei sein Image auf.

von
Michael Köckritz
Das Aussendesign des neuen T-Cross lehnt sich stilistisch mehr an den Tiguan an als an den T-Roc, was ihn trotz kleinerer Aussenmasse grösser und etwas konservativer wirken lässt. Poppige Farben werden...

Das Aussendesign des neuen T-Cross lehnt sich stilistisch mehr an den Tiguan an als an den T-Roc, was ihn trotz kleinerer Aussenmasse grösser und etwas konservativer wirken lässt. Poppige Farben werden...

VW
... Käufern aber ein höheres Ausmass an Individualität im Aussehen bieten. Das schwarze Dach bleibt ein Designelement bei jedem Modell.

... Käufern aber ein höheres Ausmass an Individualität im Aussehen bieten. Das schwarze Dach bleibt ein Designelement bei jedem Modell.

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Die Kühlerhaube wirkt verglichen mit dem T-Roc deutlich höher.

Die Kühlerhaube wirkt verglichen mit dem T-Roc deutlich höher.

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Volkswagen kann hip, das wissen wir spätestens seit dem T-Roc. Dem SUV auf Basis des Golfs folgt Anfang nächsten Jahres mit dem T-Cross der kleine Bruder. Soviel vornweg: Es ist ein bemerkenswert attraktives Modell. Er baut auf der gleichen Plattform auf wie die konzerninternen Schwestermodelle Seat Ibiza und Arona. Die Abmessungen des T-Cross sind deshalb fast identisch mit denen des Arona. Der Cross ist jedoch um mehr als zehn Zentimeter höher als sein ziviles Gegenüber, dem Polo, was nicht nur das Ein- und Aussteigen erleichtert, sondern auch die Kofferraumkapazität deutlich vergrössert.

Bemerkenswert dabei ist, dass es die Designer in Wolfsburg geschafft haben, dem neuen Mini-SUV die stilistischen Merkmale des um vieles grösseren Tiguan mit auf den Weg zu geben. Das steht dem T-Cross erstaunlich gut, vor allem die Proportionen wirken gelungen. Die Fronthaube wird durch eine hohe Kontur geprägt, der Kühlergrill wirkt am kleineren Profil überraschend edel, schwarze Kunststoffteile prägen die Radkästen, und das mit bis zu 18 Zoll extragrosse Schuhwerk macht den T-Cross für die angepeilte junge Zielgruppe attraktiv. Dazu beleuchten modernste Scheinwerfereinheiten die nächtlichen Strassen mit H7- oder wahlweise mit LED-Licht. Das Heck zieren Rückscheinwerfer in LED-Technik und ein rotes Reflektionsband, eingebettet in eine schwarze Blende. Kurzum: Ein Gesamtkunstwerk, das in zwölf zum Teil recht poppigen Farben – jeweils mit schwarzem Dach als Farbkontrast – auf den Markt kommt.

Trendline, Comfortline, Highline, Designline oder die sportliche R-Line werden, wie bei Volkswagen üblich, die Ausstattungsversionen bilden und punkten mit schicken Details wie zwei USB-Buchsen, induktiven Ladern fürs Mobiltelefon und einer 300 Watt «Beats»-Anlage mit integriertem Subwoofer. Acht-Zoll-Touchscreen und ein virtuelles Cockpit gehören zur Basisausstattung. Und die Assistenz- und Infortainmentsysteme übertreffen die üblichen Standards im Segment: ein Front-Assist mit Umfeldbeobachtung und einem Notbremsassistenten, der bis zu einer Geschwindigkeit von 65 km/h Fussgänger erkennt. Dazu kommt ein Helfer für den toten Winkel, ebenso ein Spurhalteassistent. Aufpreispflichtig stehen ein adaptiver Tempomat, ein Spurwechselassistent und ein Ausparkassistent zur Verfügung.

Auf Hybride oder gar E-Antriebe wird verzichtet

Angetrieben werden die T-Cross Modelle von den bekannten Motoren, vom Dreizylinder 1,0 Liter TSI mit 95 oder 115 PS bis hin zum Viertöpfer mit 1,5 Litern und 150 Pferden. Und ja, auch ein 95 PS-Turbodiesel wird angeboten. Auf einen extrastarken T-Cross GTI verzichtet man – noch. Auf Wunsch gibt es den kleinen Geländegänger mit dem bewährten Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe aus dem Konzernregal, allerdings nur für die muskulöseren Ausführungen. Auf Hybride oder gar E-Antriebe wird verzichtet: Die bleiben Sache der Wolfsburger ID-Abteilung. Auch ein Vierradantrieb wird nicht angeboten. Der wäre allerdings auch eine Art Overkill für kleine Klassen, die man eher selten auf Abwegen finden dürfte.

Die Fahrleistungen fallen klassengemäss aus, das Fahrverhalten entspricht dem Muttermodell des Polo – ein wenig härter hier, ein wenig schneidiger da – man sieht ganz offensichtlich von exorbitanten Experimenten ab. Warum auch nicht? Man bleibt Volkswagen, und das dürfte sich auf dem Markt bewähren.

Mit dem T-Cross füllt der Konzern die so ziemlich letzte Nische, die sich noch bot, genau so wie es sich für einen globalen Autohersteller geziemt. Dass die Wolfsburger mit Mini-SUV nun die Hipster ansprechen möchte, die laut Insidern der Autoindustrie eigentlich gar keine Lust auf automobilistische Fortbewegung mehr haben, spricht für die Firmenpolitik der Wolfsburger und folgt dem erfolgreichen Echo auf die Einführung des T-Roc. Das ist nicht VW-untypisch und gehört zur Marken-Historie – auch der Bulli und das alte Käfer-Cabrio starteten als Nischenmodelle und entwickelten sich erst über die Jahre zu Kultobjekten.

Der T-Cross tritt recht spät in den Markt

Der T-Cross macht also eine gute Figur im hart umkämpften Segment der kleinen SUVs, tritt allerdings recht spät im Markt an. Obwohl das Concept Car T-Cross Breeze schon vor fast zwei Jahren gezeigt wurde, geht das Serienmodell des T-Cross erst im Frühjahr in die Verkaufsräume, wobei es jedoch schon ab Ende Oktober bestellt werden kann. Seinen Platz gegen die Konkurrenz von Renault und Opel muss er sich also erst noch erobern. Um den zeitlichen Vorsprung der Mitbewerber aufzuholen, hilft ein ansprechender Preis. Der steht zwar noch nicht fest, Volkswagen will aber bei der Basisversion unter 18'000 Euro bleiben, und das wäre ein wahres Wort.

ramp begeistert seit mehr als zehn Jahren als stilprägendes, opulentes Coffeetable-Magazin, indem es die Welt des Autos mit der Liebe zum Leben und der Lust auf Mode, Kultur und Design verbindet. So wurde es auch ganz nebenbei zum meist ausgezeichneten Automagazin der Welt. ramp-Herausgeber und Chefredakteur Michael Köckritz stellt wöchentlich seinen «Car of the Week» auf 20min.ch vor. Jeden Freitag.

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