Bonsai-Züchtung: Der Hund in der Teetasse
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Bonsai-ZüchtungDer Hund in der Teetasse

Sie wiegen weniger als 1,5 Kilo und kosten bis zu 10 000 Franken: Teetassen-Hunde sind der neueste Renner. Doch die Bonsai-Hunde-Züchtung steht auch in der Kritik.

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M. Bangerter/A.Hirschberg

Die Hundezüchterinnen Katia Puton und Esther Baumann wollten unerkannt bleiben, dafür hielt Redaktionshund Lucky seine Schnauze in die Kamera. (Interviews: A. Hirschberg/Kamera,Schnitt: M. Bangerter)

Piccolino ist ein Yorkshireterrier, sechs Monate alt und wiegt knapp 700 Gramm. Damit ist er auch unter den kleinen Hunden ein Zwerg. Und nicht nur das: Für den begehrten Modehund wird viel Geld locker gemacht. «Für so einen Hund zahlen die Leute 3000 Franken und mehr», sagt Besitzerin Katia Puton stolz. Sie kann sich schon mal die Hände reiben.

Seit Paris Hilton ihren Chihuahua zum ersten Mal in den Hochglanz-Magazinen präsentierte, steigt die Nachfrage und schrumpft die Hundegrösse. Hunde, so klein, dass sie in eine Teetasse passen, sind auf dem Markt der Renner. Promis von Miley Cyrus über Rihanna bis zu Bar Rafaeli tragen ihre Kleinsthunde bereits auf dem Arm durch die Gegend. Je kleiner die Vierbeiner, desto begehrter und teurer. Während Minihunde unter zwei Kilo um die 1000 bis 2000 Dollar kosten, werden für Hunde unter 1,5 Kilo bereits Preise zwischen 4000 und 6000 Dollar bezahlt. Bei Hunden unter einem Kilo können es bis zu 10 000 Dollar sein.

Mit Waffengewalt zum Teetassen-Hund

Die Nachfrage nach den Kleinsthunden ist auch in der Schweiz gross. «Ich bekomme Anfragen aus der ganzen Schweiz und auch aus dem Ausland», sagt Puton. Sie züchtet schon seit mehreren Jahren ganz kleine Hunde. Die meisten gehören in die Kategorie Minihunde. Ausgewachsen wiegen diese unter 1,5 Kilo. Piccolino aber ist ein Zwerg- oder Teetassenhund. Der Kleine ist eigentlich eine Laune der Natur, denn seine Eltern sind beide Minihunde. «Piccolino ist ein Wunder», schwärmt Puton. Und er könnte für die Hundezüchterin noch zur Goldgrube werden. Puton jedenfalls will den Yorkshire nicht verkaufen, sondern hofft, ihn als Deckrüden einsetzen zu können. Nachwuchs in Teetassengrösse ist lukrativ – und äusserst begehrt.

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Zahlreiche Suchanzeigen von Familien oder Alleinstehenden, die explizit einen Hund unter 1,5 Kilo suchen, sind auf Schweizer Anzeige-Plattformen im Internet zu finden. Und selbst vor Waffengewalt wird nicht zurückgeschreckt: In Sidney zückte eine junge Frau schon eine Pistole und bedrohte eine Chihuahua-Züchterin, um an den teuren Mini-Hund zu kommen. Sie konnte schliesslich von der Züchterin überwältigt werden.

Anerkannte Züchter raten ab

Dabei sind die Minihunde bei der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft, die für die Schweiz Zuchthunde zulässt, sehr umstritten. «Je zierlicher die Hunde, desto mehr gesundheitliche Probleme haben sie. Züchter von solchen Hunden werden von uns darum nicht anerkannt», sagt Elsbeth Clerc, Präsidentin des Schweizerischen Zwerghunde-Clubs. Auch Clerc züchtet kleine Hunde. Sie dürfen gemäss Zuchtrichtlinien aber ein Gewicht von 2 Kilo nicht unterschreiten.

«Solche Hunde haben Mühe mit dem Laufen»

Den Trend zum Minihund hat Clerc hautnah miterlebt. «In den letzten fünf Jahren hatte ich unzählige Anrufe von Leuten, die solche Hunde suchen.» Sie rate ihnen immer vehement davon ab, aber meist ohne Erfolg. Eine wirkliche Erklärung für die Mode hat sie nicht. Vorbild seien Hollywood-Diven wie Paris Hilton. «Die leben vor, dass ein Handtaschen-Hündchen schick ist und alle machen es nach», sagt Clerc. Je leichter und zierlicher ein Hund sei, desto einfacher lasse er sich herumtragen, was den Trend zum Teetassenhund zusätzlich befeuern dürfte. «Oft haben solche Hunde Mühe mit dem Laufen, was den Besitzern wohl recht ist», sagt Clerc.

Hundezüchterin Katia Puton und ihre Kollegin Esther Baumann, die in Bad Zurzach an der Schwertgasse einen Laden für Minihunde-Accessoires betreibt, sehen das anders. Einerseits müsse man in der Zucht darauf achten, gesunde Hunde zu erhalten. Andererseits gebe es zahlreiche Gründe, so kleine Hunde zu haben. «Viele Vermieter erlauben nur kleine Tiere. So ein Minihund geht da gerade noch durch», sagt Katia Puton. Dass die praktische Grösse den Bonsai-Hunde-Trend befeuert, können aber auch die Hundezüchterinnen nicht von der Hand weisen. Esther Baumann sagt, dass man kleine Hunde in der Tasche überall mitnehmen könne - auch in den Supermarkt oder ins Flugzeug. «Ein kleiner Hund ist in vieler Hinsicht unkomplizierter und einfacher in den Alltag zu integrieren, darum ist er so begehrt.»

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