NHL-Superstar Nico Hischier im Interview: «Der jüngste NHL-Captain – dafür interessiere ich mich nicht»
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NHL-Superstar Nico Hischier im Interview«Der jüngste NHL-Captain – dafür interessiere ich mich nicht»

Der Schweizer NHL-Star Nico Hischier ist neu der jüngste Captain in der NHL. Mit uns spricht der Spieler von den New Jersey Devils über diese Ehre. Aber auch über Zweifel und seine Corona-Erkrankung.

von
Nils Hänggi
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Nico Hischier hat Grund zur Freude: Seit gut einer Woche ist er Captain der New Jersey Devils. 

Nico Hischier hat Grund zur Freude: Seit gut einer Woche ist er Captain der New Jersey Devils.

imago images/Icon SMI
Der 22-Jährige ist damit der jüngste Captain in der NHL. 

Der 22-Jährige ist damit der jüngste Captain in der NHL.

AFP
Dazu meint er im Interview: «Ich bin noch der gleiche Typ. Ich bleibe, wie ich bin. Ich will einfach Eishockey spielen.»

Dazu meint er im Interview: «Ich bin noch der gleiche Typ. Ich bleibe, wie ich bin. Ich will einfach Eishockey spielen.»

AFP

Darum gehts

  • Nico Hischier (22) ist seit gut einer Woche Captain der New Jersey Devils.

  • Die Ernennung macht den Schweizer NHL-Star stolz.

  • Im Interview erzählt er, dass Roman Josi ihm gratulierte.

  • Auch erzählt er von seiner Corona-Erkrankung.

Nico, mittlerweile bist du seit gut einer Woche Captain der Devils. Was war dein erster Gedanke, als du von deiner Ernennung erfahren hast?

Nico Hischier: (überlegt) Ja, es war sicher überraschend. Es war gerade vor einem Spiel, als ich es erfuhr. Ich war mega-glücklich und es machte mich stolz. Es ist schön zu sehen, dass mir die Organisation vertraut und eine neue Challenge auf mich zukommt. Aber einen gewissen Respekt, den habe ich schon auch gespürt.

Das ist verständlich. Zumal du ja überhaupt der jüngste Captain der Liga bist. Was bedeutet das für dich?

Ach, Bedeutung ist ein sehr grosses Wort. Dass man Captain von einer Organisation sein darf, ist etwas Spezielles. Und es macht mich, wie gesagt, sehr stolz. Aber eigentlich ändert das ja nicht gross was. Ich bin noch der gleiche Typ. Ich bleibe, wie ich bin. Ich will einfach Eishockey spielen. Ich interessiere mich daher nicht dafür, dass ich jetzt der jüngste Captain bin.

Nach Josi und Streit bist du der 3. Schweizer, der NHL-Captain ist. Hattest du mit ihnen Kontakt?

Ja, Josi schrieb mir eine SMS. Er gratulierte mir zu meiner Ernennung.

Dein Teamkollege Kyle Palmieri meinte nach deiner Ernennung: «Nico ist ein Vorbild für uns alle und geniesst in der Kabine den allergrössten Respekt.» Was macht dich aus?

(lacht) Das ist eine sehr gute Frage! Ich glaube, ich versuche einfach immer, das Team in den Vordergrund zu stellen. Ich probiere, den persönlichen Erfolg als weniger wichtig zu nehmen als denjenigen mit dem Team. Ich mache immer alles, um dem Team zu helfen.

Das ist Nico Hischier

Nico Hischier ist ein Schweizer Eishockey-Star, der seit Juli 2017 bei den New Jersey Devils unter Vertrag steht und das Team seit diesem Februar als Captain anführt. 2017 wurde er beim NHL-Draft als «First-Pick» gewählt. In der Schweiz stand der heute 22-Jährige beim SC Bern unter Vertrag. (nih)

Hast du als Captain neue Aufgaben?

Es ist sicherlich so, dass ich jetzt noch mehr Verantwortung habe. Das ist aber nicht schlimm. Ich spüre das Vertrauen der Organisation. Und wir haben ja auch noch andere Leader in der Garderobe. Kyle Palmieri zum Beispiel. Er hilft mir und vor ihm habe ich auch grossen Respekt. Das, was er jeden Tag auf dem Eis zeigt, ist fantastisch. Er ist ein grosses Vorbild!

2017 bist du gedraftet worden. Seither hast du mehr als 200 Spiele absolviert. Was ist das für ein Gefühl, in der besten Liga der Welt zu spielen?

Dass es nicht einfacher wird! (lacht) Die Liga ist sehr, sehr intensiv. Man muss in jedem Spiel kämpfen, damit das eigene Team Punkte holt. Mein Gefühl ist daher: Ich weiss, dass ich in der besten Liga der Welt spiele, doch ich muss mir all das hart erkämpfen. Das Mindset muss stimmen.

Hattest du einmal Zweifel? Dachtest du mal, du scheiterst?

Nein. Am Anfang war es sicherlich eine grosse Umstellung. Das ist klar. Wenn man aber das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten hat, und das habe ich, kann eigentlich nichts schief gehen. Ich probiere stets mein Spiel zu machen. Von Tag 1 an bis jetzt.

Mit deinen Devils könnte es aber derzeit besser laufen.

Ich glaube, wir sind noch gut dran. Es könnte schliesslich auch schlechter laufen. Klar, wir haben die letzten drei Spiele verloren. Wichtig ist einfach, dass wir jetzt nicht zu viel Selbstvertrauen verlieren. Das Gute ist: Wir spielen eigentlich jeden zweiten Tag und so hat man immer schnell die Chance, alles wieder besser zu machen und eine Niederlage zu vergessen.

Mit den Devils könnte es derzeit besser laufen. 

Mit den Devils könnte es derzeit besser laufen.

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Die Playoffs hast du also noch fest im Blick.

Sicherlich! Das muss man haben. Wenn man das nicht hat, dann kann man gleich aufhören zu spielen.

Wie lebt es sich eigentlich zu Corona-Zeiten als Hockeyspieler in den USA?

Ganz gut eigentlich. Wir leben in einer Art Bubble. Grundsätzlich müsste ich mich jeden Tag auf Corona testen lassen. Doch mein Team hat es ja vor ein paar Wochen recht heftig erwischt. Auch mich. Ich wurde positiv auf Covid-19 getestet, musste in Quarantäne. Das Gute daran ist, dass alle, die positiv getestet wurden, sich jetzt erstmals nicht mehr testen müssen.

Hattest du Symptome? Hast du Corona denn gut überstanden?

Ja, absolut. Ich war nur ein bisschen erkältet, hatte Muskel- und Gliederschmerzen. Verlor den Geschmackssinn. That’s it.

Werfen wir noch einen Blick in die Schweiz: Was ist deine Meinung zur Ausländererhöhung?

Ich sehe diese kritisch. Mein Bruder spielt auch in der Schweizer National League. Ich glaube, dass es für den Nachwuchs nicht förderlich ist, wenn mehr Ausländer in den Teams sind. Man hat es ja auch bei den Erfolgen der Nati in den letzten Jahren gesehen, wie wichtig eine gute Schweizer Nachwuchsförderung ist. Junge Schweizer Hockeyspieler müssen spielen, damit sie besser werden. Und das wird mit mehr Ausländern weniger möglich sein.

Mit anderen Worten: Die Reform macht mögliche NHL-Karrieren junger Schweizer kaputt?

Die neue Regelung ist nicht gut für den Nachwuchs, sie ist ein Nachteil. Ich glaube, wenn man die Nati anschaut oder auch Kurashev und Suter, die derzeit in der NHL brillieren, sieht man ja, dass die Talentförderung in der Schweizer Liga bislang sehr gut funktioniert.

Was hast du noch für Ziele?

Den Stanley-Cup gewinnen! Das ist sicher. Und auch mit der Schweizer Nati noch grosse Erfolge feiern.

Deine Meinung

5 Kommentare
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BeepBoopBop

26.02.2021, 08:25

NHL „Superstar“ ist übertrieben, aber trotzdem gut gemacht. NHL Captain zu werden ist keine kleine Ehre!

Peter D.

26.02.2021, 07:57

Ein super tolles Vorbild! Bravo Nico, du machst alles richtig , bist ein toller junger Mann und Sportler , genauso wirst du viele Erfolge feiern können.

Wasgeht dichdasan

26.02.2021, 07:11

Dieser Junge ist 5x so viel wert wie die ganze Fussball Nati.