Wetterprognosen : Der Hochsommer wird nicht mehr kommen

Aktualisiert

Wetterprognosen Der Hochsommer wird nicht mehr kommen

Der schlimmste Sommer seit langem - so der Tenor bei allen, die nicht an einer Sonnenallergie leiden. Und die Prognosen sind ernüchternd: Der Hochsommer kommt wohl nicht mehr.

von
tab

Regen, Regen, Regen - diesen Eindruck haben viele vom derzeitigen Sommer. Baden am Wochenende? Grillieren mit Freunden? Im Liegestuhl Sonne tanken? Nicht in diesem Jahr. Wer zurückblickt, erinnert sich wohl eher an verregnete Festivals, Hochwasser und Sommerpfnüsel. Aber wars das jetzt wirklich?

«Einen Hochsommer im Sinne einer länger anhaltenden Hitzeperiode wird es nicht mehr geben», sagt Reto Vögeli, Meteorologe bei Meteonews. Möglich seien noch einige wenige Hitzetage, höchstwahrscheinlich im September. Die Chance, dass es nochmals richtig heiss werde, sei aber eher klein. Die Sonneneinstrahlung werde je länger, je schwächer und die Tage immer kürzer.

«Das einzig Stabile bleibt das Instabile»

Wetterschmöcker Alois Holdener bestätigt Vögelis Prognose: «Im September gibt es noch drei Hitzetage», prophezeit er. Abgesehen von einigen Sonnenstunden Ende August bleibe es bis dahin aber wechselhaft.

Auch Ivo Sonderegger, Meteorologe von SRF-Meteo, sagt: «Voraussichtlich bleibt das einzig Stabile das Instabile.» In den kommenden Tagen sehe es nicht nach einer Besserung aus und auch bis Ende August bleibe das Wetter wohl durchzogen. «Vom Prinzip Hoffnung aus gesehen, muss man aber sagen, dass es theoretisch sogar möglich ist, dass es im Oktober noch einmal über 30 Grad warm wird.» Die Erfahrung habe auch gezeigt, dass der September einige schöne Tage bieten könne. «Eine Hitzeperiode ist aber zugegebenermassen unwahrscheinlich.»

«Der Juli war grottenschlecht»

«Dieser Sommer ist eine Katastrophe» - ein Satz, den wohl mittlerweile jeder mindestens einmal gehört oder selbst gesagt hat. An den Temperaturen liege dies aber nicht, sagt Vögeli. «Sie entsprechen mehr oder weniger dem Durchschnitt.»

Seiner Meinung nach haben solche und ähnliche Aussagen mit dem vielen Regen und den wenigen Sonnenstunden zu tun. «Der Juli war diesbezüglich grottenschlecht, geradezu unterirdisch. Wir hatten noch nie so viel Regen seit Messbeginn.» Auch die Anzahl an Sonnenstunden befinde sich an der Grenze zu einem Rekordtief. Dies schlage den Menschen natürlich aufs Gemüt und vermittle ihnen auch ein Gefühl von fehlender Wärme. «Sie glauben, es sei kälter als sonst, obwohl dem nicht so ist.»

Das Problem liegt laut Vögeli in der Erwartungshaltung der Menschen: Viele machten sich einfach falsche Vorstellungen von einem Schweizer Sommer. «Sie glauben, er müsse schön und heiss sein.» Schauer, Gewitter und ein bewölkter Himmel gehörten hier aber genauso zu dieser Jahreszeit wie die Sonne und die Hitze.

«Die Menschen scheinen resigniert»

SRF-Meteo-Chef Thomas Bucheli glaubt, viele Leute hätten sich bereits mit dem miesen Sommer abgefunden. «Die Menschen scheinen resigniert, wir erhalten jedenfalls weniger Reklamationen zum schlechten Wetter als auch schon.»

Gemotzt werde nur hin und wieder: Einige Zuschauer orientierten sich vor allem an den Symbolen, die während der Meteo-Sendung die Wetterlage versinnbildlichen. «Sie sehen ein Sünneli, hören aber den Vorhersagen nur mit halbem Ohr zu.» Wenn dann der ihrer Meinung nach angekündigte Sonnenschein nicht eintrete, schickten sie ein Mail und beklagten sich: «Sie haben doch gesagt, die Sonne scheint, wo ist die denn jetzt?»

So werden die nächsten Tage

Auch hier sind sich die Meteorologen einig. Am Freitag und Samstag bleibt es noch wechselhaft, es gibt einen Sonnen-Wolken-Mix mit gelegentlichem Schauer bei Temperaturen um die 19 Grad.

Der Sonntag, Montag und Dienstag wird mehrheitlich freundlich, ein paar Regengüsse in den Bergen sind nicht ausgeschlossen. Am Morgen ist es kühl bei acht bis 11 Grad, tagsüber steigen die Temperaturen aber bis auf 23 Grad.

Auf Mitte und Ende der nächsten Woche wird es aber wieder kühler und auch das Regenrisiko steigt erneut.

Deine Meinung