Ungeahnte Gefahr: Der Krebs lauert im Rasenmäher
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Ungeahnte GefahrDer Krebs lauert im Rasenmäher

Weil Gartenmaschinen keinen Katalysator haben, atmen Benutzer hohe Konzentrationen schädlicher Gase ein. Besonders Benzol kann die Atemwege und das Nervensystem schädigen. Ist jemand dem Stoff regelmässig ausgesetzt, droht Blutkrebs.

Generell ist die Benzol-Belastung in der Schweizer Luft tief. Im Gegensatz dazu ist aber die im Abgas kleinerer Maschinen und an Tankstellen gemessene Konzentration hoch.

Ein mit Normalbenzin betriebener Rasenmäher bringt es auf einen Benzolausstoss wie 26 Personenwagen, eine Motorsäge stösst soviel Bezol aus wie 100 Autos. Werden die Geräte mit Gerätebenzin betrieben, sinkt der Schadstoffausstoss um 95 Prozent. Auch punkto Feinpartikel ist Gerätebenzin viel sauberer.

Kampfansage

Bund, Kantone, die Lungenliga und die Schweizerische Metall- Union sagten dem Normalbenzin in den Motoren der Gartengeräte 2006 den Kampf an. Sie rieten Hobbygärtnern zum Umstieg auf das viel sauberere Gerätebenzin (Alkylatbenzin).

Darauf stieg der Gerätebenzinverbrauch von 3 Millionen auf rund 4,5 Millionen Liter an. Würden alle Gärtner und Bauern auf Gerätebenzin umsteigen, würde der Verbrauch auf 12 Millionen Liter steigen, schätzt Andreas Furgler von der Metall- Union.

Hoher Preis als Hindernis

Verschiedene Hindernisse stehen dem allerdings entgegen. Ein Liter Gerätebenzin kostet mit vier Franken bedeutend mehr als Normalbenzin. Da ein Hobby-Gärtner im Jahr nur einige wenige Liter verbraucht, schätzt Kampagnenleiterin Iris Wirz die Mehrkosten indessen auf vernachlässigbare 20 Franken.

In Betrieben kann der Umstieg auf den gesünderen Treibstoff mit einigen hundert Franken Mehrkosten zu Buche schlagen. Dafür sinken aber die Unterhaltskosten für die Maschinen.

Ein weiteres Hindernis ist die Tatsache, dass Alkylatbenzin nicht an Tankstellen und Gartenfachgeschäften erhältlich ist. Zu kaufen ist es nur bei spezialisierten Fachhändlern.

Normalbenzin-Verbot wenig wahrscheinlich

Der Bundesrat muss bald zu einem 2005 im Ständerat eingereichten Postulat Stellung nehmen. Dieses verlangt von ihm, ein Obligatorium für Gerätebenzin in kleinen Maschinen zu prüfen. Das scheint wenig wahrscheinlich. Ein Verbot von Normalbenzin in Kleinmotoren wäre kaum zu kontrollieren.

Statt Verbot und Kontrollen fordert Furgler Phantasie. So könnte der Bund weniger Steuern auf Gerätebenzin erheben und den Absatz ankurbeln. Im Tessin etwa zahlen die Gemeinden 50 Prozent ans Gerätebenzin.

(sda)

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