Aktualisiert 14.07.2009 16:52

Schweinegrippe«Der Impfstoff wird ungerecht verteilt»

Die gesamte Welt wird wohl nicht von einem Impfstoff gegen das Schweinegrippe-Virus profitieren, dafür sind die Produktionskapazitäten schlicht zu gering. Der Verteilungskampf hat bereits begonnen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht das mit Besorgnis.

Die WHO hat die Verteilung der Impfstoffe gegen die Schweinegrippe zwischen armen und reichen Ländern als ungerecht kritisiert. Die Kapazität, einen Impfstoff gegen das Virus A (H1N1) herzustellen, sei begrenzt und «beklagenswert unzureichend», sagte WHO-Direktorin Margaret Chan am Dienstag in Genf. Sie reiche bei weitem nicht aus, um die ganze Welt zu versorgen.

Dass der Löwenanteil der hergestellten Medikamente voraussichtlich an wohlhabende Staaten gehen werde, zeige «wieder einmal den Vorteil von Reichtum», beklagte sie. Ein Abkommen mit zwei Herstellerfirmen, 250 Millionen Impfdosen in Entwicklungsländer zu schicken, sei «nicht genug».

Die WHO versucht derzeit, niedrigere Preise mit den Produzenten auszuhandeln. Zugleich will die Organisation reiche Staaten dazu bewegen, einen Teil ihrer Vorräte zu spenden.

Allein Australien orderte am Dienstag genügend Impfstoff, um die gesamte Bevölkerung zu immunisieren. Sobald er entwickelt und erhältlich ist, will die Regierung eine landesweite Kampagne starten. Experten rechnen mit dem Impfstoff frühestens im September.

(sda)

Das Schweinegrippe-Virus (Typ H1N1)

Wissenschaftler klassifizieren Grippe-Viren nach ihren Oberflächenproteinen. H steht dabei für Hämaggluttinin, N für Neuraminidase. Es gibt 16 verschiedene H-Typen und neun verschiedene N-Typen, wobei die Nummern nichts über die Schwere der Krankheit aussagen. Die jetzt in Mexiko ausgebrochene Schweinegrippe hat den Virenstamm H1N1, die Vogelgrippe den Typ H5N1.

Der grösste Teil einer Virusoberfläche ist mit dem Eiweiss Hämagglutinin bedeckt. Das Protein ermöglicht Viren das Ankoppeln an die Zelle, in der schliesslich neue Grippeviren entstehen. Neuraminidasen sind Enzyme, die sich auf der Oberfläche von Influenzaviren befinden. Sie ermöglichen das Eindringen von Krankheitserregern in körpereigene Zellen. Diese viralen Enzyme schleusen dann auch von infizierten Zellen neu produzierte Viren aus der Zelle.

(Quelle: AP)

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