Aktualisiert 07.12.2010 06:28

Bundesbetriebe

Der Kampf um das Top-Kader

Headhunter warnen: Bundesbetriebe vernachlässigen die interne Nachwuchspflege. Fälle wie Béglé und Schmid dürften sich deshalb wiederholen.

von
Elisabeth Rizzi
Headhunter sind sich einig: Bei den SBB kommen gute Leute zu wenig schnell voran. (Bild: Keystone)

Headhunter sind sich einig: Bei den SBB kommen gute Leute zu wenig schnell voran. (Bild: Keystone)

Bei den SBB hängt der Haussegen schief. Unter CEO Andreas Meyer sind innert vier Jahren bereits zwei Dutzend Führungskräfte abgetreten. Prominentester Abgang war Jürg Schmid, Chef von Schweiz Tourismus. Die SBB haben reagiert und nun eine Führungsfibel für die Angestellten herausgegeben (hier wird Personalzufriedenheit explizit unter den neun Konzernzielen aufgeführt). Wegen der miesen Stimmung führten die Bundesbahnen laut «Sonntag» auch Mitarbeiterbefragungen durch. Doch das Problem liegt tiefer. Renommierte Headhunter wollen zwar nicht namentlich genannt werden. Doch man ist sich einig: Nicht nur die SBB, sondern alle Bundesbetriebe haben damit zu kämpfen, dass sie im Gegensatz zur Privatwirtschaft nicht im globalen Pool der Top-Manager fischen können.

«Neben fachlichen und internationalen Erfahrungen ist bei solchen Positionen auch Vertrautheit mit dem politischen System der Schweiz gefragt. Da wird es sehr schnell sehr eng im Kandidatenkreis», so ein Branchenvertreter. Komme hinzu, dass bei externen Kandidaten der Lohn meist sehr wichtig sei, sagt ein anderer Headhunter. Die Bundesbetriebe ihrerseits würden die Nachwuchsförderung sträflich vernachlässigen. «Sie setzen noch immer zu stark auf die Tradition, sprich auf Erfahrung statt auf Führungskompetenz. Gute Leute kommen zu wenig schnell voran und verlassen den Bund deshalb», warnt er. Folge: Weitere Fälle wie das kurze Gastspiel von Ex-Postchef Claude Béglé drohen.

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