Bis die Ohren bluten: Der K(r)ampf geht weiter
Aktualisiert

Bis die Ohren blutenDer K(r)ampf geht weiter

Auch in der zweiten Folge schaffte es das SF-Format «Der Kampf der Chöre» nicht, sein Publikum zu unterhalten. Dies lag nicht nur an den Amateursängern.

von
Niklaus Riegg

Die erste Ausgabe von Kampf der Chöre polarisierte das Publikum des Schweizer Fernsehens. Von «Bomben-Show» bis «sogar der Teletext ist spannender» reichte die Spannweite der Publikumsreaktionen im Talkback auf 20 Minuten Online. Und der Artikel Die Grausamkeit am Sonntagabend sorgte selbst bei den Teilnehmern für Aufsehen – die ausgeschiedene Maja Brunner suchte deswegen sogar das Gespräch mit der Redaktion. Teilnehmer Padi Bernhard lud den Journalisten auf seine Facebook-Fanpage ein.

Das Format

Leider war auch die zweite Ausgabe vom Sonntag dem 31. Oktober genauso wenig unterhaltend wie die erste Sendung. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn das Format als solches ist ein Fehlgriff. Das Problem liegt nicht unbedingt bei den Chören, die stets bemüht sind, den richtigen Ton zu treffen. Und auch nicht bei den prominenten Chorleitern, die versuchen den Abend mit ein paar flotten Sprüchen über die Bühne zu bringen. Das Problem liegt im Format an sich.

Fehlender Konkurrenzkampf

Das Schweizer Fernsehen hat es geschafft, alle unterhaltsamen Elemente einer Casting-Show aus einer solchen zu entfernen. Es fehlen die Teilnehmer, bei denen man mitfiebern kann: Am Anfang waren insgesamt 160 Sänger auf der Bühne. Da ist es unmöglich, für jemanden Empathie zu empfinden. Zum Zweiten fehlt eine bissige und fachkompetente Jury. Die Chorleiter kuscheln miteinander, haben sich alle furchtbar lieb. Und damit fehlt das, was eigentlich das Herzstück einer Castingshow ist: der Konkurrenzkampf. Übrig bleibt so eine zähe, dröge Show, die an Biederkeit kaum zu überbieten ist. Moderiert wird das Ganze dann noch von Sven Epiney – auch er ist nicht unbedingt der Moderator, der einer ohnehin zähen Sendung zusätzlichen Pfeffer verleihen könnte.

Ausserdem hat die Sendung ein immenses Timingproblem. Nach 70 Minuten waren die Auftritte der sieben Chöre vorbei – danach passierte 45 Minuten lang nichts. Dies kennt man ja von anderen Castingshows, besonders gegen Ende der Staffel. Doch diese schaffen es, in dieser Stunde Spannung aufzubauen – und damit für Unterhaltung zu sorgen. Davon kann bei «Kampf der Chöre» keine Rede sein.

Die guten Auftritte

Was bleibt, sind dutzende wild zusammengewürfelte Hobbysänger, die gute Miene zum bösen Spiel machen. Herausgestochen ist wie schon bei der ersten Folge Gustav: Der Freiburger ist der Einzige, der bei der Umsetzung der Hitsongs ein wenig Originalität beweist: «T.N.T.» von AC/DC war kaum mehr wieder zu erkennen. Gustav macht das einzig Richtige – er versucht seinem Song eine neue Note zu verleihen. Mit der Auswahl des Originals machte er sich aber nicht unbedingt einen Gefallen.

Team Fabienne bestach durch seinen jugendlichen Charme, die Wahl von «Everybody Needs Somebody to Love» war perfekt gewählt. Die guten Sänger konnten zeigen, was in ihnen steckt, die weniger guten konnten sich hinter der witzigen Choreografie verstecken.

Auch der Auftritt von Padi Bernharts Gruppe war ganz nett. Klar, die Kostüme waren grenzwertig. Aber die Solisten sangen sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten durch Bryan Adams' «All for Love». Dieser Auftritt ist nichts, woran man sich lange erinnern wird – und das ist durchaus positiv gemeint.

Und die Gruppe um Noëmi Nadelmann hob sich auch gestern durch ihre Professionalität von den anderen ab – besonders herzlich wirkte ihr Auftritt mit Georges Bizets «Les Voici» aber nicht. Doch als klassischer Farbtupfer ist Nadelmann eine Wohltat für die Sendung.

Die Anderen

Bei der ersten Show sorgte Michael von der Heide noch für einen der raren kleinen Höhepunkte. Am Sonntagabend geriet der Auftritt seines Chores jedoch zu einem Debakel. Seine beiden Leadstimmen versangen sich bei U2s «Pride» leider furchtbar – vor den Fernsehgeräten bluteten die Ohren. Da half auch die sympathische Ausstrahlung des Amdeners nichts mehr. Kein Wunder hat es für die Ostschweizer nicht für die nächste Runde gereicht – sie schieden aus.

Der Chor von Sandee sang sich direkt im Anschluss, hörbar bemüht die richtigen Töne zu treffen, durch das Medley aus dem Traditional «The Lion Sleeps Tonight» und «Sex» von Florian Ast. Die dazugehörige Choreografie sorgte für Gänsehaut – weil man sich dafür fremdschämen musste. Die Mischung aus Ethnokitsch und Kolonialromantik war der Tiefpunkt der Sendung.

«Punkrocker» Stämpf nötigte seinen Chor zum Schluss durch den Klassiker «Ça plane pour moi» von Plastic Bertrand. Schlimm war weniger, dass der Bündner den 1977 veröffentlichten Song als 80er-Hit ankündigte. Wie schon letzte Woche war der Chor des QL-Sängers der am wenigsten treffsichere, der Leadsänger hatte mit dem schnellen Song seine liebe Mühe.

Ein Rohrkrepierer

Das Schöne an «Kampf der Chöre» ist, es wird gezeigt, dass viele Schweizer Freude am Singen haben. Der Versuch diese Freude in einer Castingshow abzubilden, bleibt aber auch in der zweiten Ausgabe ein furchtbarer Rohrkrepierer. Der Sendung hat der Charme eines bunten Abends, ihr fehlt es an Witz und vor allem an Spannung.

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