Opel Ascona 1700 - Der kleine Amerikaner aus der Schweiz
Nur auf den ersten Blick ein Kadett: der Opel Ascona 1700 von 1968 aus Schweizer Produktion.

Nur auf den ersten Blick ein Kadett: der Opel Ascona 1700 von 1968 aus Schweizer Produktion.

Bruno von Rotz / www.zwischengas.com
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Opel Ascona 1700Der kleine Amerikaner aus der Schweiz

Nein, wir haben uns nicht geirrt. Was hier wie ein Opel Kadett B aussieht, ist wirklich ein Opel Ascona. Auch wenn er nichts mit dem 1970 vorgestellten Opel Ascona A zu tun hat und es ihn nur in der Schweiz gab.

von
Paul Krüger

Um Einfuhrzölle zu umgehen, hatte General Motors im Mai 1935 in Biel eine Schweizer Zweigstelle gegründet und produzierte dort ab Februar 1936 Autos speziell für den Schweizer Markt. Da das Werk hauptsächlich von einheimischen Betrieben beliefert wurde, wichen die dort gebauten Fahrzeuge oft in Details von den amerikanischen, englischen und deutschen Modellen ab.

Bereits im Modelljahr 1957 erschien der erste «Opel Ascona»: eine vollausgestattete Luxus-Version des Olympia Rekord. Das Konzept kam gut an und wurde 1958 für den Nachfolger Rekord P übernommen. Auch vom 1960 vorgestellten Rekord P2 soll es noch eine Ascona-Variante gegeben haben. Danach verschwand der Name, den man gewählt hatte, weil der GM-Verkaufsdirektor eine Ferienwohnung am Lago Maggiore hatte, zunächst wieder.

Teppich statt Gummimatten

Am 30. August 1965 stellte Opel den neuen Kadett B vor; zunächst in vier, ab August 1967 in acht Karosserievarianten erhältlich. Zusätzlich hatten Kadett-Kunden die Wahl zwischen dem karg ausgestatteten Basismodell oder der L-Version, die solche Annehmlichkeiten bot wie Teppich statt Gummimatten im Innenraum oder verstellbare Sitzlehnen. Den vom Vorgänger übernommenen, auf 1,1 Liter Hubraum vergrößerten Vierzylinder gab es in zwei Leistungsstufen: als N mit 45 PS, der Normalbenzin vertrug, und als 55 PS starken S, der Superbenzin verlangte.

Nur 2560 Ascona 1700 entstanden Ende der Sechzigerjahre.

Nur 2560 Ascona 1700 entstanden Ende der Sechzigerjahre.

Bruno von Rotz / www.zwischengas.com
Eleganz der frühen Jahre: Ab Modelljahr 1970 waren die Instrumente schwarz umrandet.

Eleganz der frühen Jahre: Ab Modelljahr 1970 waren die Instrumente schwarz umrandet.

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Gummierte Stossstangenhörner und eine verchromte Auspuffblende waren Teil der Serienausstattung.

Gummierte Stossstangenhörner und eine verchromte Auspuffblende waren Teil der Serienausstattung.

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Ebenfalls ab August 1967 wurde der Kadett auch mit dem 75 PS starken 1,7-Liter-Motor aus dem Rekord angeboten – allerdings nicht in der Schweiz. Dort blieb es zunächst bei der 1,1-Liter-ohv-Maschine, die jedoch auf Bergstraßen ihre liebe Mühe mit dem verhältnismässig schweren Kadett hatte. So verpflanzten die Bieler Ingenieure das Hubraum- und Drehmomentstärkere Rekord-Herz auf eigene Faust in den Einstiegs-Opel und präsentierten das Ganze im März 1968 als Ascona 1700 auf dem Genfer Auto-Salon.

Das Naturell eines Muscle-Cars

Die Tradition seines Namens fortführend, war der Ascona 1700 serienmäßig bereits mit vielem ausgestattet, das beim regulären Kadett Aufpreis kostete – oder dort überhaupt nicht erhältlich war. Die seitliche Edelstahl-Zierleiste mit Gummi-Einlage und die Steppung der schwarzen Kunstledersitze sind Ascona-exklusiv, während Elemente wie die zusätzliche Schweller-Zierleiste, Stoßstangenhörner mit Gummiauflage, Teppichboden im Innenraum, der beleuchtete Zigarrenanzünder, Aschenbecher im Fond und verstellbare Sitzrückenlehnen vom Kadett L übernommen wurden. Allerdings weist der Ascona nicht alle Merkmale des L-Pakets auf. So fehlen ihm die verchromten seitlichen Fensterrahmen oder die Zierleisten an den Radläufen.

Wohl wegen des klassischen Muscle-Car-Rezepts vom großen Motor in einer kleinen Karosserie bezeichnete die Automobil-Revue den Ascona 1700 einst in ihrem Kurztest als «Mini-Amerikaner». Und tatsächlich ergibt sich aus 75 PS in Kombination mit 780 Kilo Kadett ein Leistungsgewicht, das im engeren Modellfamilienkreis nur vom Rallye-Kadett mit 1900er-Motor übertroffen wird. Der Ascona beschleunigt überraschend flink und temperamentvoll, zieht aus unteren Drehzahlen gut durch und ist sogar so etwas wie drehfreudig. Die starre Hinterachse beginnt selbst bei verhaltenen Ampelstarts oder vorsichtigem Einordnen in den Verkehr zu stempeln und lässt gerne ein Hinterrad durchdrehen. Der kräftige Antritt in allen Gängen ist trotzdem die Stärke des Ascona – mehr jedenfalls als hohe Dauergeschwindigkeiten auf der Autobahn. Auch darin entspricht er dem Naturell eines Muscle-Cars.

Weitere Informationen und viele Bilder gibt es auf www.zwischengas.com zu sehen.

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