Aktualisiert 31.07.2014 08:49

Louis de Funès

Der kleine Choleriker bleibt unvergessen

Cholerisch, tollpatschig, überdreht: Mit diesen schauspielerischen Merkmalen schaffte es Louis de Funès zum Superstar. Heute wäre der Komiker 100 Jahre alt geworden.

von
scy

Der Erfolg kam spät. Aber er kam. Als 50-Jähriger, im Sommer 1964, schaffte Louis de Funès den Durchbruch. Innerhalb von nur vier Monaten drehte er drei Filme: «Louis, das Schlitzohr», «Fantomas» und «Der Gendarm von St. Tropez». Allesamt Kinohits. Plötzlich war der nur 1,60 Meter grosse Schauspieler, der in einem Vorort von Paris aufgewachsen war, der beliebteste Komiker Europas.

Besonders in Deutschland mochte man den quirligen Kerl mit den tausend Grimassen. Sei es in der Rolle als tyrannischer Familienvater, rassistischer Fabrikchef oder als Gendarm, der Nudisten jagt. Wutanfälle als Erfolgsrezept.

Louis de Funès in «Balduin, der Heiratsmuffel» (Quelle: YouTube).

Dieses cholerische Auftreten unterschied Louis de Funès von all den anderen Komikern zu jener Zeit: Während die anderen das Publikum damit zum Lachen brachten, weil sie stets über ihre eigenen Schwächen stolperten und an sich selbst scheiterten, verkörperte de Funès ausnahmslos dominante Rollen.

«Muskatnuss! Muskatnuss, Herr Müller!»

Ein Beispiel dafür ist sein Auftritt als Restaurantbesitzer Septime in «Scharfe Kurven für Madame»: Auf Deutsch (auch in der französischen Originalversion!) erklärt er seinem Gast Dr. Müller ein Rezept. Plötzlich legt sich ein dunkler Schatten über de Funès Kopf und Oberlippe, der ihn wie Adolf Hitler aussehen lässt. Dazu spricht er den legendären Satz: «Muskatnuss! Muskatnuss, Herr Müller!»

Über de Funès' Privatleben ist nur wenig bekannt. In einem Interview erzählte Sohn Olivier einst, sein Vater habe panische Angst vor Einbrechern gehabt - und jeden Schrank und jede Tür im Haus mit Schlössern gesichert. Egal, ob sich etwas Wertvolles darin befand oder nicht. So sei über die Jahre ein Bund mit rund 30 Schlüsseln zusammengekommen.

Die Frau des Komikers brauchte daher nicht selten mehrere Minuten, bis sie einen Schrank öffnen konnte, weil sie zunächst den richtigen Schlüssel suchen musste.

Im Januar 1983 starb de Funès an einem Herzinfarkt. In Erinnerung an den 100. Todestag zeigen mehrere Fernsehsender ausgewählte Filme des Schauspielers. So strahlt SRF zwei am 2. August «Die grosse Sause aus», der MDR hat am Sonntag, 3. August «Louis, das Schlitzohr» im Programm.

Eine Auswahl der besten Szenen mit Louis de Funès gibt es hier zu sehen:

Louis de Funès - Unvergessen (Quelle: Youtube).

Louis de Funès parodiert unfreiwillig Adolf Hitler (Quelle: Youtube).

Englisch lernen mit Louis de Funès (Quelle: Youtube).

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