Palästina-Trilogie Teil III: Der Kampf um die heilige Stadt
Aktualisiert

Palästina-Trilogie Teil IIIDer Kampf um die heilige Stadt

Jerusalem ist der politische, soziale und religiöse Brennpunkt des Nahostkonflikts. Wenn sich Israelis und Palästinenser hier nicht einigen, wird es keinen Frieden geben.

von
Kian Ramezani

Hier herrschten jüdische Könige, hier wurde Jesus Christus gekreuzigt, hier fuhr der Prophet Mohammed in den Himmel. Drei Weltreligionen konvergieren in Jerusalem – mehr als genug Stoff für Jahrhunderte der Kriege, Massaker und Vertreibungen. Bisher haben nur die Christen kapituliert, die ihren alleinigen Anspruch auf die heilige Stadt mit dem Scheitern der Kreuzzüge 1187 aufgaben. Juden und Moslems streiten sich bis heute. Alle grossen Verwerfungslinien des Nahostkonflikts, sei es die Flüchtlingsfrage, die Grenzziehung oder der Siedlungsbau, spielen sich im Kleinmassstab - aber deshalb nicht weniger erbittert - auch vor der grandiosen Kulisse Jerusalems ab.

Mit der Gründung Israels 1948 rückte die Stadt ins Zentrum des israelisch-palästinensischen Konflikts. Im Wissen um die religiöse und politische Bedeutung der Stadt hatte der Teilungsplan der UNO vorgesehen, sie weder der einen noch anderen Seite zuzuschlagen, sondern unter internationale Verwaltung zu stellen. Die Araber lehnten den ganzen Plan bekanntlich ab. Im ersten Nahostkrieg von 1948 bis 1949 besetzte Israel den Westteil und Jordanien den Ostteil einschliesslich der historischen Altstadt. Dessen jüdisches Quartier wurde von Jordanien vollständig zerstört und alle seine Einwohner vertrieben.

«Jerusalem wird nie wieder geteilt»

Im Sechstagekrieg 1967 eroberte und annektierte Israel Ostjerusalem. Das jüdische Quartier wurde neu aufgebaut und wieder von Juden besiedelt. 1980 erklärte Israel Jerusalem zu seiner «vollständigen und ungeteilten» Hauptstadt. Ungeachtet der Tatsache, dass weder die UNO noch das Ausland diesen Schritt bisher anerkannt haben, bekräftigte der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu in seiner Rede vor dem US-Kongress vergangene Woche diesen Anspruch erneut: «Jerusalem wird nie wieder geteilt», sagte er.

Hintergrund dieser Aussage ist die Forderung der Palästinenser, den Ostteil zur Hauptstadt eines künftigen Palästinenserstaats zu machen. Die arabische Bevölkerung Ostjerusalems besitzt zwar eine permanente Aufenthaltsbewilligung, verzichtet aber mehrheitlich auf die israelische Staatsbürgerschaft. Dennoch ist laut Umfragen zweifelhaft, ob die arabischen Einwohner Ostjerusalems Interesse hätten, künftig anstatt in Israel in einem palästinsischen Staat zu leben.

Physische, demografische und ökonomische Isolierung

Faktisch ist die Stadt bereits – oder vielmehr immer noch - in einen jüdischen Westen und einen muslimischen Osten geteilt. Zwar ist es Israel mit einer forcierten Siedlungspolitik gelungen, den Anteil der jüdischen Wohnbevölkerung in Ostjerusalem signifikant zu erhöhen – von ein haar hundert im Jahr 1967 auf fast 200 000. Die Araber machen dort mit 260 000 aber nach wie vor die Mehrheit aus. Gemessen an der Gesamtbevölkerung Jerusalems beträgt ihr Anteil 35 Prozent, Tendenz steigend. Grund sind ihre höheren Geburtenraten sowie die zunehmende Abwanderung säkularer Juden aus der konservativen Atmosphäre Jerusalems ins liberalere Tel Aviv.

Die Anstrengungen Israels, den jüdischen Bevölkerungsanteil Jerusalems zu erhöhen, sind höchst umstritten. Laut der israelischen Menschenrechtsorganisation B'Tselem ist es für arabische Einwohner ungleich schwieriger, von der Stadt eine Baubewilligung zu erhalten. Die daraus resultierende Wohnungsnot zwingt viele Araber, sich ausserhalb Jerusalems niederzulassen. Israel macht aus seinen Absichten keinen Hehl: «So politisch unkorrekt dies zu sagen auch sein mag, letztlich werden wir die demografische Situation in Jerusalem im Auge behalten und sicherstellen, dass wir in 20 Jahren nicht in einer arabischen Stadt aufwachen», zitiert die israelische Zeitung «Haaretz» den Jerusalemer Stadtrat Yakir Segev.

Auch die wirtschaftlichen Perspektiven haben sich verschlechtert, seit die Sperranlage Ostjerusalem von seinem Hinterland im Westjordanland abgeschnitten hat. Um Arbeit zu finden, müssen deshalb viele Jerusalem verlassen. Nach sieben Jahren erlischt ihre Aufenthaltsbewilligung und die Rückkehr ist für immer versperrt. Gleichzeitig forciert Israel den Siedlungsbau um Ostjerusalem, um dessen Verbindung zum Westjordanland neben der Sperranlage auch demografisch zu unterbrechen.

Landabtausch in Jerusalem kaum möglich

Die sogenannten Clinton-Parameter aus dem Jahr 2000, die auf die Friedensinitiative des damaligen US-Präsidenten in Camp David zurückgehen, bildeten auch die Grundlage für die bisher letzten Friedensverhandlungen über das Schicksal Jerusalems. Der damalige israelische Premierminister Ehud Olmert und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas diskutierten demnach 2008 und 2009 über eine Rückgabe der arabischen Viertel Ostjerusalems an die Palästinenser.

Israel würde in der Altstadt die Kontrolle über das jüdische und armenische Viertel behalten, während das muslimische und christliche Viertel an die Palästinenser fallen würde. Ein internationales Gremium bestehend aus der palästinensischen Autonomiebehörde, Israel, Ägypten, Jordanien, Saudi-Arabien und den USA würden den Tempelberg verwalten, bis eine endgültige Lösung gefunden wird.

Laut den Palästina-Dokumenten war die palästinensische Führung bereit, alle jüdischen Siedlungen in und um Jerusalem an Israel abzutreten. Der palästinensische Chefunterhändler Saeb Erekat betritt dies. Landabtausch mag im Westjordanland kreative Grenzziehungen ermöglichen, auf heiligem Boden hingegen nicht.

Palästina-Trilogie

In einer dreiteiligen Serie beleuchtet 20 Minuten die drei Hauptstreitpunkte im Nahostkonflikt.

palästinensischen Flüchtlinge, die in Lagern und auf verschiedene Länder versprengt auf ihre Rückkehr nach Israel hoffen.

Grenzziehung zwischen Israel und einem souveränen Staat Palästina sowie verwandte Aspekte wie Landabtausch, jüdische Siedlungen sowie israelische Sicherheitsbedenken.

Jerusalem, wo drei Weltreligionen zusammen kommen und das sowohl Israelis als auch Palästinenser als Hauptstadt für ihren Staat beanspruchen.

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