22.02.2020 17:54

Fiat 1200 TV Trasformabile

Der italienische Verwandlungskünstler

Es muss nicht immer Alfa Romeo sein, auch Fiat hat exklusive Sportcabriolets gebaut, die heute noch jeden Liebhaber der Italianità begeistern.

von
D. Koch
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Mit viel Chrom und der Panoramascheibe bediente sich Designer Rapi einiger amerikanischer Elemente.

Mit viel Chrom und der Panoramascheibe bediente sich Designer Rapi einiger amerikanischer Elemente.

Andrew Miterko/Courtesy of RM/Sotheby's
Offener Fahrspass im Kleinformat.

Offener Fahrspass im Kleinformat.

Andrew Miterko/Courtesy of RM/Sotheby's
Schmale Statur mit rund 1,50 Meter Breite.

Schmale Statur mit rund 1,50 Meter Breite.

Andrew Miterko/Courtesy of RM/Sotheby's

In den 1950er-Jahren hatte Fiat eine Reihe kleiner Sportcabriolets im Angebot. Die nannte Fiat nicht einfach «Cabriolet», sondern «Trasformabile» (verwandelbar), was irgendwie exklusiver klingt. 1957 löste der Fiat 1200 TV Trasformabile den 1100 TV ab, der auf der Baureihe 103 basierte.

Der neue TV (kurz für Turismo Veloce, also Sporttourer) bot etwas mehr Leistung als sein Vorgänger. Dem Fahrer standen nun rund 53 PS aus dem auf 1221 ccm vergrösserten Vierzylindermotor mit Aluminiumzylinderkopf zur Verfügung, was aufgrund des tiefen Gewichts von 960 Kilogramm durchaus genügte. Geschaltet wurde über ein manuelles Vierganggetriebe, bei dem der erste Gang nicht synchronisiert war. Für die Verzögerung sorgten Trommelbremsen an allen vier Rädern.

Schwenkbare Sitze

Im Cockpit erwartete den Fahrer ein Bandtacho, wie er damals dem Geschmack der Kunden entsprach – und aus heutiger Sicht nicht besonders sportlich wirkt. Das Nardi Holzlenkrad des Vorgängers musste einem Dreispeichenlenkrad von Fiat weichen. Im Innenraum spendierte man dem kleinen Flitzer schwenkbare Sitze, um der Dame von Welt das Ein- und Aussteigen zu erleichtern und eine Kollision mit der Ecke der Panoramascheibe zu vermeiden.

Eine «Radioanlage» war «auf Verlangen, gegen Preisaufschlag» zu haben, wie zeitgenössischen Verkaufsunterlagen zu entnehmen ist. Seitenscheiben mit Fensterkurbeln und ein Verdeck, das sich zur Not schliessen liess, sollten den kleinen Fiat wetterfest machen.

Inspiration aus Übersee

Der Entwurf des Blechkleides der offenen Fiat-Variante wird Fabio Luigi Rapi zugeschrieben, der auch das Coupé «Otto Vu» entworfen hatte, den ersten V8 in der Geschichte von Fiat. Einige Designelemente erinnern an das Lancia Aurelia Cabriolet, das von Pininfarina gezeichnet und 1954/1955 in kleiner Stückzahl gebaut wurde. Ob beim Design einer vom anderen abgeguckt hat, ist nicht bekannt.

Beim TV Trasformabile schielte Rapi aber offenbar tüchtig über den Atlantik, wo gerade Panoramascheiben und Heckflossen en vogue waren. Diese integrierte Rapi gekonnt in den kleinen 1200er, ohne dabei zu dick aufzutragen, wie er offenbar fand. Die Fachpresse und die potenziellen Käufer waren da anderer Meinung, der Trasformabile wurde kein Verkaufsschlager.

Der Rapi-Spyder ist mit einer Länge von 4,03 Metern und nur 1,52 Metern Breite ein leichtfüssiger Sportler, der sich vor den Kollegen mit grösseren Motoren nicht zu verstecken brauchte.

Gefragter Klassiker

Auch aus heutiger Sicht ist der Rapi-Entwurf sicherlich auffälliger als das Pininfarina-Blechkleid des Nachfolgers, aber in Würde gealtert sind sie beide. Damals hat sich der weniger opulent dekorierte Fiat besser verkauft als der Möchtegern-Amerikaner, heute ist es genau umgekehrt. Aufgrund der Seltenheit ist der Trasformabile auf Auktionen oft teurer, und an den Concours d'Elegance ist er ein gern gesehener Gast.

Der von uns porträtierte Wagen wurde 2015 beim Spezialisten Auto Sport (Bacchelli & Villa) in Modena restauriert und verfügt über «matching numbers». Es wird an der Amelia-Island-Auktion von RM/Sotheby's angeboten, die am 6. und 7. März 2020 stattfindet.

Weitere Informationen, viele Bilder, Testberichte und technische Daten gibt es auf www.zwischengas.com.

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