Hyposwiss-Krimi: Der Kampf der Oligarchen

Aktualisiert

Hyposwiss-KrimiDer Kampf der Oligarchen

Zwei russische Milliardäre, ein Schweizer Mittelsmann und drei dreiste Datendiebe: Das sind die Protagonisten in der St. Galler Geldwäscherei-Affäre.

von
Sabina Sturzenegger
Kampf der russischen Oligarchen vor Schweizer Gerichten: Oleg Deripaska (l.) und Konkurrent Wladimir Potanin. (Bildcombo: Keystone/20 Minuten Online)

Kampf der russischen Oligarchen vor Schweizer Gerichten: Oleg Deripaska (l.) und Konkurrent Wladimir Potanin. (Bildcombo: Keystone/20 Minuten Online)

Der Bankenplatz St. Gallen ist zwar klein, aber er hat es in sich: Nicht erst seit dem Notverkauf der Privatbank Wegelin an die ebenfalls in St. Gallen beheimatete Raiffeisen-Gruppe ist die Gallusstadt in den Fokus geraten. Rund um die Stadt im Osten der Schweiz spielt sich seit einigen Monaten ein Krimi ab, der alle Zutaten für einen Hollywood-Blockbuster hat.

Die Spur führt zunächst weiter in den Osten, nach Russland: Wladimir Potanin ist mehrfacher Milliardär, ehemaliger Vize-Ministerpräsident der russischen Regierung unter Boris Jelzin und einer jener russischen Oligarchen, die weder im Exil sind noch im Gefängnis sitzen.

Mitte der Neunzigerjahre war Potanin als Regierungsvertreter durch einen Coup an ein Anteilspaket an der weltweit grössten russischen Nickelproduzentin Norilsk Nickel gelangt. Heute besitzt er rund einen Viertel dieser Aktien. Der russische Rohstoffgigant hat 2010 einen Gewinn über 5 Milliarden Dollar erwirtschaftet.

Um Norilsk Nickel ist ein Machtkampf entbrannt. Hier kommt Oleg Deripaska ins Spiel: Deripaska, ebenfalls russischer Oligarch und ebenfalls Minderheitsaktionär bei Norilsk Nickel, wirft Potanin vor, einen fingierten Aktienverkauf und den späteren Rückkauf von Norilsk-Aktien zu einem höheren Preis eingefädelt zu haben. Auf Kosten der Norilsk-Aktionäre - unter ihnen selbstverständlich auch Deripaska selber - soll Potanin einen unrechtmässigen Gewinn von über einer Milliarde Dollar eingestrichen haben.

Und damit kehren wir zurück in die Schweiz:

In dieses Geschäft sollen eine Schweizer Privatbank sowie ein Schweizer Mittelsmann verwickelt sein: Hans Bodmer, Zürcher Anwalt und Sportfunktionär. Er war bis im letzten November Verwaltungsrat der Hyposwiss-Privatbank, über welche die Geldwäscherei-Geschäfte abgewickelt worden sein sollen.

Die Hyposwiss , die als Drehscheibe für die Norilsk-Milliarde gedient haben soll, ist eine Tochter der St. Galler Kantonalbank (SGKB), die sie 2002 von der UBS übernommen hat. Die Hyposwiss mit Sitz in Zürich und Genf verwaltet ein Vermögen von 11,3 Milliarden Franken.

Der Verdacht Deripaskas: Hans Bodmer habe für Oleg Potanin über hunderte Transaktionen Gelder in Millionenhöhe über verschiedene Bankkonten geschleust haben. Er habe einen fingierten Verkauf von Norilsk-Aktien an den Rohstoffkonzern Trafigura sowie den Rückkauf dieser Aktien mit Norilsk-Mitteln zu verschleiern versucht. Die Gelder sollen von Mitte Januar 2010 bis Ende März 2011 über ein Dutzend Offshore-Gesellschaften zur Hyposwiss geflossen sein.

Bodmer, der im Zuge der Geldwäscherei-Affäre als Hyposwiss-Verwaltungsrat zurückgetreten ist, ist kein unbeschriebenes Blatt. Er war schon 2004 aus dem gleichen Amt zurückgetreten – wegen eines Geldwäschereiverfahrens in den USA. Damals soll Bodmer im Auftrag von zwei weiteren Oligarchen in eine Bestechungsaffäre in Aserbeidschan involviert gewesen sein.

Deripaskas Racheplan beinhaltet den Gang vor mehrere juristische Instanzen in der Schweiz. Gegen Bodmer und andere Exponenten aus Potanins Umfeld hat er im August bei der Bundesanwaltschaft (BA) Anzeige eingereicht. Allerdings hatte die BA die Vorwürfe als unbegründet abgelehnt. Deripaska zog die Anzeige ans Bundesstrafgericht in Bellinzona weiter. Auch bei der Finanzmarktaufsicht hat der Oligarch inzwischen Anzeige gegen die verantwortlichen Organe der Privatbank Hyposwiss eingereicht.

Bewiesen ist indes noch nichts. Inzwischen hat sich die Hyposwiss von der Revisionsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) in einem Bericht vom Verdacht der Geldwäscherei entlasten lassen. Doch dieser Freibrief ist nur von beschränktem Wert: Experten kritisieren, dass PwC die falschen Prüfer seien, weil ihnen als Revisionsgesellschaft der St. Galler Kantonalbank die Unabhängigkeit gegenüber der Hyposwiss fehle.

Im vorläufig letzten Akt dieses Ostkrimis treten nun auch noch drei dreiste Datendiebe auf den Plan: Ein ehemaliger externer Hyposwiss-Mitarbeiter aus Zürich und seine beiden Komplizen werfen der Privatbank vor, «Geld in grossem Stil» zu waschen und geben an, entsprechende Daten zu besitzen - auch über gewaschene Gelder für Potanin.

Die Daten wollten sie einer Anwaltskanzlei verkaufen, die daraufhin Anzeige erstattete. Laut einem Schreiben, das dem «Tages-Anzeiger» vorliegt, forderten die Diebe 2 Millionen Franken für die Bankdaten, «je 0,8 Mio. für uns, 0,4 Mio. für den Lieferanten».

Der Anführer der Datendiebe, der ehemalige Bankmitarbeiter, sitzt inzwischen hinter Gittern, wie die «Handelszeitung» vermeldet. Und die Bundesanwaltschaft hat ein Verfahren wegen wirtschaftlichem Nachrichtendienst und Bankgeheimnisverletzung aufgenommen. Fortsetzung folgt.

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