Der «italienische Constantin»
Aktualisiert

Der «italienische Constantin»

Sions Präsident Christian Constantin hat mit der «Begnadigung» von Alberto Bigon für Aufsehen gesorgt. Wer glaubt, dies sei ein Einzelfall, kennt den italienischen Fussball nicht. Dort brachte eine ähnliche Massnahme aber keinen kurzfristigen Erfolg.

von
Reto Fehr

Christian Constantin ist in der Schweiz bekannt dafür, dass seine Geduld mit Trainern bei Erfolgslosigkeit nicht lange anhält. Schon über 20 Übungsleiter verbrauchte Sions Präsident in den letzten Jahren. Die letzte Rochade, als der Sion-Boss Maurizio Jacobacci und Charly Roessli nach nur acht Pflichtspielen wieder durch deren Vorgänger Alberto Bigon ersetzte, brachte zumindest kurzfristig Erfolg. Sion siegte unter dem Rückkehrer gegen Aarau mit 1:0.

Der Trainerwechsel sorgte in der Schweiz für Aufsehen. Doch womöglich hat Constantin einfach über die Grenze nach Italien geschaut. Dort ersetzte Palermos Präsident Maurizio Zamparini zwei Tage vorher ebenfalls den Trainer mit dessen Vorgänger. Der Wechsel von Francesco Guidolin zu Stefano Colantuono brachte aber den Erfolg nicht zurück: Palermo verlor am Wochenende mit 0:1 gegen Napoli.

Erfolg um jeden Preis

Trotzdem, ein Vergleich der zwei Klub-Präsidenten liegt nicht fern. Zamparini stieg Ende Juli 2002 beim damaligen Serie-B-Verein Palermo - mit dem Ziel «bald in sportlich höheren Klassen vertreten zu sein» - ein. Danach krempelte der Geschäftsmann fast die gesamte Mannschaft um und hat in der Zwischenzeit siebenmal den Trainer ausgetauscht. Unter anderem stellte er viermal Francesco Guidolin ein. Die erste Amtszeit dauerte vom Januar 2004 bis zum Sommer des gleichen Jahres. Guidolin trat nach dem Aufstieg in die Serie A zurück. Nur ein Jahr später kehrte der Trainer zu den «Rosaneri» zurück. Erfolgreich war er nur bedingt: Am 23. April feuerte Zamparini seinen Coach, um zwei Spiele und zwei Niederlagen später seinen Entscheid rückgängig zu machen und Guidolin zurück auf die Trainerbank zu setzen. Palermo fand zum Siegen zurück und beendete die Saison auf dem fünften Platz. Dies war Zamparini aber zu wenig, Guidolin wurde erneut auf die Strasse gesetzt.

Vorgänger ersetzt Nachfolger

Zum Beginn der aktuellen Saison stellte Zamparini dann Stefano Colantuono ein. Dieser musste jedoch am 26. November seine Koffer wieder packen. Ersetzt wurde er durch - wer hätte es gedacht - Francesco Guidolin. Auch diesmal hielt sich der Trainer aber nicht lange bei den Sizilianern. Am 24. März musste der 52-Jährige nach dem 2:3 gegen Genua seinem Vorgänger Colantuono Platz machen. Wie Bigon in Sion, hatte auch Colantuono in Palermo noch einen gültigen Vertrag. Es war Zamparinis 26. Trainerwechsel in seinen 21 Jahren im Fussball-Business. Fortsetzung folgt.

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