«Tatort»: Der irrste Krimi des Jahres
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«Tatort»Der irrste Krimi des Jahres

Diesen «Tatort» wird niemand so schnell vergessen. Die Folge «Im Schmerz geboren» war eine Wucht - die Meinungen von Presse und TV-Zuschauern sind geteilt.

von
Yves Schott

Genial oder grässlich? Oscarverdächtig oder einfach nur total irr? Der hessische «Tatort» von gestern Abend war vor allem eines: äusserst ungewöhnlich. Inszeniert wie ein Theaterstück, gespickt mit Shakespeare-Zitaten, von der Machart an Quentin Tarantino erinnernd. Dazu 47 Menschen, die ins Gras beissen.

«Ein Geniestreich voller Gewalt und Leidenschaft. Mehr Tote und mehr klassische Musik gab es im ‹Tatort› bisher nicht», schreibt etwa die «Frankfurter Allgemeine Zeitung. Der Kölner «Express» meint: «Dieser Krimi ballert sich in die Köpfe der Zuschauer.»

«Noch nie etwas zum ‹Tatort› getwittert. Aber heute. Wahnsinn»

Doch es gibt auch kritische Stimmen. Dieser «Tatort» habe «den Anspruch, etwas ganz Besonderes zu sein, ästhetisch wie inhaltlich. Dabei wird die Handlung leider zur Nebensache», findet die «Mitteldeutsche Zeitung». Auch die «Berliner Zeitung» lässt kein gutes Haar am Film von Regisseur Florian Schwarz: «Das, was ein virtuoses Spiel mit Erzähl-Traditionen und -Klischees hätte werden können (und wohl auch sollen), war zumeist vor allem eines: albern.»

Ähnlich geteilt sind die Meinungen auf Twitter. Von einer «Zumutung» ist da etwa die Rede. Günter Klein schreibt: «47 Leichen in einem ‹Tatort› sind lächerlich. Schafft Roland Emmerich in einer Kameraeinstellung.» Andere sind dafür begeistert. Auch Prominente. Joko Winterscheidt («Circus Halligalli») etwa meint: «Noch nie etwas zum ‹Tatort› getwittert. Aber heute. Wahnsinn.»

Ob man den gestrigen «Tatort» nun gut findet oder nicht. Sicher ist nur eines: Kalt lässt er niemanden. Das Onlineportal Web.de findet sogar: «Einschalten hat sich also nicht nur gelohnt - es war Pflicht.» Das ist gar nicht mal so falsch.

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