Aktualisiert 01.02.2012 17:51

Steigende Spannungen

Der Iran ist bereit zum Angriff auf die USA

Ein neuer Bericht der US-Spionagebehörde zeigt: Der Iran ist mehr denn je gewillt, Terrorangriffe auf US-amerikanischem Boden zu veranlassen. Die Kriegsrhetorik wird immer lauter.

von
ske
Der US-Geheimdienstdirektor James Clapper hat am 31. Januar 2012 die neuesten Berichte in einer Kongressanhörung vorgestellt.

Der US-Geheimdienstdirektor James Clapper hat am 31. Januar 2012 die neuesten Berichte in einer Kongressanhörung vorgestellt.

Fast schon täglich wird das Kriegsgetöse zwischen den USA und dem Iran lauter. Der Iran sei nur noch ein Jahr von einer Atombombe entfernt, hiess es vor wenigen Tagen. Die Vereinigten Staaten und die EU haben deshalb die Sanktionen so stark verschärft, dass die iranische Bevölkerung die Folgen davon inzwischen zu spüren bekommt. Nach dem neuesten Bericht der US-Spionagebehörde wird in den Vereinigten Staaten die Bedrohung durch den Iran wohl als noch grösser wahrgenommen werden als bisher. Demnach soll der Iran nämlich mehr als jemals zuvor gewillt sein, auf US-amerikanischem Boden Terrorangriffe zu veranlassen.

Laut Regierungsvertretern plane der Iran bislang keine direkten Angriffe in den USA, schreibt die «Washington Post». Der US-Geheimdienstdirektor James Clapper sagte aber am Dienstag in der Kongressanhörung, die Anzeichen für die Bereitschaft eines Angriffs hätten sich vermehrt. Besonders deutlich sei dies dank eines letztes Jahr aufgedeckten Komplotts geworden. Damals hätte der saudische Botschafter in Washington ermordet werden sollen. Dieser Vorfall stehe für eine neue aggressive Bereitschaft, die man innerhalb der Teheraner Führung feststelle. Dass es direkte Angriffe gegen die USA geben könne, sei nicht mehr umstritten, so Clapper.

Zur Attacke bereit

Das Komplott zeige, «dass einige iranische Offizielle – darunter wahrscheinlich das Staatsoberhaupt Khamenei – ihr Kalkül geändert hätten und jetzt stärker bereit sind, eine Attacke in den USA als Antwort auf tatsächliche oder vermeintliche Handlungen auszuführen, die das Regime bedrohen», erklärt Clapper in seiner schriftlichen Aussage vor dem Geheimdienstausschuss des Senats. «Wir sind auch besorgt, dass der Iran Komplotte gegen die USA oder alliierte Einrichtungen in Übersee schmieden könnte.»

Der Iran wirft seinerseits den USA Eingriffe im Land vor. So soll am 11. Januar 2012 ein weiterer iranischer Nuklearwissenschaftler getötet worden sein. Das Nuklear-Programm des Irans sei aber friedlich und diene nur der Energiegewinnung, wird immer wieder aufs Neue betont.

Kriegsrhetorik von Obama

Die Vereinigten Staaten sind angesichts der wachsenden Bedrohungen aber offenbar immer mehr auch zum militärischen Einschreiten bereit. In seiner «State of the Union»-Rede drohte US-Präsident Barack Obama bereits mit einer militärischen Intervention, um den Iran daran zu hindern, eine Atombombe zu bauen. Er sagte, er würde «keine Möglichkeit ausschliessen, um dieses Ziel zu erreichen.»

Verteidigungsminister Leon E. Panetta schürte das rhetorische Gefecht in einem Interview mit dem Sender CBS weiter an. Er behauptete öffentlich, der Iran könne bereits in einem Jahr in der Lage sein, eine Atombombe zu bauen. Danach könne es noch ein oder zwei Jahre dauern, bis jemand fähig sei, einen Sprengkopf für die Bombe zu liefern. «Das ist eine rote Linie für uns und es ist eine rote Linie für die Israelis. Wenn wir es tun müssen, werden wir es tun», meinte er und unterliess es dabei, zu erläutern, was er mit «es» meinte.

Geheimdienst hofft, militärische Intervention zu verhindern

US-Geheimdienstdirektor Clapper signalisierte während seiner mündlichen Befragung nach Angaben der «Washington Post» aber das amerikanische Interesse, eine militärische Konfrontation mit dem Iran zu vermeiden und stattdessen den Druck auf das Regime durch immer weitere Sanktionen zu erhöhen. «Unsere Hoffnung ist, dass die Sanktionen...den Beginn eines Wandels in der iranischen Politik bewirken, was ihr offensichtliches Streben nach atomaren Fähigkeiten betrifft», zitierte die Zeitung den Geheimdienstdirektor.

Die Bedrohung durch die Al-Kaida ist laut Clapper dagegen kleiner geworden. Die Terrororganisation sei stark geschwächt. Grössere Sorgen bereitet ihm dafür die Cyber-Spionage durch China, der Führungswechsel im mit einer Atomwaffe ausgerüsteten Nordkorea und die unsicheren Aussichten für Afghanistan, nach dem Abzug der US-Streitkräfte. (ske/sda)

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