Aktualisiert 25.12.2007 08:36

«Der Junge hat mir immer die Tür aufgehalten»

Im Haus, in dem in der Nacht auf gestern zwei siebenjährige Kinder getötet wurden, herrscht Fassungs- und Ratlosigkeit. Niemand kann sich erklären, warum die ganz normale Familie in einem Durchschnitts-Wohnhaus auseinandergerissen werden konnte.

Das Mehrfamilienhaus der Familie B. liegt am Ortseingang von Horgen. Zwischen Haus und Strasse steigt Nebel vom Acker, die Ruhe im abgelegenen Weiler lässt erahnen, dass Weihnachten ist.

Für die Bewohner des Hauses, in dem Franz B. und seine Frau mit ihren zwei Zwillingen gewohnt haben, kehrt keine weihnächtliche Stimmung ein. Zu schockierend ist das, was in der Nacht auf Heiligabend in einer der Wohnungen geschehen ist. Vater und Mutter B. werden verdächtigt, ihre beiden siebenjährigen Kinder getötet zu haben. Mitten in der Nacht riefen die beiden die Polizei an. Ihre Zwillinge seien umgebracht worden. Während die Leichen der Kinder abtransportiert werden, werden auch die Eltern weggebracht. In einem von vier bereitstehenden Polizeiautos.

«Ich habe sie weinen gehört»

Eine Nachbarin berichtet vom Lärm, der sie vorvergangene Nacht aus dem Schlaf gerissen hatte. «Plötzlich hörte ich oben jemand weinen. Ich habe nicht genau gewusst, um was es geht und bin in der Wohnung geblieben. Kurz darauf waren mehrere Leute im Treppenhaus», sagt Renterin H. G. (Name der Redaktion bekannt), welche im Parterre wohnt.

«Die Nachbarin, die den engsten Kontakt zur Familie pflegte, kümmerte sich zuerst um die weinende Frau. Ich dachte, es bringt nichts, wenn ich jetzt auch noch rausgehe», sagt G.

Trauer und Fassungslosigkeit

Das die beiden Kinder tot sind, erfährt G. gestern aus den Medien. «Ich kann das noch nicht richtig glauben. Die Mutter hat sich immer nach mir erkundigt, als ich im vergangenen Jahr schwer krank war. Die beiden Kinder werden mir fehlen. Sie waren so aufgestellt und freundlich. Der Junge hat mir alten Frau die Türe aufgehalten, wenn er mich nach Hause kommen sah», sagt G., den Tränen nahe. Oft ist die Rentnerin mit den beiden Kindern im Bus vom Bahnhof nach Hause gefahren. «Jetzt sind sie nicht mehr hier, dabei sind sie doch eben erst eingeschult worden», sagt G.

Schon einmal ein Kind verloren?

Die Zwillinge besuchten das Schulhaus Arn, das Grundstück der Schule grenzt an das ihres Wohnhauses mit den grosszügigen und lichtdurchfluteten Mehrzimmerwohnungen. Was in der Viereinhalbzimmer-Wohnung der Familie B. im ersten Stock passiert ist, werden die Untersuchungen der Polizei zeigen. Aus ermittlungstechnischen Gründen schweigt sich diese über die Todesursache der Kinder aus. Ebenso darüber, dass die Familie bereits vor acht Jahren ein Kind verloren haben soll, wie ein Nachbar der Familie B. gegenüber «TeleZüri» sagte.

Nicht schweigen konnte der Vater der Familie, die in der Wohnung vis à vis der B.s wohnt. Er musste seinem Nachwuchs erklären, warum die Zwillinge nie mehr zum Spielen rauskommen werden.

Maurice Thiriet, 20minuten.ch

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