St. Galler Staatsanwalt: «Der Hype um CBD-Hanf wird schnell vorbei sein»
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St. Galler Staatsanwalt«Der Hype um CBD-Hanf wird schnell vorbei sein»

Der St. Galler Staatsanwalt Thomas Hansjakob hat sich als Kämpfer gegen den Cannabiskonsum einen Namen gemacht. Den Boom von CBD-Produkten jedoch belächelt er.

von
Marco Lüssi
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Im CBD-Hanfshop herrscht ein ständiges Kommen und Gehen. Die Kunden können zwischen verschiedenen Sorten wählen.

Im CBD-Hanfshop herrscht ein ständiges Kommen und Gehen. Die Kunden können zwischen verschiedenen Sorten wählen.

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Verkauft wird das Gras mit tiefem THC-Gehalt in Plastik-Döschen.

Verkauft wird das Gras mit tiefem THC-Gehalt in Plastik-Döschen.

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Es kann geraucht oder als Tee verwendet werden. Beim Selbstversuch stellt sich als Wirkung eine «frivole Zufriedenheit bei völlig klarem Kopf» ein.

Es kann geraucht oder als Tee verwendet werden. Beim Selbstversuch stellt sich als Wirkung eine «frivole Zufriedenheit bei völlig klarem Kopf» ein.

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Herr Hansjakob, Sie haben vor mittlerweile 15 Jahren Schlagzeilen gemacht mit ihrem konsequenten Vorgehen gegen Hanfshops. Was halten Sie vom aktuellen Run auf CBD-Gras?

Ich garantiere Ihnen: Der Hype um CBD wird bald wieder vorbei sein. Das ist der Fall, sobald die Cannabiskonsumenten gemerkt haben, dass CBD nicht wirkt. Nur: Bis Kiffer etwas merken, dauert es halt ein bisschen länger.

Sie sehen also keinen Anlass, eine Offensive gegen CBD-Shops zu starten?

Nein, da gibt es keinen juristischen Handlungsbedarf. Was keine Wirkung hat, ist auch kein Problem. In erster Linie ist dies ein gutes Geschäft für die Händler: Die Herstellung von CBD-Hanf ist wohl kaum teurer als die Produktion von Nüsslisalat. Dennoch wird dafür etwa das Hundertfache verlangt.

Sie sagen, CBD-Hanf wirke nicht. Haben Sie es selber ausprobiert?

Nein, einen solchen Schmarren mache ich nicht. Ich habe selbstverständlich auch noch nie gekifft.

Ein Redaktionskollege von mir hat das legale Hanf getestet und sagt, er habe eine Wirkung verspürt.

Dieses Gefühl hätte er wohl auch gehabt, wenn er zum gleichen Preis Smarties gekauft hätte. Das ist der Placebo-Effekt, der durch den hohen Preis unterstützt wird. Wer so viel zahlt, will eine Wirkung verspüren.

Also alles Humbug?

Ich kann mir vorstellen, dass CBD-Produkte therapeutisch eingesetzt werden können. Das ist aber nur ein kleiner Markt, und bislang hat niemand die Zulassung für CBD-Produkte als Heilmittel und darf sie nicht als solche anpreisen. Im Moment leben die CBD-Shops von den Kiffern, die es mal ausprobieren wollen. Doch diese werden sich bald wieder abwenden.

Wer von der Polizei mit Gras erwischt wird, kann sagen, es handle sich um legales CBD. Wie geht man im Kanton St. Gallen damit um?

Für die Polizei ist das tatsächlich ein Problem. Bis jetzt sind dies im Kanton St. Gallen aber erst Einzelfälle, da der Boom hier noch weniger stark ist als etwa in Zürich. Wenn jemand sagt, es sei CBD, analysieren wir es im Labor, und je nachdem, wie der THC-Gehalt ausfällt, zahlt der Staat oder der Konsument. Im Moment ist das Verhältnis etwa 50:50. Sollte sich das dahingehend ändern, dass irgendwann 90 Prozent der analysierten Proben CBD sind, müssten wir aber über die Bücher. Dann würde es zu teuer für uns.

Behaupten viele Konsumenten gegenüber der Polizei wahrheitswidrig, ihr Cannabis sei CBD-Gras?

Es kommt jedenfalls vor. Es gibt auch Schlaumeier, die einmal CBD-Gras kaufen und danach ihr normales Cannabis immer ins CBD-Päckchen stecken – in der Hoffnung, die Polizei glaube ihnen bei einer Kontrolle, dass auch CBD-Gras drin ist.

Sollte man auf das Autofahren verzichten, wenn man CBD-Produkte konsumiert hat?

Es gibt im Moment keine Hinweise, dass sie die Fahrfähigkeit beeinträchtigen. Doch das kann sich ändern. Deshalb will ich dazu keine Ratschläge erteilen.

Wäre es nicht höchste Zeit, Cannabis zu legalisieren?

Ich bin nicht für eine Legalisierung, sondern für eine kontrollierte Abgabe. Dann könnte man auch den THC-Gehalt kontrollieren. Erwachsene Kiffer sollte man meiner Meinung nach nicht bestrafen. Bei Minderjährigen sieht es anders aus.

Warum?

Die negativen Auswirkungen des Cannabiskonsums auf Jugendliche wurden lange unterschätzt. Sie können nicht gut damit umgehen, konsumieren schnell zu viel. Das kann bei Teenagern Angststörungen und Entwicklungsdefizite auslösen. Ändert man die Gesetze in Bezug aufs Kiffen, muss man – genau wie beim Alkohol – zwei Dingen Rechnung tragen: dem Jugendschutz und der Sicherheit im Strassenverkehr.

Thomas Hansjakob ist Erster Staatsanwalt des Kantons St. Gallen.

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