Aktualisiert 07.01.2008 13:32

Der Hundetherapeut im eTalk

Drei Pitbulls haben einen 6-jährigen Knaben getötet. Heini Meier, Hundetherapeut, stellte sich am 5. Dezember 2005 den User-Fragen im eTalk.

YupiWie kommen Sie zur Annahme dass sämtliche sog. Kampfhunde eine Waffe sind? Die werden zur Waffe gemacht! Ihre äusserst unprofessionelle Aussage unterstützt alle Hundegegner und eine absolut überspitzte Hetze schlussendlich gegen alle grossen Hunde!Heini_MeierErstens behaupten sie, dass die hunde dazu gemacht werden - das ist unprofessionell. Zweitens sind kampfhunde eher kleine hunde - also schimpfe ich gar nicht gegen grosse hunde. Und drittens ist es eine reine erziehungsfrage, was man mit einem hund macht - und nicht ein frage vom abrichten. Was ich übrigens in der reportage so gesagt habe. also kurz gesagt: einerseits im erbgut, andererseits erziehungsmangel.

MinelaWie verhält man sich denn richtig bei einem Angriff von solchen Hunden? Reicht es da still zu stehen Augenkontakt zu vermeiden usw.?Heini_Meierdas ist richtig. gegenwehr animiert den hund dazu erst richtig loszugehen. augenkontakt zeigt dem hund, dass man angst hat. also sollte man den hund nicht in die augen schauen. beispielsweise, wenn ich zu einem 'bösen' hund muss - schaue ich an ihm vorbei.

RoyalFellaWas denken Sie über das geschehn vom letzten Donnerstag?Heini_Meieres war nichts alltäglichs. das auf gar keinen fall. wir müssen aufpassen, dass wir nun alle hundehalter über eine leiste ziehen. aber zeigt es die grosse verantwortung, die man hat, speziell bei gewissen rassen. das muss unbedingt mehr wahrgenommen werden. was wir nicht machen, muss die politik ersetzen. verbote etc...

Manolo09Wie kann ich agressives Verhalten bei meinem Hund am besten abbauen?Heini_Meierauf keinem fall mit strafe. jede strafe, die ein hund einfängt, muss er irgendwo weitergeben. statt strafe: leider gibt es keine 0815-methode. das ist von hund zu hund verschieden und muss von fall zu fall entscheiden, welche methode angemessen ist.

20minutenwas für methoden gibt es da?Heini_Meier präventiv: wenn man erkennt, dass ein hund aggressiv ist, muss man ihn stören, seine aggressionen ablenken. das muss allerdings schon sehr früh passieren - mit einem 20-wöchigen welpen zum beispiel.

blackMambaIch bin selber Halterin von einem Rhodesian Ridgeback. Stimmt es, dass diese Rasse in der Schweiz NICHT unter Kampfhund fällt? In Frankreich z.B. gilt fast jeder grosse Hund als Kampfhund. Ich finde die europäische Regelung sehr unklar für die Hundehalter. Meine zweite Frage ist: Wie sollen wir Halter von grossen, aber ungefährlichen Hunden, uns verhalten? Schon lange vor diesem tragischen Unglück gab es Leute, die jeweils getobt haben, wenn unser (absolut harmloser) Hund sich ihnen auf 3 Meter näherte. Jetzt haben sie sogar etwas in der Hand. Kann man den geänstigten Leuten etwas Sinnvolles sagen?Heini_Meierein rhodesian ridgeback ist in vielen europäischen ländern als kampfhund registriert - was falsch ist. ein ridgeback ist ein schutzhund. wenn er dazu benutzt wird, löwen zu vertreiben, geschieht das durch bellen, nicht durch kampf. da in einem kampf mit einem löwen ein prankenschlag genügen würde, um jeden hund zu töten. dass der ridgeback oft rauft, ist bekannt - trotzdem ist er kein kampfhund. zur zweiten frage, wie man leuten begegnet, die angst haben: 1. den hund an die leine nehmen. 2. den hund sitzen lassen und 'platz' befehlen. 3. nicht streicheln. damit zeigt man den leuten, dass er folgt. und er ist an der leine gesichert. in der stadt geht das nicht - sonst müsste der hund ständig platz machen. aber bei vielen leuten verhalten sich hunde ohnhine neutraler.

Pedro54Gibt es Hunde, die nicht mehr erziehbar sind?Heini_Meierdas gibt es. das sind aber oft nicht kampfhunde, sondern in der regel hunde, die von übersee - beispielsweise spanien, griechenland etc. - mit 5-6 jahren in die schweiz genommen werden, nachdem sie vorher wild lebten. solche hunde sind oft nicht mehr erziehbar. abr auch da darf man nicht verallgemeinern.

Yves1Herr Meier, Sie benutzen oft das Wort Kampfhund was eigentlich doch falsch ist. Denn für ein Verbot von Kampfhungen bin auch ich. Jedoch nur nach seiner Geschichte einen Hund einen Kampfhund zu nennen ist doch sachlich nicht richtig. Gehen Sie mit mir einig?Heini_Meierein kampfhund ist ein hund, der über x-generationen eigens dafür gezüchtet wurde für die bärenjagd oder wildschweinjagd - später (bis zum verbot) für kämpfe zwischen hund und mensch, für hundekämpfe, für kämpfe zwischen stier und hund. das sind u.a. folgende rassen: Bull Terrier, Dogo Argentino, Pitbulls, Stafforshire - die gängigen heute bekanten rassen. das problem ist, dass das kampfverhalten ausbrechen kann bei falscher erziehung, in der meute oder wenn man den hund überhaupt nicht erzieht. also ist der kampfhund selber nicht etwas böses - menschen fördern oft unwissentlich durch falsche haltung dieses verhalten.

da muss man noch erwähnen, dass die heutige hundehaltung - guetzli geben, streicheln etc. - eigentlich nicht mehr richtig ist.

mckcIn diesen Kampfhundattacken sind, wie auch im letzten tragischen Fall, meist mehrere Hunde zusammen involviert. Würde das Gefahrenpotenzial der Hunde sinken, wenn sie einzeln gehalten werden?Heini_Meierdas stimmt mit sicherheit. aber es gibt genug fälle, wo einzelne kampfhunde z. bsp. auf die eigenen besitzer losgehen. man darf sich nicht zum spielkameraden machen, sondern die stellung eines sozial höher gestellten partners.

wengowas wissen sie über den american pit bull terrier? welsches wesen und welschen charakter besitzt dieser hund?Heini_Meiereigentlich sensibel, meistertreu, anhänglich, sehr intelligent.

die andere seite: sehr mutig - das schliesst natürlich kampfbereitschaft ein - hat relativ schlechte nerven, deshalb bricht bei einer entsprechenden situation sehr schnell sein kampfverhalten aus. das sind alles eigenschaften, die man bei einer korrekten hundehaltung sehr wohl kann kontrollieren. damit an eine richtige hundehaltung lernen kann, müssten alle die vielen vielen hundeausbilder, die es gibt zuerst selber eine korrekte ausbildung bekommen.

RoyalFellameinen Sie auch das Kampfhunde verboten werden sollen?Heini_Meierdiese antwort möchte ich den politikern überlassen. meine aufgabe ist es, dort zu helfen, wo ich gefragt werde. mit verboten an sich habe ich eher ein problem. heute verbietet man beispielsweise den pitbull. morgen den rottweiler. übermorgen den dobermann. das geht dann so weiter ... ich bin dafür, dass die ausbildungen besser werden müssen. sonst haben wir immer noch den leinenzwang und den maulkorbzwang. für den rest haben wir bereits heute genug gesetze.

ignoranz.chWo liegt der Nutzen solcher Hunde für die Gesellschaft?Heini_Meierdas ist nicht eine frage vom nutzen. wo liegt der nutzen eines ferraris beispielsweise. also ist der 'nutzen' vom hund heute im sozialen bereich. da werden vakkuums ausgefüllt, zwischenmenschliche probleme relativiert usw. leuten mit einem pitbull fragen nicht nach dem nutzen, sondern denen gefällt dieser hund einfach.

Spike0508Wir haben so eine Waffe, wie erklären Sie sich, dass er Kinder und Menschen über alles liebt und er mit Kleintieren spielt ohne sie zu verletzten (mit 6 Jahren bekam er sein erstes Meerschein, jetzt sind es schon 5)?Heini_Meierganz einfach zu erklären. nicht jeder hirtenhundrasse ergibt einen guten hirtenhund. nicht jeder appenzeller ist ein kläffer. nicht bei jedem kampfhund bricht der kampftrieb aus - weil sich die erbanlagen nicht weitervererbt haben, oder weil er richtig erzogen wurde.

RoonaIst Leinen- und Maulkorbzwang wirklich eine Lösung?Heini_Meierdas die politik nun einschreiten muss ist vermutlich klar. ich persönlich will kein startzeichen geben als 'töter' der vielen kampfhundrassen, die es in der schweiz gibt. ich will aber nicht wegschauen, wenn etwas passiert. und ich weiss, dass viele hundehalter oft hilflos sind, weil ihnen die richtige erziehungshilfe fehlte. also ist für mich um die gemüter zu beruhigen nach dem fürchterlichen unfall die mildeste methode, dass man leinen- und maulkorbzwang verordnet für gewisse rassen.

hund123Was ist eigentlich wahr: Ist die Agressivität der Kampfhunde in den Genen, sprich unauslöschlich hereingezüchtet, oder basiert diese Verhalten rein auf der Erziehung?Heini_Meieres ist nicht unauslöschlich. es ist wenn man früh genug mit der erziehung anfängt gut kontrollierbar. das grosse problem liegt darin, dass mit solchen hunden viel gespielt wird - mit stöcken und quietschenten - was den spieltrieb fördert. und spieltrieb hat bekanntlich in der tierwelt die aufgabe, die ertüchtigung für den kampf und für die jagd zu erproben. bsp. wolf: wenn in einem rudel ein wolf zu viel kampftrieb hat, wird er im kampf gegen einen bären getötet. es bleiben also nur die wölfe erhalten, die das richtige mass an kampftrieb haben, die merken, wo sie eine chance haben und wo nicht. das ist die natürliche selektion. wir menschen nehmen aber ausgerechnet die hunde mit am meisten kampftrieb und züchten die weiter.

Hundefan>>man darf sich nicht zum spielkameraden machen, sondern die stellung eines sozial höher gestellten partners.>> Also würden Sie bspw. bei der Ausbildung in der Unterordnung eher auf Zwang setzen als auf Motivation durch Balli o. ä.?Heini_Meiermotivation ist ein beliebtes wort, das überall verwendet wird und sich bei hunden eignet, die man aufbauen muss. selbst dort, muss man schauen, dass der aufbau nicht die grenzen überschreitet, die uns nachher probleme bereitet.

RoonaWarum haben die Pitbulls im aktuellen Fall nicht schon ihren Besitzer angefallen? Und hätten die Hunde auch ein erwachsenen Menschen angegrifen, der am gleiche Ort gestanden hätte?Heini_Meier1. hat das kind nicht gestanden, sondern hat sich bewegt - ist vielleicht sogar gerannt, das weiss ich nicht. 2. dass sie auch einen erwachsenen angegriffen hätten denke ich ist die wahrscheinlichkeit sehr gross.

gina38ist es wirklich nötig darüber?überhaupt zu diskutieren ob man kampfhunde verbieten soll?? 1 menschenleben ist eindeutig eins zuviel, brauchts noch ein 2. und 3.? ich sehe keinen einzigen grund kampfhunde zu halten. keinen einzigen.Heini_Meierdas ist ihre persönliche meinung - an der gibt es nichts auszusetzen. aber ich bin nicht bereit alle kampfhund-halter zu verdammen. das ist ihre persönliche meinung - an der gibt es nichts auszusetzen. aber ich bin nicht bereit alle kampfhund-halter zu verdammen.

tellaWir werden nächstens nachwuchs überkommen in unsere familie wir haben ein dobermann wie solden wir uns verhalten gegenüber dem hund?Heini_Meierim tierreich gilt das naturgesetz, das heisst: in der ersten paar wochen haben andere rudelmitglieder nichts beim neugeborenen zu suchen. mit ausnahme von sogenannten paten oder tanten, welche sich auch um die jungen sorgen. d.h. der dobermann hat die ersten 14 tage wenn überhaupt sich nur angeleint im kinderzimmer aufzuhalten oder am besten gar nicht. er riecht schon durch die türe - hört bereits - dass ein neuer erdenbürgen da ist. er muss sich von distanz daran gewöhnen. selbst dann, wenn der hund, nach ihrer einschätzung dem kind nichts machen würde. ich habe aber schon fälle erlebt, wo eltern dieser meinung waren und dann nur mit meiner hilfe den hund davor abhalten konnten, dem kind etwas anzutun.

RoonaLeider wurde meine vorherige Frage nicht beantwortet, welche im Chat gestellt wurde. Frage: Warum haben die Pitbulls im aktuellen Fall nicht schon ihren Besitzer angefallen?Heini_Meierim rudel haben die hunde untereinander so viel zu tun, dass sie abgelenkt sind. aber selbst dann häte es passieren können, wenn bsp.-weise der besitzer die treppe runter gefallen wäre und dann gestöhnt hätte.

20minutenwieso würden sie dann zubeissen?Heini_Meierdas stöhnen kann den tötungstrieb auslösen.

20minutenvielen dank, herr meier, dass sie bei uns waren.Heini_Meierich hoffe, dass ich niemanden zu nahe getreten bin und ich wünsche allen hundehaltern, dass sie die zeit, die auf uns zukommt - egal welche rasse sie besitzen - gut überstehen. und ich wünsche allen gute weihnachten und ein glückliches neues jahr mit ihrem hund.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.