Aktualisiert 27.01.2011 15:42

Älteste PrimarschülerinDer Kampf um Norma geht weiter

Der Kanton Aargau will nicht, dass die 35-jährige Peruanerin weiter die Primarschule besucht. Doch jetzt formiert sich politischer Widerstand.

von
Annette Hirschberg
Norma Ammann geht seit vier Monaten in Vordemwald AG in die 3. Primarklasse.

Norma Ammann geht seit vier Monaten in Vordemwald AG in die 3. Primarklasse.

Tele M1

Sie ist die älteste und wohl berühmteste Primarschülerin der Schweiz: Die 35-jährige Norma Ammann, die zuvor noch nie zur Schule gegangen ist. An ihrem Wohnort im aargauischen Vordemwald steht man hinter der Peruanerin, wie eine Umfrage von «Schweiz Aktuell» zeigt. Die Unterstützung ist so gross, weil vor Beginn des Experiments alle relevanten Stellen und Personen darüber informiert und damit einverstanden waren. «Nebst dem Schulleiter und der Lehrerin auch der Gemeinderat, die Schulpflege und die Eltern der Mitschüler», erzählt Normas Ehemann Hans-Ulrich Ammann gegenüber 20 Minuten Online.

Ammann versteht nicht, warum der Kanton trotz der grossen Unterstützung den Schulbesuch seiner Frau verbieten will. Doch das Departement Bildung Kultur und Sport (BKS) bleibt hart: «Das Schulgesetz besagt klar, dass die Volksschule für Kinder und Jugendliche ist, und dies gilt es einzuhalten», sagte Schulsprecherin Irène Richner. Immerhin soll sich bald eine Delegation des BKS mit der Schulleitung und Schulpflege von Vordemwald treffen, um im Gespräch eine Lösung zu finden.

Susi Gut lanciert Petition

Doch nun wird auch auf politischem Weg für Norma gekämpft. Die ehemalige Zürcher Gemeinderätin Susi Gut, die seit April 2010 im aargauischen Jonen wohnt, will eine Petition für Norma Ammann lancieren. «Mir geht es hier um eine Frau, die ihre Schulbildung nachholen will und das will ich ermöglichen», sagt Susi Gut. Sie kann der 35-jährigen Norma auch gut nachfühlen. «Ich habe als Kind nur sechs Jahre Primarschule gemacht und die Sek mit dreissig nachgeholt. Ich weiss, was das bedeutet und was sich da plötzlich auftut, wenn man lernen darf.» Darum gelte es, Normas Wunsch endlich in die Schule gehen zu dürfen, unbedingt zu unterstützen.

Gut will auf die Strasse gehen und Unterschriften sammeln. Jeder, der Norma unterstützen wolle, sei als Hilfe willkommen. «Mit der Petition will ich das Bildungsdepartement bitten, eine Ausnahme für Norma zu machen», so Gut.

Kritik vom Aargauer Lehrerverband

Doch nicht nur Susi Gut will intervenieren. Auch der Aargauer Lehrerverband hat wenig Verständnis für das rigide Vorgehen des BKS. «Der Lehrerverband unterstützt die Meinung von Vordemwald, Bildung zu ermöglichen, wenn Bildung gewünscht wird», sagte die stellvertretende Geschäftsführerin Kathrin Nadler gegenüber «Schweiz Aktuell». Sie versteht nicht, wieso der Kanton eingreift, obwohl es keine Schwierigkeiten und Reklamationen gab. In ihrer Funktion als Grossrätin des Kantons Aargau will sie einen politischen Vorstoss einreichen, sollte Norma tatsächlich aus der Schule geworfen werden.

Beim BKS will man die neusten Entwicklungen im Fall Norma nicht kommentieren. «Departementsleiter Alex Hürzeler äussert sich nicht dazu», heisst es auf Anfrage. Das BKS werde wieder informieren, sobald ein Entscheid gefällt sei.

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