Aktualisiert 29.03.2016 15:59

Egyptair-Entführer

«Der labile Mann» mit dem Handy-Gürtel

Seif Eldin Mustafa hat die 60 Passagiere einer Egyptair-Maschine in Angst versetzt. Was bisher über den Entführer bekannt ist.

von
woz

Ein Mann hat ein Passagierflugzeug in Zypern zur Landung gezwungen. An Bord der Egyptair-Maschine bangten 60 Insassen um ihr Leben. Erst nach Stunden gab der Entführer auf.

Wer ist der Entführer?

Beim Täter soll es sich um Seif Eldin Mustafa, einen 59-jährigen Ex-Armeeoffizier, handeln. Er habe bis 1994 auf Zypern gelebt und fünf Kinder mit seiner Ex-Frau, berichtete die zypriotische Zeitung «Phileleftheros» auf ihrer Homepage.

Zunächst wurde berichtet, dass der Vetrinärmediziner Ibrahim Samahaa das Flugzeug entführt habe. Diese Meldung der Nachrichtenagentur Reuters stellte sich jedoch als falsch heraus. Samahaa war einer der Passagiere. Die Behörden haben sich beim Uni-Professor entschuldigt.

Was wollte der Entführer?

Der Entführer machte widersprüchliche Angaben zu seinen Motiven. Der ägyptische Ministerpräsident Scherif Ismail sagte vor Journalisten, die wirklichen Motive seien noch unklar. Einmal habe der Mann verlangt, einen Vertreter der Europäischen Union zu sprechen, dann wiederum habe er gefordert, zu einem anderen Flughafen gebracht zu werden. Der Mann scheine «labil», so Ismail.

Das zypriotische Staatsfernsehen RIK berichtete, der Mann wolle Asyl in Europa erhalten. Dies stünde in einem Brief, den er aus dem Fenster der Maschine warf und den die Polizei übersetzen liess. Zudem fordere er, mit seiner aus Zypern stammenden Ex-Frau zu sprechen. Die Sicherheitsbehörden suchten die Frau, um sie zum Flughafen von Larnaca zu bringen. Der Mann scheint «verliebt zu sein», sagte ein Sprecher der zypriotischen Regierung, der anonym bleiben will, zum «Guardian».

Gemäss einem Beamten des ägyptischen Aussenministeriums habe die Tat nichts mit Terrorismus zu tun. «Er ist kein Terrorist, er ist ein Idiot. Terroristen sind verrückt, aber sie sind nicht dumm. Dieser Kerl ist es», sagte er zum «Independent».

Was hat es mit dem Sprengstoffgürtel auf sich?

Mustafa hat im Flugzeug mit der Zündung eines Sprengstoffgürtels gedroht. Tatsächlich kursierte auf Twitter ein Foto, das ihn mit einem Sprengsatz zeigt. Gemäss des zypriotischen Aussenministers Ioannis Kassoulides handelte es sich um eine Bombenattrappe. Er habe mehrere Handy-Hüllen miteinander verbunden, sie mitsamt Kabeln in eine Art Gürtel gesteckt und dies als Sprengstoffgürtel ausgegeben.

Wie verlief die Festnahme?

Nach mehreren Stunden Nervenkrieg hat Mustafa aufgegeben. Mit erhobenen Händen ging er über die Piste in Richtung zweier Anti-Terror-Polizisten. Die Beamten hätten den dann am Boden liegenden Mann durchsucht und abgeführt. Alle Geiseln kamen frei.

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