22.02.2020 06:14

Piaggio Vespa 400

Der Italo-Strassenfloh aus Frankreich

Am Autosalon Paris im Jahr 1957 flogen ihm die Herzen nur so zu und heute ist der seltene Zweitürer ein gesuchtes Kultobjekt.

von
Daniel Koch
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Nach fünf Jahren Entwicklungszeit wurde der Vespa 400 fünf Jahre lang gebaut.

Nach fünf Jahren Entwicklungszeit wurde der Vespa 400 fünf Jahre lang gebaut.

Courtesy of RM/Sotheby's
Der Motor befindet sich im Heck.

Der Motor befindet sich im Heck.

Courtesy of RM/Sotheby's
Wer könnte diesem freundlichen Gesicht widerstehen?

Wer könnte diesem freundlichen Gesicht widerstehen?

Courtesy of RM/Sotheby's

In Europa wollte man nach dem Krieg den langersehnten Frieden geniessen und die Welt entdecken, doch die Mobilität nahm nur langsam Fahrt auf. Nach einem Boom der Motorroller vom Schlag der Vespa oder einer Lambretta kamen in Deutschland die Kabinenroller auf die Strasse. In Italien wurde mit dem Fiat 500 Topolino mobilgemacht, bis er 1955 vom Fiat 600 abgelöst wurde.

Ab 1952 entwickelte auch der Vespa-Hersteller Piaggio einen Zweisitzer mit vier Rädern, der 1957 auf den Markt kam – fast gleichzeitig mit dem Fiat Nuovo 500. Vermutlich hat sich Piaggio wegen der Konkurrenz des «Cinquecento» wenig Absatzchancen in der Heimat ausgerechnet, und setzte daher auf Frankreich als Markt. Konsequenterweise wurde der Piaggio Vespa 400 dann auch bei der Tochterfirma Société ACMA (Ateliers de Construction de Motocycles et Automobiles) in Fourchambault bei Nevers gebaut.

Viel Applaus

An der Präsentation am 26. September 1956 in Monaco erhielt der Kleinwagen viel Beachtung, nicht zuletzt, weil man mit Juan Manuel Fangio, Jean Behra und Louis Chiron drei berühmte Grand-Prix-Fahrer eingeladen hatte. Am 3. Oktober 1957 am Autosalon Paris erhielt der Winzling viel Applaus von Fachpresse und Publikum.

Wie bei Fiat setzte man beim Zweisitzer auf einen luftgekühlten 2-Zylinder-Heckmotor, der die Hinterräder antrieb. Der Hubraum mass ganze 394 ccm. Während der Fiat ein 4-Takt-Herz bekam, setzte man beim Vespa 400 genannten Modell auf einen Zweitakter, dem das Öl bei jedem Tanken manuell beigemischt werden musste. Ab 1959 wurde eine Beimisch-Automatik verbaut.

Der Motor leistete 14 PS, was bei einem Gewicht von 360 Kilogramm für eine Höchstgeschwindigkeit von etwa 80 km/h ausreichen sollte.

Originelles Faltdach

Dem 285 Zentimeter kurzen und 127 Zentimeter schmalen Winzling zeichneten die Italiener eine schlichte, hübsche, selbsttragende Karosserie. Sie verfügte über hinten angeschlagene Türen und ein Faltdach, das bis auf Höhe der Gürtellinie heruntergeklappt werden konnte und ihn zum Cabrio-Coupé machte.

Der Innenraum war spartanisch eingerichtet, zwei dünn gepolsterte Sitze mussten für den Komfort genügen. Das Reserverad wurde unter dem Beifahrersitz verstaut. Die spärliche Instrumentierung beherbergte lediglich einen Tacho mit Kilometerzähler. Je eine Warnlampe gab Auskunft über die Befindlichkeit des Alternators und eine drohende Tankleere. Das Gepäck wurde wie beim Fiat Nuovo 500 hinter den Sitzen verstaut, wo zur Not auch zwei Kleinkinder auf optional erhältlichen Kissen Platz fanden.

GT-Ausführung

Ab 1960 wurde der Zwerg etwas sportlicher abgestimmt. 1961 schob Piaggio sogar eine GT-Ausführung nach, die den 400 aber nicht mehr retten konnte. Die Nachfrage sank stetig, und nach insgesamt 30'976 Fahrzeugen endete die Produktion.

Das porträtierte Fahrzeug ist ein seltenes USA-Modell mit Meilentacho und dem damals für den Exportmarkt leistungsgesteigerten 20 PS Motor. Der Piaggio Vespa 400 wird an der Auktion «The Elkhart Collection» von RM/Sotheby's versteigert, die am 1. und 2. Mai 2020 stattfindet.

Weitere Informationen, viele Bilder, Testberichte und technische Daten gibt es auf www.zwischengas.com.

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