Der Offreader Ineos Grenadier im Test
Die Ähnlichkeit des Ineos Grenadier zum Land Rover Defender ist offensichtlich.

Die Ähnlichkeit des Ineos Grenadier zum Land Rover Defender ist offensichtlich.

Gordon Koelmel
Publiziert

Prototyp im TestDer Ineos Grenadier ist ein Offroader wie aus dem Bilderbuch

Nach der Einstellung des Defender von Land Rover soll der Grenadier von Ineos dessen Platz einnehmen. Beim Test des Prototypen darf Redaktorin Isabelle Riederer zwar nicht selbst ans Steuer, überzeugt ist sie vom Offroader aber trotzdem.

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Isabelle Riederer / A&W Verlag

Die Geschichte des Grenadier von Ineos Automotive hätte locker das Zeug für einen Blockbuster. Es ist 2016 als Land Rover verkündet, den Defender einzustellen. Die Fangemeinde steht unter Schock. Auch der britische Milliardär, Abenteurer und Unternehmer, Jim Ratcliff. Der Brite sitzt mit Freunden im einem Pub. Bei Bierseligkeit wird über das Aus ihres Lieblingsgeländewagens diskutiert. Für den reichsten Mann Grossbritanniens ist klar: ein neuer Offroader muss her. Viele Alternativen gibt es nicht: waschechte Arbeitstiere auf vier Rädern sind selten geworden.

Nur das Beste vom Besten

Aus der Bieridee wird schnell ernst. Ratcliff holt sich das Who-is-Who der Automotivebranche zusammen. So wurde der Grenadier zusammen mit Magna Steyr entwickelt – richtig, die haben auch bei der Mercedes-Benz G-Klasse die Finger im Spiel. Die Motoren kommen von BMW, die Getriebe von ZF, die Fahrwerke und Starrachsen von Carraro und die Sitze von Recaro. Gebaut wird der Grenadier in einem ehemaligen Smartwerk im lothringischen Hambach. Produktionsstart ist August 2022, in die Schweiz kommt er dann im Herbst 2022.

Doch kann der Grenadier dem Defender das Wasser reichen? Vor wenigen Wochen lud Ineos zu einer ersten Probefahrt mit zwei von Hand zusammen gebauten Vorserien-Prototypen des Grenadier ins Bündnerland ein. Ungewöhnlich, aber cool! Und natürlich haben wir uns das nicht entgehen lassen.

Optisch ist die Verwandtschaft zum Land Rover Defender ziemlich offensichtlich. Glatte Flächen, klare Kanten, kurze Überhänge, hoher Aufbau mit grossen Fenstern. Praktisch, übersichtlich, zweckmässig, aber wenig aerodynamisch. Der Grenadier ist ein Arbeitstier und kompromisslos auf Gelände getrimmt. Das macht ihn im Gegensatz zu seinen vom Aussterben bedrohten Mitbewerbern einzigartig. Denn diese sind entweder zu teuer oder zu weichgespült.

Der Grenadier von Ineos ist ein waschechter Offroader und tritt in die Reifenspuren des legendären Land Rover Defender.

Der Grenadier von Ineos ist ein waschechter Offroader und tritt in die Reifenspuren des legendären Land Rover Defender.

Gordon Koelmel
Zwei von Hand zusammengebaute Prototypen durfte Redaktorin Isabelle Riederer, hier mit Marketing Manager Leif Scholz, in Cazis (GR) unter die Lupe nehmen.

Zwei von Hand zusammengebaute Prototypen durfte Redaktorin Isabelle Riederer, hier mit Marketing Manager Leif Scholz, in Cazis (GR) unter die Lupe nehmen.

Gordon Koelmel
Auch eine Sitzprobe war möglich. Selbst fahren durfte man aber nicht.

Auch eine Sitzprobe war möglich. Selbst fahren durfte man aber nicht.

Gordon Koelmel

Ein Hauch von Flugzeug-Cockpit

Aber genug von Weichspülern und Softies, jetzt wirds erstmal (dr)eckig. Mit Schwung erklimme ich die viereckige Stube. Die Sitzposition hinter dem Lenkrad ist angenehm aufrecht. Im direkten Blickfeld ein kleines Display mit den wichtigsten Informationen. Über eine senkrecht stehende Mittelkonsole samt Touchscreen lassen sich dank extra grossen Knöpfen und Kippschaltern auch mit Handschuhen sämtliche Funktionen des Fahrzeugs, der Klimaautomatik und des Infotainmentsystems einstellen. Über dem Kopf des Fahrers sind weitere Schalter für Zubehör wie Seilwinden oder Arbeitsleuchten bereits eingebaut und verkabelt, wie in einem Flugzeug-Cockpit.

Angetrieben wird der Grenadier von zwei echten Sahnestücken des Motorenbaus, den Dreiliter-Reihen-Sechszylindermotoren von BMW. Wahlweise als Diesel mit 249 PS und 550 Newtonmeter Drehmoment und als Benziner mit 285 PS und 450 Newtonmeter. Die Achtgang-Wandlerautomatik von ZF wurde mit viel Gefühl auf die leicht gedrosselten Motoren abgestimmt. «Das Feintuning ist aber noch nicht ganz abgeschlossen», erklärte Leif Scholz, Marketing Manager Ineos Automotive. Noch sanfter ist nur ein warmer Sommerregen.

Allzweckwaffe On- und Offroad

Apropos Regen, der Offroadparcours ist vom Schnee richtig schön matschig. Selbst ans Steuer darf ich leider nicht, Testfahrer Hans hat das Sagen. Ich darf auf dem Beifahrersitz Platz nehmen. Es geht rauf unter runter, über Hügel, Geröll, eine Wippe und in die Schräglage. Für den robusten Allrader alles kein Problem, auch dank seinem getrennten System aus Federn und Stossdämpfern sowie einem sperrbarem Mitteldifferenzial und zusätzlichen elektronischen Sperren an Vorder- und Hinterachse. Eine Luftfederung gibt es nicht. Der Grenadier soll vor allem eines sein, ein Arbeitstier ohne Schnickschnack, das man notfalls auch selbst reparieren könnte. Der erste Eindruck überzeugt. Auch auf der Strasse macht der Grenadier einen äusserst guten Eindruck – etwas kernig im Sound, aber äusserst komfortabel in der Abstimmung.

Das Konzept des Grenadier geht auf und auch preislich könnte der Defender-Nachfolger ein Knaller werden. So soll er unter 65'000 Franken kosten. 5000 Fahrzeuge sind für dieses Jahr geplant, danach sollen es jährlich zwischen 25’000 und 30'000 Exemplare sein. Seit knapp vier Monaten können Kunden online bereits Vorreservierungen tätigen. Das Interesse sei riesig, so Scholz. Herr und Frau Schweizer haben bereits im vierstelligen Bereich Reservationen vorgenommen.

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