Aktualisiert 14.09.2016 00:42

Franz Beckenbauer

Der «Kaiser» hat für die WM kassiert

Anders als bisher dargestellt, hat Franz Beckenbauer für seinen Job bei der WM 2006 5,5 Millionen Euro erhalten. Der «Kaiser» erholt sich derweil in einer Klinik von einer Herzoperation.

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fal/chk
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Neue Enthüllung im WM-Skandal 2006: Franz Beckenbauer hat kassiert – und das Steueramt lange links liegen gelassen. (Archiv)

Neue Enthüllung im WM-Skandal 2006: Franz Beckenbauer hat kassiert – und das Steueramt lange links liegen gelassen. (Archiv)

Keystone/Markus Schreiber (AP)
In der Affäre um die Vergabe der Weltmeisterschaft 2006 droht den damals Verantwortlichen juristisches Ungemach: (v.l.) Der damalige Fifa-Präsident Sepp Blatter überreicht den WM-Pokal an OK-Präsident Franz Beckenbauer, dessen Vize Fedor Radmann und Horst R. Schmidt.

In der Affäre um die Vergabe der Weltmeisterschaft 2006 droht den damals Verantwortlichen juristisches Ungemach: (v.l.) Der damalige Fifa-Präsident Sepp Blatter überreicht den WM-Pokal an OK-Präsident Franz Beckenbauer, dessen Vize Fedor Radmann und Horst R. Schmidt.

Keystone/Michel Euler
Wie das Nachrichtenmagazin «Spiegel» aufgedeckt hatte, wurden zwischen Mai und Juli 2002 sechs Millionen Schweizer Franken von einem gemeinsamen Konto Beckenbauers und seines damaligen Managers Robert Schwan an eine Anwaltskanzlei in Sarnen OW überwiesen.

Wie das Nachrichtenmagazin «Spiegel» aufgedeckt hatte, wurden zwischen Mai und Juli 2002 sechs Millionen Schweizer Franken von einem gemeinsamen Konto Beckenbauers und seines damaligen Managers Robert Schwan an eine Anwaltskanzlei in Sarnen OW überwiesen.

Keystone/Matthias Schrader

Der Deutsche Fussball-Bund (DFB) behauptete stets, dass Franz Beckenbauer als OK-Chef der WM 2006 ehrenamtlich gearbeitet hätte. Nun aber ist bekannt geworden, dass der «Kaiser» 5,5 Millionen Euro für seine Arbeit kassierte. Mehr noch: Gemäss «Spiegel Online»wollten sowohl die grosse Figur des «Sommermärchens» als auch der DFB diese Summe am Steueramt vorbeischleusen.

Auf Anfrage des Mediums an den DFB wurden die Millionen für Beckenbauer erst vier Jahre später versteuert, nachdem er das Geld erhalten hatte, also Ende 2010. «Erste Hinweise auf den Deal finden sich in einem Report, den die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG 2008 im Auftrag der Fifa erstellte. Gegenstand der Prüfung war der Ausrichtervertrag zwischen Fifa und DFB für die WM 2006 in Deutschland», schreibt «Spiegel Online».

Die Rolle von Oddset

In den Anlagen des Berichts findet sich auch der vom DFB 2004 mit dem staatlichen Sportwettenanbieter Oddset geschlossene Sponsorenvertrag. Oddset war einer von sechs nationalen Förderern für den grossen Event. «Insidern zufolge zahlte damals jeder nationale Förderer mehr als zwölf Millionen Euro in die Kasse des WM-OK. Im Falle Oddset gab es aber, laut KPMG-Bericht, noch einen sogenannten Sideletter zugunsten von Franz Beckenbauer», schreibt «Spiegel Online». Dieser sah vor, dass Beckenbauer von den dem WM-OK zugedachten Millionen einen erheblichen Teil erhalten sollte.

Erst spät versteuert

Der Verband habe mit Beckenbauer zwei Verträge geschlossen, einen im Oktober 2004 und einen weiteren zwei Jahre später. Der zugesicherte Betrag von 5,5 Millionen Euro «wurden im Zeitraum Februar 2005 bis Oktober 2006 in fünf Raten an Herrn Beckenbauer ausgezahlt», heisst es in einer Stellungnahme des DFB.

Versteuert wurde das Geld vier Jahre lang nicht. Erst als das Finanzamt Frankfurt bei einer Steuerprüfung im DFB auf den Deal aufmerksam wurde, zahlte der Verband im Dezember 2010 die Summe von 1'160'500 Euro an Abzugssteuer. Im März 2011 habe Beckenbauer gemäss DFB das Geld erstattet.

Weder Oddset noch Beckenbauer haben sich bisher zu den Vorfällen geäussert.

Beckenbauer in Klinik

Franz Beckenbauer befindet sich laut Informationen des deutschen Portals «Sport1» nach einer Bypass-Operation in einer Reha-Klinik. Der Aufenthalt des 71-Jährigen soll mehrere Wochen dauern.

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