25.03.2016 09:36

Alfa GT 1600 JuniorDer Kleine mit dem grossen Herzen

Er trug eine Verkleinerung im Namen, dennoch hatte der Alfa GT 1600 Junior alles, was es für grossen Fahrspass brauchte – zum günstigen Preis.

von
B.v.Rotz

Als die Alfa-Romeo-Leute 1965 dem Coupé Giulia Sprint GT eine kleinere Variante mit 1,3-Liter-Motor nachschoben, gaben sie ihr den Zusatz «Junior». Optisch kaum weniger attraktiv und immer noch ziemlich sportlich ermöglichte der Junior einen etwas günstigeren Einstieg in die Alfa-Romeo-Coupé-Welt.

Bereits zwei Jahre früher, im September 1963, hatten die Autobauer von Mailand auf der Internationalen Automobil Ausstellung in Frankfurt die Giulia Sprint GT präsentiert, einen klassisch konzipierten Sportwagen mit Doppelnockenwellen-Vierzylindermotor auf der Vorderachse und Antrieb über die Hinterräder. Die gefällige Karosserielinie hatte das mit 4,08 Metern Länge und 1,58 Metern Breite kompakte Coupé vom jungen Giorgetto Giugiaro erhalten, der zu jenen Zeiten bei Bertone seine Lehrzeit absolvierte.

Während die schnellen Vertreter der Sprint-Linie mit oder ohne «Veloce»-Zusatz in der Bezeichnung immer schneller und hubraumstärker, aber auch teurer wurden, sollte die «Junior»-Linie Einsteiger und weniger leistungshungrige Kunden befriedigen.

Stetige Evolution

Als 1968 der 1750 GTV mit neuer geglätteter Front eingeführt wurde, behielt der GT 1300 Junior die alte Kantenhauben-Optik mit den grossen Scheinwerfern. Erst 1970 musste wohl aus Kostengründen diese klassische Buggestaltung geopfert werden. Fortan fuhr der 1,3-Liter mit zwei kleinen Scheinwerfern und dem Grill des Veloce-Modells durch die Gegend.

1972 gesellte sich das stärkere 1,6-Liter-Modell zum 1,3-Liter. Alfa Romeo GT 1600 Junior war geboren. Optisch waren die beiden kaum auseinanderzuhalten.

Ein weiterer Schritt folgte 1974, als die äussere Optik der Junior-Modelle an das Topmodell 2000 GTV angeglichen wurde, was wiederum eine andere Frontgestaltung bedeutete.

Die goldene Mitte bis heute

Von seiner Attraktivität hat das erfreulich kompakte Sportcoupé bis heute nichts verloren, das Vieraugengesicht lässt den Junior reif und schnell erscheinen und das damals modellgepflegte Interieur entbehrt nicht der klassischen italienischen Granturismo-Eleganz.

Der Einstieg gelingt leicht und ohne gröbere Kletterei. Der Motor erwacht beim ersten Schlüsseldreh – das Zündschloss sitzt rechts an der Lenksäule und nicht wie bei früheren Versionen links – zum Leben und der Griff zum eingebauten Stereoradio erübrigt sich augenblicklich. Dass vier Zylinder so herrlich tönen können!

Los gehts!

Doch genug der stehenden Symphonie. Die rechte Hand fällt automatisch auf den Schalthebel, der fast ohne Gestänge direkt die Zahnräder verschiebt. Und los gehts. Und es macht Freude. Man sitzt sportlich und hat trotzdem die komplette Übersicht. Jetzt schön langsam das Öl, immerhin 6,7 Liter, aufwärmen, damit dem Aluminiummotor nichts passiert. Und erst dann dürfen die 6000 Umdrehungen, bei denen die Höchstleistung von 109 PS anfällt, ausgekostet werden.

Die Lenkung ist angenehm direkt und (in Fahrt) leichtgängig, das Fahrverhalten des 1020 kg schweren Coupés flösst Vertrauen ein, die Bremsen verzögern erwartungsgemäss. Das ganze Paket fühlt sich gut an und man spürt, dass der Alfa Romeo 1600 GT Junior im Jahr 1974 bereits eine hohe Reife erlangt hatte.

Im Vergleich zu seinem Zweiliter-Bruder GTV kostet ein 1,6-Liter-Junior übrigens heute rund 15 Prozent weniger, dabei ist gerade diese Variante mit bis 1977 nur 13'120 gebauten Exemplaren relativ selten. Genuss ohne Reue!

Weitere Informationen und viele Bilder zum Junior finden sich auf www.zwischengas.com.

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