Schwulen-Hetze: «Der ist völlig neben den Schuhen»
Aktualisiert

Schwulen-Hetze«Der ist völlig neben den Schuhen»

Der Co-Präsident der Walliser Jung-SVP hetzt gegen Schwule. Nun schiessen eigene Parteikollegen scharf gegen Grégory Logean: «Mit seinen Ansichten ist er in der falschen Partei.»

von
Adrian Müller

«Homosexualität ist ein abnormales Verhalten, eine Gesellschaft, die keine Nachkommen produziert, wird durch ein anderes Volk ersetzt»: Mit solch scharfen Voten beleidigte der Jung-SVPler Grégory Logean Homosexuelle (20 Minuten berichtete).

Über diese Aussagen kann der bekennende bisexuelle Berner SVP-Grossrat Thomas Fuchs, normalerweise selber ein Freund der markigen Worte, nur den Kopf schütteln: «Der ist völlig neben den Schuhen. Logean hat wohl ein Problem mit sich und will mit den Attacken davon ablenken.» Er kenne in der Walliser SVP-Sektion mindestens fünf Personen, die selber schwul seien. «Aber offiziell gibt's im Wallis keine Homosexuellen, niemand outet sich», weiss Fuchs.

«Du gehst mit Fuchs ins Bett»

Einer, der selbst schon Attacken von fundamentalistisch-katholischen SVPlern über sich ergehen lassen musste, ist der Unterwalliser Thomas Schmidt. Er amtete von 2002-2005 als Präsident der Jungen SVP. «Du gehst mit Fuchs ins Bett», verhöhnten ihn Innerschweizer Parteikollegen. Er glaubt im Gegensatz zu Fuchs, dass Grégory Logean die Angriffe aus einer tiefen persönlichen Überzeugung reitet. «Mit seinen Ansichten ist er jedoch in der falschen Partei», ist für Schmidt klar. Erich Hess, Präsident der JSVP Schweiz, will sein Schäfchen Logean nicht tadeln: «Bei uns müssen alle Meinungen Platz haben. Die im Unterwallis sind halt sehr katholisch-konservativ.»

Stimmenfang auf Kosten der Schwulen

Mit der Schwulenhetze wolle die SVP die religiös-konservative Grundeinstellung vieler Walliser ausnützen, glaubt Schmidt: Viele Walliser seien mit den liberalen Positionen der CVP punkto Homosexualiät unzufrieden. «Die JSVP hofft, dass diese nun in ihre Partei eintreten.» Der SVP-Nationalrat Oskar Freysinger unterstützt Heisssporn Logean. «Schwule können sich nicht fortpflanzen, wir werden von den geburtenstarken islamistischen Ländern in die Enge getrieben.» Er selbst kritisierte in einer Interpellation 2005 eine Broschüre der Aidshilfe Schweiz. «Durch suggestive Fotos wird für Homosexualität geworben», schreibt Freysinger.

Für den SVP-Hardliner Fuchs ist Schwulenhetze billiger Populismus. Das komme zwar bei gewissen Kreisen gut an, mittelfristig gewinne man damit aber keine Stimmen. «Den Wallisern werden auch mal die Augen aufgehen», hofft Fuchs.

Deine Meinung