Daniel Reinhard / www.zwischengas.com
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Der Jaguar XJ6 4.2 steht für den Aufbruch in die Moderne

Als Jaguar im Oktober 1968 in Paris die neue Limousine XJ6 präsentierte, ruhte die grosse Hoffnung der Firma aus Coventry auf diesem Modell. Dass er über 20 Jahre lang gebaut werden würde, hätte damals wohl niemand gedacht.

von
Bruno von Rotz
12.12.2020

Über 50 Jahre ist es her, seit Jaguar einen Nachfolger für die Typen 340, S 380 und 420 präsentierte. Die Latte war hoch gelegt, schliesslich hatte Jaguar einen Ruf als innovativer Autobauer zu verteidigen. Öffentlich vorgestellt wurde der XJ6 als 2,8- und 4,2-Liter am Pariser Autosalon im Oktober 1968.

Mit seinen Vorgängern hatte der Jaguar XJ6 nur wenig gemein. Die selbsttragende Karosserie war eine Neukonstruktion, die sowohl auf Komfort als auch Sicherheit ausgelegt war. Trotz neuer Linienführung war der Wagen sofort als Jaguar erkennbar, die grossen Räder und die angedeuteten Kotflügel hinten schlugen den Bogen in die Vergangenheit.

Bewährte Antriebstechnik

Die Motoren mussten nicht neu entwickelt werden, der Reihensechszylinder war bekannt, wurde allerdings geringfügig verfeinert. Die grössere Version kam auf einen Hubraum von 4235 cm3 und leistete 245 SAE-PS bei 5500 Umdrehungen, nach DIN-Norm wurden daraus 185 PS. Als Getriebe gab’s entweder eine Borg-Warner-Dreigangautomatik oder eine Viergang-Handschaltung mit aufpreispflichtigem Overdrive.

Damals wurde der Jaguar XJ6 mit dem Trans-Europ-Express verglichen, jetzt steht ein Regionalzug Modell.

Damals wurde der Jaguar XJ6 mit dem Trans-Europ-Express verglichen, jetzt steht ein Regionalzug Modell.

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Lässt sich einfach fahren und fühlt sich handlicher an als es die Ausmasse ahnen lassen.

Lässt sich einfach fahren und fühlt sich handlicher an als es die Ausmasse ahnen lassen.

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Damals wirkte der Jaguar XJ6 gross, heute ist er mit 481 cm Länge nur wenig ausladender als ein VW Passat.

Damals wirkte der Jaguar XJ6 gross, heute ist er mit 481 cm Länge nur wenig ausladender als ein VW Passat.

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Nicht billig

28’500 Franken kostete der XJ6 im Jahr 1969 mit Handschaltung, der Overdrive erhöhte die Rechnung um weitere 650 Franken. Die Konkurrenz war teilweise deutlich billiger. Für einen BMW 2800 etwa waren 24’500 Franken zu bezahlen, für einen Mercedes-Benz 280 SE 26’200 Franken. Ein Opel Admiral 2.8E kostete 20’300 Franken, ein Rover 3500 V8 CHF 23’500. Allerdings musste bei der Konkurrenz manches gegen Aufpreis bestellt werden, was beim Jaguar serienmässig vorhanden war.

Geglückter Spagat

Der XJ6 wollte gleichzeitig «rassig, dynamisch, sportlich» und «sicher, geräumig, luxuriös» sein, so versprach es die Werbung. Die damaligen Testberichte bestätigten weitgehend, dass diese ambitiösen Erwartungen durchaus erfüllt werden konnten.

Die Automobil Revue verglich den Jaguar XJ6 damals mit dem «Trans Europ Express» (TEE). Das war damals ein Schnellzug, der Geschäftsleute in möglichst kurzer Zeit über Landesgrenzen hinweg schnell und bequem ans Ziel bringen sollte. Dass dies auch dem XJ6 gelang, davon zeugten die vielen positiven Testberichte. Aber selbst über 50 Jahre später lässt sich schon nach kurzer Kontaktnahme erkennen, wie fortschrittlich und gut der XJ6 sich damals angefühlt haben muss.

Während der «normale» Autofahrer im VW Käfer, Opel Kadett, Renault 8 oder Sunbeam Imp nur knapp über 100 km/h hinaus kam und eine halbe Minute arbeiten musste, bis er Landstrassengeschwindigkeit erreicht hatte, schüttelt der Jaguar die Leistung und vor allem das Drehmoment aus dem Armgelenk und zwar ohne dabei viel Aufsehen zu machen. Sportliche Autofahrer würden sich sogar eine etwas deutlichere Aussprache des 4,2-Liter-Langhubers wünschen, zu sehr verschwindet der wohlklingende Bariton hinter Wind- und

Butterweiche Bedienung

Am Fahrkomfort gibt es heute noch weniger auszusetzen als damals, Generationen von immer flacheren Niederquerschnittsreifen haben uns schon lange vom Komfort eines Mercedes-Benz 600 oder Citroën DS entwöhnt.

Im Gegensatz zu vielen anderen Klassikern aus den Sechzigerjahren lässt sich der Jaguar ohne Kraftaufwand und ohne grosse Vorkenntnisse fahren. Das Vierganggetriebe lässt sich butterweich bedienen, der Overdrive schaltet sich im vierten Gang durch Verschieben eines kleinen Schalters auf dem Schalthebel dazu und senkt die Drehzahl um etwa einen Fünftel.

Selbst heute noch sind hohe Reisedurchschnittsgeschwindigkeiten möglich und (einsame) Nachtfahrten verlieren dank gutem Fernlicht ihren Gräuel. Was will man mehr?

Weitere Informationen und viele Bilder zum Jaguar XJ6 4.2 gibt es auf www.zwischengas.com.

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133 Kommentare
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Watt

13.12.2020, 22:06

Das Watt wendet sich Wer einen Diesel kauft, wirft das Geld in die Vergangenheit, die uns niemals eine saubere und nachhaltige Mobilität bescheren wird. Selbst bei gleicher Oekobilanz hat das Elektroauto Vorteile. Es verursacht deutlich weniger Feinstaub, es ist unabhaengig von Oelpreisen und es bietet einen deutlich erhoehten Fahrspass.

Garage22

13.12.2020, 22:06

Viele Öl-Lobbyisten, einige Garagisten, Servicestationen, Autoverkäufer, Ersatzteilverkäufer und Nostalgiker werden immer hilfloser, unanständiger und aggressiver in ihrer Argumentation. Faktenbasierte Argumente gegen die E-Mobilität können sie kaum noch liefern. Die sehen womöglich ihre fetten Gewinne schwinden durch den Siegeszug von E-Autos!

Spotlight

13.12.2020, 22:04

Was soll am Verbrenner besser sein? Kaum das Genagel des Diesels, kaum die Sauerei an der Tankstelle, kaum die massiv schlechtere Beschleunigung, kaum die Ineffizienz, kaum die laufenden Kosten, kaum die höheren Versicherungsprämien, ich könnte noch ewig so weitermachen.