US-WAHLEN: Der Königsmacher gibt Obama seinen Segen
Aktualisiert

US-WAHLENDer Königsmacher gibt Obama seinen Segen

Der Medienmogul Rupert Murdoch mag konservative Politik. Noch mehr aber schätzt er Gewinner. Er unterstützte in Grossbritannien erst Margaret Thatcher und dann Tony Blair – und er glaubt, dass Barack Obama der nächste Präsident der USA sein wird.

von
Peter Blunschi

Vor zwei Jahren outete sich Rupert Murdoch als Sympathisant von Hillary Clinton, er organisierte in New York gar eine Spendengala für die Senatorin. Inzwischen hat der Wind gedreht, und Murdoch sich mit ihm. An der «All Things Digital»-Konferenz des «Wall Street Journal» - Murdoch hat das renommierte Blatt erst kürzlich seinem Medienimperium einverleibt – äusserte sich der 77-Jährige in warmen Worten über Barack Obama: «Er ist ein Rockstar. Mir gefällt, was er über Erziehung sagt. Ich denke, er wird gewinnen, und ich möchte ihn unbedingt treffen.»

Auf den ersten Blick erstaunen diese Äusserungen. Rupert Murdoch gilt als erzkonservativer Verfechter einer schrankenlosen Marktwirtschaft, der die Medienmacht seiner News Corporation rücksichtslos einzusetzen pflegt. In den USA installierte er den «Fox News Channel» als rechtslastige Alternative zu CNN. Während des Irak-Kriegs gebärdete sich der Sender als hurrapatriotisches Sprachrohr der Bush-Regierung und wurde damit zum Hassobjekt linker und liberaler Kreise. Davon zeugen nicht zuletzt die zahlreichen Anti-Fox- und Anti-Murdoch-Websites im Internet.

Flexibel und opportunistisch

Doch dies ist nur eine Seite des Medien-Magnaten. An erster Stelle steht bei ihm der Erhalt seiner wirtschaftlichen Macht, weshalb er sich politisch immer wieder flexibel zeigte. «Der Tycoon hat stets Wert auf Nähe zur herrschenden politischen Klasse gelegt. Er ist flexibel, zuweilen auch opportunistisch genug, um selbst mit Mitte-links-Regierungen einen Modus vivendi zu finden, solange sie keinen 'Sozialismus' praktizieren», schrieb «Die Zeit».

Dies zeigte sich vor allem in Grossbritannien. In den 70er Jahren unterstützte der gebürtige Australier tatkräftig den Aufstieg der konservativen «Lichtgestalt» Margaret Thatcher. 1992 vermasselte er der Labour-Partei und ihrem Vorsitzenden Neil Kinnock den sicher geglaubten Wahlsieg: Am Tag der Wahl druckte das Massenblatt «The Sun» auf der Titelseite die Schlagzeile: «Falls Neil Kinnock siegen sollte: Möge die letzte Person, die Grossbritannien verlässt, bitte das Licht ausmachen.» Sie soll entscheidend dazu beigetragen haben, dass die Konservativen überraschend gewannen.

Blair auf Schmusekurs

Der neue Labour-Chef Tony Blair zog die Lehren daraus. Kurz nach seiner Wahl zum Parteivorsitzenden 1994 traf er sich mit Rupert Murdoch zum Frühstück und überzeugte ihn davon, dass New Labour kein sozialistisches Schreckgespenst mehr war. Blair triumphierte 1997 nicht zuletzt dank den Murdoch-Medien. Im Gegenzug verzichtete er darauf, deren Macht in irgendeiner Form anzutasten.

Blair wurde für seinen Schmusekurs mit der Reizfigur Murdoch oft kritisiert. So liess er auch seine Pläne für einen Beitritt Grossbritanniens zum Euro fallen, weil der Australier ihn vehement ablehnte. Doch offensichtlich lässt sich auf der Insel keine Wahl gegen Murdoch gewinnen. Es erstaunt deshalb nicht, dass die im Aufwand befindlichen Tories und ihr neuer Chef David Cameron heftig um die Gunst des Tycoons buhlen. Einen Teilerfolg haben sie bereits erzielt. Bei der Londoner Bürgermeisterwahl empfahlen die Zeitungen «Sun» und «Times» den konservativen Boris Johnson zur Wahl.

McCain hat «viele Probleme»

Auf der anderen Seite des Atlantiks scheint Rupert Murdoch realisiert zu haben, dass die Amerikaner die Nase voll haben von den Republikanern. Über deren Kandidaten John McCain sagte er gemäss «Hufffington Post» an besagter Konferenz, er sei ein Freund. «Aber ich denke, er hat viele Probleme. Er war lange im Kongress, und dort muss man viele Kompromisse eingehen. Wofür steht er eigentlich?» Zwar sei er noch nicht bereit, Barack Obama offiziell zu unterstützen oder ihn gar zu wählen, aber er sei nahe dran, sagte der eingebürgerte Amerikaner. Es sind gute News für den Demokraten.

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