25.06.2020 13:41

Bissattacke auf Spielplatz in Brugg AG

«Der Hund sah meine Tochter und rannte los»

In Brugg wurden ein knapp zwei Jahre altes Mädchen und die Grossmutter von einem Hund attackiert. Wie die Mutter sagt, lief der Hundehalter einfach weg.

von
Monira Djurdjevic
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Auf diesem Spielplatz in Brugg AG kam es laut A.S. zu dem Hundeangriff auf ihre Tochter und die Schwiegermutter.

Auf diesem Spielplatz in Brugg AG kam es laut A.S. zu dem Hundeangriff auf ihre Tochter und die Schwiegermutter.

«Mir läuft es immer noch kalt den Rücken runter, wenn ich an der Vorfall denke», sagt die 37-jährige Frau.

«Mir läuft es immer noch kalt den Rücken runter, wenn ich an der Vorfall denke», sagt die 37-jährige Frau.

«Mein Kind spielte seelenruhig auf dem Spielplatz. Weder schrie meine Tochter, noch rannte sie herum. Meine Schwiegermutter sass auf einer Bank und schaute ihr zu», erzählt die Mutter.

«Mein Kind spielte seelenruhig auf dem Spielplatz. Weder schrie meine Tochter, noch rannte sie herum. Meine Schwiegermutter sass auf einer Bank und schaute ihr zu», erzählt die Mutter.

Darum gehts

  • Auf einem Spielplatz in Brugg wurde ein Kleinkind von einem Hund attackiert.
  • Weil die Grossmutter ihre Enkelin beschützen wollte, wurde sie selbst gebissen.
  • Der Hundehalter soll einfach weggelaufen sein.

«Mir läuft es immer noch kalt den Rücken runter, wenn ich an der Vorfall denke», sagt A.S.* Wie die Mutter erzählt, wurde ihre 19 Monate alte Tochter im Mai auf einem Spielplatz in Brugg im Kanton Aargau von einem Hund angegriffen. «Sie spielte seelenruhig auf dem Spielplatz. Weder schrie meine Tochter, noch rannte sie herum. Meine Schwiegermutter sass auf einer Bank und schaute ihr zu.»

Zur selben Zeit habe sich in der Nähe ein junger Mann mit einem nicht angeleinten Hund aufgehalten. «Laut meiner Schwiegermutter schaute er die ganze Zeit aufs Handy und hatte seinen Hund aus den Augen verloren.» Ein fataler Fehler: «Plötzlich erblickte der Hund, der wie ein Dobermann aussah, meine Tochter und rannte auf sie zu.»

Bei dem Kind angekommen, soll das Tier immer wieder versucht haben, der Kleinen ins Gesicht zu beissen. «Meine Schwiegermutter griff beherzt ein und versuchte meine Tochter in Sicherheit zu bringen.» Dabei soll die Grossmutter selber Bissverletzungen am Bein erlitten haben, so S., die während des Vorfalls nicht vor Ort war.

Hundebisse in der Schweiz

Wie es beim Bundesamt für Veterinärwesen auf Anfrage heisst, wird seit 2010 keine gesamtschweizerische Statistik zu den Hunde-Vorfällen erstellt. Der Grund: «In den vier Jahren zuvor hatten die Statistiken ein sehr stabiles Bild gezeigt», erklärt Sprecherin Claire Bussy Pestalozzi. Für die Überwachung der Vorfälle mit Hunden sind seit 2008 die Kantone zuständig.

Bei der letzten gesamtschweizerischen Statistik im Jahr 2009 gingen insgesamt 5090 Meldungen ein. Davon wurden 2843 Hundebisse beim Menschen gemeldet. Laut dem Amt waren Kinder besonders betroffen. Sie wurden nicht nur häufiger gebissen, die Bisse waren dabei auch gravierender als bei Erwachsenen.

Im Kanton Aargau wurden 2018 rund 286 Hundeangriffe auf Menschen gemeldet. 2019 waren es 306. Dieses Jahr wurden bisher 172 Meldungen registriert. Das geht aus der Statistik des Departements Gesundheit und Soziales Kanton Aargau hervor.

«Er griff relativ spät ein»

Der junge Mann habe hingegen lange nicht bemerkt, was vor sich geht. «Er griff relativ spät ein und hatte Mühe, seinen Hund wegzuziehen. Er konnte den Hund erst unter Kontrolle bringen, als er mit ganzem Körper auf dem Hund lag. Danach lief er einfach weg.» Auf die Worte der verletzten Frau, «ich blute, ich blute», soll er nicht reagiert haben. Unverständlich für die 37-Jährige: «Das ist wirklich verantwortungslos.»

Ihre Schwiegermutter habe danach gleich Strafanzeige bei der Polizei erstattet und ihre Wunde mehrmals im Spital reinigen lassen. Da beide Frauen weder den Namen noch den Wohnort des Hundehalters kennen, konnten sie dazu keine Angaben bei der Polizei machen.

«Ich hatte aber sowieso das Gefühl, dass wir von den Beamten nicht ernst genommen wurden», erzählt die 37-Jährige. So sollen die Polizisten «das kann ja mal passieren» gesagt haben, sagt S. Zudem sei die Familie seit der Anzeige nicht mehr von der Polizei kontaktiert worden. «Wir haben keine Informationen erhalten, wie es um die Ermittlungen steht und wie es nun weitergeht.»

Hundehalter weiterhin unbekannt

Das Schlimmste für die Mutter des Kleinkindes aber sei: «Ich habe gehört, dass der junge Typ weiterhin mit dem Hund und ohne Leine herumspaziert.» Zudem hätten ihr Anwohner gesagt, dass der Hund schon in der Vergangenheit mit aggressivem Verhalten aufgefallen sei. S. befürchtet: «Wenn niemand rechtzeitig reagiert, wird wieder jemand gebissen. Das nächste Mal geht das Ganze dann vielleicht nicht so glimpflich aus.»

Bei der Kantonspolizei Aargau bestätigt man die Anzeige. «Die Ermittlungen sind im Gange. Der Hundehalter ist nach wie vor unbekannt», sagt Sprecher Bernhard Graser. «Die Geschädigte kann aber versichert sein, dass wir den Vorfall absolut ernst nehmen, zumal es sich dabei keineswegs um eine Bagatelle handelt.»

Keine generelle Leinenpflicht

Wie es beim Departement Gesundheit und Soziales Kanton Aargau auf Anfrage heisst, gibt es im Kanton Aargau keine generelle Leinenpflicht – auch nicht auf Spielplätzen. Sprecher Michel Hassler betont aber: «Hunde müssen unter der Kontrolle einer Person sein, die in der Lage ist, den Hund sicher zu führen. Wenn der Hund nicht zuverlässig abrufbar ist, muss er an der Leine geführt werden.»

Zudem sollten Hunde grundsätzlich nicht unangeleint auf Spielplätzen laufen gelassen werden. Dazu meint Hassler: «Hundehalter sollten darauf Rücksicht nehmen, dass es Kinder und erwachsene Personen gibt, die vor einem freilaufenden Hund Angst haben.»

Wie verhalte ich mich bei einem Angriff?

Beim Bundesamt für Veterinärwesen heisst es dazu: Hundeverhalten wie knurren, mit dem Blick fixieren, Zähne zeigen, das Nackenfell sträuben oder sich versteifen sind Drohungen. Ihnen kann ein Angriff folgen. Sollte man sich von einem Hund bedroht fühlen oder angegriffen werden, rät das Amt Folgendes:

  • Halten Sie an
  • Wenden Sie Ihren Blick ab
  • Lassen Sie die Arme hängen
  • Atmen Sie tief durch
  • Gehen Sie langsam weg
  • Falls Sie hingefallen sind, kugeln Sie sich ein, schützen Sie Ihren Nacken mit den Händen und bleiben Sie still. Der Hund verliert das Interesse an einer Person, die still und unbeweglich ist, und entfernt sich. Jede Bewegung hingegen zieht seine Aufmerksamkeit an.

Die Broschüre «Tapsi komm» vom Bundesamt für Veterinärwesen beschreibt in einfacher Sprache, wie sich Kinder gegenüber Hunden verhalten sollen, um Missverständnisse und gefährliche Situationen möglichst zu vermeiden.

*Name der Redaktion bekannt

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