Aktualisiert 21.05.2013 12:33

Laax gegen Asylheim«Der Image-Schaden ist nun angerichtet»

Die Bündner Gemeinde Laax kämpft vehement gegen ein geplantes Asylzentrum und riskiert den Eklat mit dem Kanton. Ein Grossrat warnt, dass Touristen wegen der Posse nun fernbleiben könnten.

von
fum
Sollen hier künftig Asylbewerber wohnen? In bündnerischen Laax regt sich heftiger Widerstand.

Sollen hier künftig Asylbewerber wohnen? In bündnerischen Laax regt sich heftiger Widerstand.

Die seit letztem Dezember andauernde Saga rund um ein geplantes Asylzentrum im Bündner Ferienort Laax ist um ein Kapitel reicher: Fast einstimmig beschloss die Gemeindeversammlung gestern Abend, eine Investorengruppe rund um den umtriebigen Bergbahn-Unternehmer Reto Gurtner mit 1.2 Millionen Franken zu unterstützen. Damit will man den Betrieb im Hotel «Rustico» weiterführen – und verhindern, dass der Kanton rund 100 Asylbewerber dort einquartiert.

Der Gemeinderat begründet seinen Widerstand mit wirtschaftlichen Argumenten: «Wir haben hier nichts anderes als den Tourismus. Und dieser kämpft ohnehin schon mit grossen Problemen», sagt Präsident Toni Camathias. Es gehe einzig um den Erhalt von «warmen Betten». Auch Gurtner betont, dass Hotelgäste «substanziell zur Wertschöpfung der Gemeinde beitragen.»

«Der Mensch hat Angst vor der Unsicherheit»

Doch im Dorf befürchtet man, dass Asylbewerber auf Touristen abschreckend wirken könnten: «Der Mensch hat Angst vor der Unsicherheit. Das ist hier nicht anders», sagt René Meyer vom Hotel Posta Veglia. Zudem gebe es schon im Nachbardorf eine Unterkunft, man könne in der Gegend nicht die ganze Last tragen. Auch im Umfeld der gestrigen Gemeindeversammlung war zu hören, dass 100 Asylbewerber zuviel seien und «nicht alles hierhin kommen soll».

Jon Pult, Grossrat und Präsident der SP Graubünden, wirft den Gemeindebehörden ein doppelzüngiges Spiel vor: «Sie sollen doch zumindest ehrlich sein.» Man argumentiere nun mit wirtschaftlichen Gründen, aber es sei doch «sonnenklar, dass sie einfach keine Asylbewerber im Dorf wollen». Gerade Laax, das sich stets als trendige und weltoffene Destination präsentiere, bekomme ein solch fremdenfeindlicher Anstrich schlecht. «Der Image-Schaden ist nun angerichtet. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich gerade jüngere Gäste künftig bei der Buchung ihrer Winterferien von der Diskussion beeinflussen lassen», so Pult.

«Unfreundlicher Akt»

Der zuständige Bündner Regierungsrat Christian Rathgeb bezeichnete gegenüber der SDA das Vorgehen der Gemeinde «als unfreundlichen Akt gegenüber den Gemeinden, welche jetzt die Asylsuchenden übernehmen sollten.» Die Kritiker wehren sich vehement gegen den Vorwurf: «Es geht um die faire Verteilung. Es kann nicht sein, dass wir als kleines Dorf so viele Asylbewerber aufnehmen müssen», sagt Gurtner. Er habe dem Kanton auch konstruktive Alternativvorschläge – unter anderem ein «hochmodernes Containerdorf» – unterbreitet.

Wie der Machtkampf zwischen Laax und der Bündner Regierung letztlich ausgehen wird, ist offen. Regierungsrat Rathgeb liess keine Zweifel offen, dass der Kanton an den Plänen für ein Asylzentrum festhalten wird. Unternehmer Gurtner betont, mit dem Kanton eine einvernehmliche Lösung zu suchen. Aber er sagt auch: «Wenn nötig, schöpfen wir die uns zustehenden Rechtsmittel aus.»

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