Crestasee: «Der Kot schwimmt sogar auf der Wasseroberfläche»
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Crestasee«Der Kot schwimmt sogar auf der Wasseroberfläche»

Jürg Strickler (76) nervt sich, dass rund um den Crestasee in Trin GR sowie im Wasser Exkremente aufzufinden sind. Das WC am See ist abgeschlossen, obwohl es noch Besucher hat. Die Gemeinde Trin entschuldigt sich.

von
Adriel Monostori

Seit die WC-Anlagen am Crestasee GR geschlossen sind, schwimmt Kot im Wasser.

bycosaphotography

Darum gehts

  • Jürg Strickler (76) nervt sich, dass es am Crestasee nach Kot stinkt.

  • Sogar im Wasser habe es Exkremente.

  • Das WC beim Kiosk kann im Winter nicht in Betrieb genommen werden.

  • Die Gemeinde Trin entschuldigt sich, zu wenig schnell reagiert zu haben.

Die «grösste WC-Schüssel im Kanton Graubünden» könnte der Crestasee bald werden, meint Jürg Strickler (76). Denn rund um den See soll es gewaltig stinken. In einem Leserbrief, den das «Bündner Tagblatt» am Mittwoch veröffentlichte, beschreibt Strickler die Situation unter anderem in einem Gedicht. Weiter schreibt er: «Liebes WC-Häuschen am Crestasee! Es ist dringend nötig, dass du deine Türen öffnest.»

Seit die Badesaison am See vorbei ist, sei auch das WC abgeschlossen. Also gebe es keinen Ort mehr, sein Geschäft zu verrichten. Und so täten es viele im und um den See. «Auch wenn die Badesaison vorbei ist, gibt es immer noch viele Spaziergänger am Crestasee», sagt Strickler. Und der 76-Jährige sei nicht der Einzige, der noch bis vor Kurzem im See schwimmen ging. «Ich finde es einfach eklig, wenn ich beim Schwimmen einen braunen Haufen auf der Wasseroberfläche sehe», sagt er. Und das sei der Fall gewesen. Auch rund um den See habe er dies beobachtet. «Beim Spazieren stinkt es nach Kot. Einige Häufchen im Wald werden einfach mit WC-Papier zugedeckt», sagt Strickler. Der Geruch sei schlicht entsetzlich.

Für Strickler habe die Badesaison für dieses Jahr geendet. «Seit Mitte November gehe ich am Crestasee nicht mehr baden. Wenn es sonnig ist, gehe ich noch bei 3 Grad baden. Manchmal nehme ich sogar ein Thermometer mit. Erkältet habe ich mich noch nie», sagt der in Domat/Ems wohnhafte Mann. Die Exkremente seien inzwischen vom Schnee überdeckt worden.

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Der Crestasee samt Umgebung könnte gemäss Jürg Strickler (76) bald «die grösste WC-Schüssel Graubündens» sein.

Der Crestasee samt Umgebung könnte gemäss Jürg Strickler (76) bald «die grösste WC-Schüssel Graubündens» sein.

Foto: imago/imagebroker
Dies schreibt er in einem Leserbrief.

Dies schreibt er in einem Leserbrief.

Foto: «Bündner Tagblatt»
Seit Ende September ist das WC beim Kiosk am Crestasee geschlossen.

Seit Ende September ist das WC beim Kiosk am Crestasee geschlossen.

Foto: imago/Westend61

«Wir haben zu wenig schnell reagiert»

«Im Winter ist das Wasser in den Leitungen gefroren», sagt Stefan Caprez vom Unterhalt Badebetrieb Crestasee. Das sei auch der Grund, warum die WCs geschlossen sind. Sie zu betreiben im Winter, sei gar nicht möglich. «Normalerweise ist zu dieser Jahreszeit ohnehin niemand mehr am Crestasee», so Caprez. Über den Inhalt des Leserbriefs ist er überrascht. Ihm selbst sei nie etwas aufgefallen.

Bei der Gemeinde hingegen weiss man um das Problem. Es sei auch eine Beschwerde eingegangen. «Dass das Wasser im Winter einfriert, ist nur ein Teil der Begründung für die geschlossenen WCs», sagt Maurus Caflisch, Gemeindepräsident von Trin. Den Kiosk sowie auch das WC nach Badesaison zu betreiben, lohne sich nicht, da in vorherigen Jahren nur wenige Personen Ende September den Crestasee besucht haben. «Dieses Jahr gab es wegen Corona einen grossen Ansturm auf unsere Freizeitanlagen», sagt der Gemeindepräsident. Auf die grossen Menschenmengen sei man nicht vorbereitet gewesen. «Wir haben zu wenig schnell reagiert», räumt er ein. Man habe die Sache bereits besprochen und prüfe Massnahmen fürs nächste Jahr.

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