Der Krieg der Manager
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Der Krieg der Manager

Sieben Wochen lang dauert nun bereits Deutschlands spektakulärster Wirtschafts-Prozess. Der Ausgang ist noch offen.

Wichtige Zeugen wie der frühere Vodafone-Chef Christ Gent sind nicht einmal gehört worden. Doch eines lässt sich schon jetzt feststellen: Der Prozess hat seltene Einblicke in das Selbstverständnis der deutschen Wirtschaftselite gewährt.

Vom ersten Tag an verblüffte das geradezu grenzenlose Selbstwertgefühl der angeklagten Manager. Egal, ob Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann herumkrittelte: «Dies ist das einzige Land, wo die, die erfolgreich Werte schaffen, deswegen vor Gericht stehen», oder ob der frühere Mannesmann-Chef Klaus Esser fand, seine Anerkennungsprämie in Höhe von 15,9 Millionen Euro hätte ruhig auch noch deutlich höher ausfallen können: Keiner der Manager zeigte bisher irgendwelche Zweifel an der Berechtigung der Millionenprämie. Der Initiator der Prämie, der chinesische Manager Canning Fok, pflichtete als Zeuge bei: «Ich dachte, das ist das Mindeste, was ich tun kann, um meine Anerkennung für so einen ehrenwerten Manager zu zeigen.»

Doch vielleicht ist so viel Selbstvertrauen auch nötig. Denn in den Topetagen des Managements ging es zuweilen offenbar zu wie im Krieg. Ex-Mannesmann-Aufsichtsratschef Joachim Funk etwa beschrieb seine Eindrücke mit den Worten: «Eine feindliche Übernahme ist kein Spaziergang durch einen schönen Park. Die Situation gleicht mehr einem Schlachtfeld.» Und Canning Fok malte ein ähnliches Bild der Stimmung nach der Niederlage: «Es war wie der Zweite Weltkrieg, als die britische Armee Deutschland eroberte.»

Die Loyalität galt den Aktionären

Wochen, ja Monate lang wurde Tag und Nacht gearbeitet. Und doch konnte der Seitenwechsel eines wichtigen Verbündeten alles auf einmal zunichte machen. Monatelang hatte Esser mit dem französischen Vivendi-Chef Jean-Marie Messier über eine Fusion der beiden Unternehmen verhandelt, um Mannesmann vor dem Zugriff von Vodafone zu retten. Das Verhältnis der Manager sei «freundschaftlich kämpferisch» gewesen, berichtete ein Esser-Berater. Doch plötzlich war Messier für den Mannesmann-Chef nicht mehr zu sprechen. Anrufe wurden nicht mehr beantwortet. Kurz darauf erfuhr der erfolgsverwöhnte Düsseldorfer Konzernchef, dass sich sein Verbündeter hinter seinem Rücken mit dem Erzfeind Vodafone verbündet hatte. Die wohl entscheidende Niederlage Essers im Kampf um Mannesmann.

Doch galt die Loyalität der Topmanager eben in erster Linie den Aktionären ihres Unternehmen - nicht den Beschäftigten oder dem Unternehmen selbst, auch wenn es mehr als 100 Jahre alt war. Deshalb bewertet Esser auch heute noch - trotz der völligen Zerschlagung des Mannesmann-Konzerns - die Übernahmeschlacht als Erfolgsstory. Die Aktionäre hätten Milliarden verdient. «Für das Ansehen von Deutschland und für das Ansehen der deutschen Unternehmen am internationalen Kapitalmarkt war der Sieg von Vodafone ein grosser Erfolg», sagte er im Prozess.

Hier wurde im Verfahren immer wieder der Riss deutlich, zwischen «denen da oben» und den normalen Mitarbeitern. Ein früherer Mannesmann-Mitarbeiter Götz Müller berichtete vor Gericht, die Topmanager hätten die Niederlage sehr professionell getragen. Ihm sei das nicht gelungen. «Ich sass dabei und sah meine berufliche Familie kaputtgehen.» Ein anderer sagte über den «Tag der Kapitulation»: «Noch vor zwei Jahren war ich mehr oder minder sauer auf alle, die es nicht verhindert haben.» Und fügte dann resigniert hinzu: «Heute halte ich das für normal.» (dapd)

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