«Der Krieg gegen Israel hat erst begonnen»
Aktualisiert

«Der Krieg gegen Israel hat erst begonnen»

Kein Wunder, dass der Iran mit Hasstiraden die Stimmung gegen Israel weiter anheizt: Das Land ist der einzige Profiteur eines Flächenbrandes in Nahost.

Die militärische Konfrontation zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz hat dem Iran eine Atempause im Streit um sein Atomprogramm verschafft. Zweifelsohne habe der Iran dem Vorgehen der Hisbollah zugestimmt, glauben westliche Experten.

Teheran verfolge geradezu mit Genugtuung, wie die Eskalation des Konflikts in Libanon die internationale Aufmerksamkeit von den eigenen atomaren Ambitionen ablenkt.

Amhadinejad giesst fröhlich Öl ins Feuer

Für den iranischen Parlamentspräsidenten Gholam-Hossein Hadad-Adel hat der Krieg gegen Israel gerade erst begonnen. Es handle sich um einen Krieg gegen Israel zur Befreiung des palästinensischen Volkes, sagte der ultrakonservative Politiker.

«Der Tag ist gekommen, an dem die Palästinenser in ihre Heimat zurückkehren. Und es ist auch der Tag, an dem die Israelis in die Länder zurückkehren müssen, aus denen sie gekommen sind», sagte der Politiker bei einer staatlich organisierten anti-israelischen Veranstaltung in Teheran vor mehreren tausend Zuhörern.

Zugleich stellte Staatspräsident Mahmud Ahmadinedschad erneut den Holocaust in Frage. Der Westen habe seit langem versucht, den Nahen Osten zu beherrschen und dabei den Holocaust als Vorwand benutzt.

Woher kommen die iranischen Waffen?

«Meiner Meinung nach würde die Hisbollah nichts unternehmen, ohne sich vorher mit dem Iran zu beraten», sagt die Chefin der Nahost-Abteilung des Royal Institute of International Affairs, Claire Spencer. Die Hisbollah sei jedoch so schlagkräftig, dass sie die direkte physische Unterstützung ihres traditionellen Verbündeten nicht mehr benötige.

Im gegenwärtigen Konflikt hat die iranische Führung betont, die Unterstützung sei moralischer und nicht militärischer Natur. Waffen seien nicht geliefert worden.

«Die islamischen Staaten müssen das Zionisten-Regime auf diplomatischem Wege isolieren», bekräftigte Vizepräsident Parwis Dawudi noch am Montag. Dem libanesischen und palästinensischen Volk müsse politisch, finanziell und wirtschaftlich geholfen werden.

Dennoch feuert die Hisbollah offenbar Waffen iranischer Bauart auf Israel ab. In israelischen Militärkreisen hiess es, am Samstag habe eine iranische radar-gesteuerte Land-See-Rakete vom Typ C802 ein israelisches Schiff schwer beschädigt.

Waffen aus Teheran?

Die Hisbollah selbst hat erklärt, mit «Raad 2»- und «Raad 3»- Raketen ein Eisenbahndepot in Haifa beschossen zu haben. Auch bei der «Raad» handelt es sich um eine Rakete iranischer Bauart.

In der 1980er Jahren unterstützte der Iran die Hisbollah massiv- nicht nur finanziell sondern auch materiell. Die iranischen Revolutionsgarden griffen immer wieder aktiv in den Konflikt mit Israel in Südlibanon ein. Ein Führer der Garden, Mostafa Chamran, begründete seinen Ruf durch den Aufbau des anti-israelischen Guerilla-Kampfes im Libanon.

Die Experten sind sich jedoch sicher, dass sich der Iran nicht direkt in den derzeitigen Konflikt hineinziehen lassen wird. «Sie werden nicht etwas ganz Krasses tun», sagt Mark Thomas vom Royal United Services Institute. «Der Iran versucht, von seinem Nuklearprogramm abzulenken.»

Kein zusätzlicher Schaden

Der islamischen Republik drohen internationale Sanktionen, weil es die Sorgen über ein heimliches Atomwaffenprogramm, nicht entkräften konnte. Die Unterstützung der Hisbollah werde dabei dem Land im Atomstreit nicht zusätzlich schaden, meint Thomas.

Das Verhältnis zur Hisbollah sei bereits vor dem jüngsten Konflikt Teil der Vorwürfe gegen den Iran gewesen. «Die Vorteile auf diese Karte zu setzen sind grösser als die Nachteile.» (sda)

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