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Smart FortwoDer Kleine lässt es krachen

Nüchtern betrachtet ist der Smart Fortwo auch mit Brabus-Tuning keine Rennsemmel. Doch wer feiert ein 15-Jahre-Jubiläum schon nüchtern?

von
nve
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Seit 2002 gibt es Smart-Brabus-Modelle. Das aktuelle Einstiegsmodell kostet 24'300 Franken.

Seit 2002 gibt es Smart-Brabus-Modelle. Das aktuelle Einstiegsmodell kostet 24'300 Franken.

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Klein, aber oho: beim 2-sitzigen Brabus treffen 109 PS auf 995 Kilo Leergewicht.

Klein, aber oho: beim 2-sitzigen Brabus treffen 109 PS auf 995 Kilo Leergewicht.

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Das Blechkleid wirkt bullig, am Heck fallen die beiden Endrohrblenden in Chromoptik auf.

Das Blechkleid wirkt bullig, am Heck fallen die beiden Endrohrblenden in Chromoptik auf.

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Ganz schön grössenwahnsinnig, der Kleine. Hat mit seinen 15 Jahren noch nicht mal Volljährigkeit erlangt und lässt die Geburtstagsfete schon auf der Bilster Berg Rennstrecke steigen. Einer Partymeile also, wo sich sonst nur ausgewachsene Sportwagen tummeln. Darf der das? Seine Schöpfer – Smart-Chefin Annette Winkler und Bodo Buschmann, Boss der Tuningfirma Brabus – nicken lächelnd. Sie sind stolz auf das Miteinander von Grossindustrie und mittelständischem Unternehmertum. Sprechen von «Kreativität, Freude und Erfolg». Und wünschen den Partygästen viel Spass.

Nun denn, rein ins Getümmel, zum Beat eines pochenden Herzens. Es ist nicht die Leistungssteigerung von 90 auf 109 PS und 135 auf 170 Nm, die nervös macht – es ist die tückische Berg-und-Tal-Strecke in Kombination mit einem extrem kurzen Radstand und hohen Schwerpunkt. Doch wie sich herausstellt, tanzt der Knirps nicht schlecht; hat dank des Cocktails aus Heckantrieb, gestrafftem Fahrwerk, direkter ausgelegter Lenkung, angepasster ESP-Kennlinie und Sportreifen jedenfalls ein paar heisse Moves drauf. Zum Stimmbruch mag es trotz Sportauspuffanlage nicht reichen, doch aus der Pubertät ist der Winzling raus – nicht zuletzt, weil der aktuelle Smart auf einer breiten Spur steht und ein vernünftiges Doppelkupplungsgetriebe nutzt, das Brabus zusätzlich geschärft hat.

Der Basispreis lässt sich problemlos verdoppeln

Logisch ist die Rennstreckenhatz aber letztlich ein Party-Gag. Wie der normale Smart bleibt der Brabus-Zwerg in all seinen Versionen als Fortwo, Cabrio und Forfour ein braves Stadtkind und verzichtet mit nur 0,4 Litern Mehrverbrauch gar auf Saufgelage. Katerstimmung droht einzig bei den Preisen: Die 24'300 Franken für den 2-Sitzer lassen sich mit Sportpaket, Xclusive-Ausstattung oder gar «Brabus Tailor Made»-Extrawünschen locker verdoppeln, und damit der Kaufrausch nicht abflaut, werden laufend Sondermodelle aufgelegt. So etwa die silberfarbene «15th anniversary edition», die sich an Fans auf Speed richtet. Gebaut werden nämlich nur 150 Stück.

Smart Brabus Fortwo

Karosserie: 2,74 Meter langer, 2-sitziger Kleinstwagen.

Antrieb: 0,9-Liter-3-Zylinder-Turbo mit 109 PS (80 kW) und 170 Nm.


Getriebe: 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (serienmässig).


Fahrleistungen: 0-100 km/h in 9,5 Sekunden; 165 km/h Spitze.


Verbrauch: 4,5 L/100 km (Werksangabe).


CO2-Ausstoss: 102 g CO2/km (Werksangabe).


Preis: Ab Fr. 24'300 (Basis-Smart ab Fr. 14'400).


Infos: www.smart.ch

IN KÜRZE

Der Hersteller sagt:

«Mehr Dynamik für die Stadt.»

Wir sagen:

Richtig. Auch mit dem Brabus-Tuning wird der Smart nicht zur Rennsemmel. Er geht in seinem urbanen Habitat bloss etwas entschlossener zur Sache und versprüht einen Hauch mehr Sportlichkeit.

Das gefällt:

Dass sich die «Brabus Tailor Made»-Abteilung nicht auf einige wenige Individualisierungsoptionen beschränkt. Erhältlich ist, was immer der Kunde wünscht – wenn's sein muss, ein handvernähtes Lederinterieur in der exakten Farbe der Handtasche. Wer Luxus will, braucht daher keine stattliche Oberklasselimousine zu fahren, er kann auch auf bescheidenen 2,74 Metern in Saus und Braus unterwegs sein.

Das eher weniger:

Dass der ohnehin schon nicht günstige Smart Brabus damit verrückt teuer wird.

Spannendes Detail:

2017 feiert das aus Bostrop stammende Tuningunternehmen Brabus nicht nur 15 Jahre Smart-Kooperation sondern auch sein 40-jähriges Bestehen. Kerngeschäft ist seit 1977 die Veredelung stattlicherer Mercedes-Benz Modelle.

Wer fährt so was?

Nico Rosberg und Lewis Hamilton, aber auch Nicht-Formel-1-Profis, die ein spritziges Stadtauto wünschen.

Alternativen dazu:

Während der Forfour auf Konkurrenten wie der Renault Twingo, Fiat 500, VW Up, Toyota Aygo, Hyundai i10 und unzählige mehr trifft, ist der 2-sitzige Fortwo einzigartig – erst recht, wenn er durch das Brabus-Tuning gepimpt und für teures Geld zusätzlich individualisiert wird.

Am Steuer:

Nina Vetterli-Treml, Mitarbeiterin der Textlab GmbH und Testexpertin in der SRF2-Autosendung «Tacho».

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