04.08.2020 04:50

Hohe FallzahlenDer Kanton Genf ist Corona-Risikogebiet

Die Fallzahlen in Genf steigen derzeit stark an. Nach den Kriterien des BAG für andere Länder müsste Genf als Risikogebiet gelten. Der Kanton erwägt weitere Massnahmen.

von
Daniel Graf
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Stand-up-Paddler vor dem Jet d’Eau, die Stadt Genf im Hintergrund. Im Kanton Genf steigen die Infektionszahlen derzeit stark an.

Stand-up-Paddler vor dem Jet d’Eau, die Stadt Genf im Hintergrund. Im Kanton Genf steigen die Infektionszahlen derzeit stark an.

KEYSTONE
Der Kanton hat darauf reagiert. Seit wenigen Tagen darf in Restaurants und Bars wieder nur noch sitzend konsumiert werden.

Der Kanton hat darauf reagiert. Seit wenigen Tagen darf in Restaurants und Bars wieder nur noch sitzend konsumiert werden.

KEYSTONE
Das Personal ist verpflichtet, eine Maske zu tragen.

Das Personal ist verpflichtet, eine Maske zu tragen.

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Darum gehts

  • In Genf steigen die Infektionszahlen seit einigen Tagen stark an.
  • In den letzten 14 Tagen wurden 103 Infektionen pro 100’000 Einwohner registriert.
  • Das BAG führt Länder mit mehr als 60 Infektionen pro 100’000 Einwohner in 14 Tagen auf der Liste der Risikogebiet mit Quarantänepflicht.
  • Belgien hat Reisen in den Kanton Genf verboten.
  • Laut Experten und der Kantonsärztin ist der Anstieg in Genf auch auf eine massive Steigerung der Anzahl Tests zurückzuführen.

Die Infektionszahlen im Kanton Genf steigen derzeit stark an. In den letzten 14 Tagen verzeichnete der Kanton 103 Neuinfektionen pro 100’000 Einwohner. Diese sogenannte Inzidenz zieht das BAG auch für die Definition der Länder auf der Quarantäne-Liste herbei: Liegt der Wert in einem Land über 60, gilt das Land als Risikogebiet, und Rückkehrer müssen sich für zehn Tage in Quarantäne begeben.

Nicola Low, Epidemiologin an der Universität Bern, erklärt: «Die Inzidenz-Zahlen beziehen sich jeweils auf ein ganzes Land. Im Durchschnitt sind sie in der Schweiz tiefer als in den Ländern, welche auf der Quarantäne-Liste stehen.» Betrachte man aber nur die Zahlen im Kanton Genf, so werde klar: «Genf ist derzeit ein Hotspot. Wäre Genf ein Land, müsste das BAG es auf die Quarantäne-Liste nehmen.» Der starke Anstieg der Fallzahlen in Genf in den letzten Tagen sei beunruhigend.

Flughafen und Nähe zu Frankreich sind Gründe

Die Gründe für den Anstieg sieht Low vor allem in der Lage und in der Urbanität des Kantons Genf: «Der Kanton liegt an der Grenze zu Frankreich, ist insbesondere in der Stadt Genf dicht besiedelt und verfügt über einen Flughafen.» All diese Faktoren würden die Ausbreitung des Virus begünstigen.

Belgien hat Reisen in die Genferseeregion, also die Kantone Waadt, Wallis und Genf, als Reaktion auf die hohen Zahlen bereits verboten. Auf der Website des Föderalen Öffentlichen Dienstes Auswärtige Angelegenheiten Belgiens heisst es, Reisen in diese Region seien «derzeit nicht möglich oder nicht erlaubt».

Contact-Tracing wird ausgebaut

Der Kanton Genf hat vor einigen Tagen mit einer Verschärfung der Massnahmen auf die hohen Zahlen reagiert (siehe Box). Angesichts der weiterhin steigenden Zahlen erwägen die Behörden laut Kantonsärztin Aglaé Tardin jetzt weitere Massnahmen: «Sie zielen darauf ab, die Anzahl ungeschützter oder schlecht geschützter Kontakte zu vermindern.» Auch das Contact-Tracing werde weiter ausgebaut: «Im Moment funktioniert es sehr gut und ist effizient, doch das Team ist extrem ausgelastet», sagt Tardin.

Auch für Antoine Flahault, Leiter des Instituts für Global Health an der Universität Genf, sind die Zahlen aus Genf beunruhigend. Diese müssten aber auch im Zusammenhang mit der gesteigerten Testaktivität gesehen werden: «Wenn die Anzahl Tests verdreifacht wird, was seit Ende Mai der Fall war, werden natürlich auch mehr Fälle und im Idealfall Ansteckungs-Hotspots entdeckt.»

«Noch sind die Kantone verantwortlich»

Werden solche Cluster gefunden, wird über das Contact-Tracing versucht, die Kontaktpersonen ausfindig zu machen. «Das kann dazu führen, dass die Fallzahlen während Tagen oder Wochen hoch bleiben, weil nach jedem positiven Test weitere angesteckte Personen gefunden werden», sagt Flahault. Das sei in Genf höchstwahrscheinlich passiert.

Dass jetzt viel breiter getestet wird als im März oder April, sagt auch Philippe Eggimann, Präsident der Westschweizer Ärztegesellschaft. Von einem Ausflug nach Genf würde er nicht abraten, wenn man vorsichtig sei: «Das Risiko ist vertretbar, wenn man Abstand hält und dort, wo es viele Menschen hat, eine Maske trägt. Zudem sollte man die Swiss-Covid-App installieren.» Dann müsse man auch nach dem Genf-Besuch nicht in Quarantäne.

«Die Situation in Genf muss in den kommenden Tagen und Wochen genau beobachtet werden», sagt derweil Flahault. Sollte sich zeigen, dass die Zahlen weiter steigen und dass auch die Schwere der Fälle und die Sterblichkeitsrate wieder zunehmen, sei es auch möglich, dass der Bund wieder Massnahmen verhängen müsse. «Das wäre aber verfrüht. Derzeit liegt die Verantwortlichkeit bei den Kantonen», sagt Flahault. Das BAG äusserte sich am Montag nicht zur Situation in Genf.

Schärfere Massnahmen

Clubs sind wieder zu

Seit vergangenem Freitag sind die 36 Genfer Nachtclubs wieder geschlossen. Das Öffnungsverbot gilt vorläufig bis zum 23. August. Die Behörden haben damit auf die steigenden Fallzahlen reagiert. Bars und Restaurants bleiben zwar offen, Gäste dürfen aber nur noch im Sitzen essen und trinken. Zudem wurde die Maskenpflicht ausgeweitet. Diese gilt seit Freitag auch für Restaurantbesucher, sogar auf Terrassen, solange sie sich bewegen. Nur beim Sitzen darf die Maske entfernt werden. Auch am Flughafen und in allen Genfer Geschäften gilt die Pflicht, eine Maske zu tragen.

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398 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Pierre M.

05.08.2020, 18:52

Genf ist eine unabhaengige Republik und laest sich bestimmt nichts von Bern oder sonst jemand vorschreiben

Jeff

05.08.2020, 05:36

Laut Experten ist die hohe Zahl auf viele Tests zurück zu führen, huii ist ja krass da kommen wir nicht-Experten nicht drauf. Die Lösung ist ganz einfach. Aufhören zu testen und die Bevölkerung zu manipulieren!

Rosthaube

04.08.2020, 08:50

der genfer ist nicht wie der zürcher deshalb die ansteckungen