Der Lancia Trevi war der Prügelknabe der Presse
Der Lancia Trevi wurde als verwirrend und seltsam verspottet. 

Der Lancia Trevi wurde als verwirrend und seltsam verspottet.

Bruno von Rotz / www.zwischengas.com
Publiziert

Ungewöhnliches DesignDer Lancia Trevi war der Prügelknabe der Presse

Unübliche Proportionen und ein Armaturenbrett, das an einen Schweizer Käse erinnerte: Wegen seinem eigenwilligen Design wurde der Lancia Trevi von den Medien verspottet.

von
Bruno von Rotz

Anfang der 80er-Jahre liess die Presse kein gutes Haar am Lancia Trevi. Er sei laut, würde saufen und liesse gerne das Heck ausbrechen. Obendrein sah er seltsam aus, innen wie aussen. Das allerdings auf zwei sehr unterschiedliche Arten, die nicht so wirklich zueinander passen wollten – was ihn nur noch seltsamer machte. Und ihm ziemlich viel Spott einbrachte, den er rückblickend gar nicht verdient hatte.

Eigenwillige Proportionen

Im März 1980 folgte der Lancia Trevi als sechstes und letztes Mitglied der Beta-Modellfamilie, die 1972 als erstes Kind aus der Zweckehe von Fiat und Lancia hervorgegangen war. Im Grunde war der Neue einfach nur ein Schrägheck-Beta, der die hinteren Seitenfenster herausgeschnitten wurden. Bei gleicher Länge, gleichem Radstand und sogar gleichen Fondtüren ergab das vor allem in der Seitenansicht recht eigenwillige Proportionen. Mit der steilen Heckscheibe noch hinter der Hinterachse scheint sich der Trevi permanent zurückzulehnen. Das Erscheinungsbild als «betont unauffällig» zu beschreiben war noch eins der freundlicheren Urteile. Dabei sieht der Trevi im Konkurrenzumfeld von Volvo 240, Opel Ascona C und seinem Konzernbruder Fiat Argenta sogar recht hübsch und elegant aus. Tatsächlich ist das Heck des Trevis Schokoladenseite. Elegant, niedrig und schnörkellos ist eine gewisse Ähnlichkeit mit der Mercedes-Mittelklasse jener Jahre nicht zu leugnen.

Damals sprach man dem Lancia Trevi die Ästhetik ab, heute wirkt er durchaus hübsch und wohlgeformt.

Damals sprach man dem Lancia Trevi die Ästhetik ab, heute wirkt er durchaus hübsch und wohlgeformt.

Bruno von Rotz / www.zwischengas.com
Trotz recht umfangreicher Serienausstattung kostete ein rechter Aussenspiegel Aufpreis.

Trotz recht umfangreicher Serienausstattung kostete ein rechter Aussenspiegel Aufpreis.

Bruno von Rotz / www.zwischengas.com
Nur noch diesen einen Lancia Trevi soll es in der Schweiz geben.

Nur noch diesen einen Lancia Trevi soll es in der Schweiz geben.

Bruno von Rotz / www.zwischengas.com

Der Blick auf Trevis Hintern wird nur noch von einer Perspektive übertroffen: nämlich der des Fahrers. Denn hier bietet sich der Blick auf jene Kunststoff-Skulptur von Mario Bellini, die mit dem Wort «Armaturenbrett» nur unzureichend beschrieben ist. Statt Kombiinstrument und Mittelkonsole präsentiert der Trevi 26 verschieden grosse, dem Fahrer zuwandte Löcher. Jedes Instrument, jede Kontrolleuchte und jeder Schalter sitzt tief in seiner eigenen Höhle. Bedienung und Übersichtlichkeit sind dabei gar nicht so übel, wie sie auf den ersten Blick scheinen und längst nicht so mies, wie von Testern 1982 behauptet. Alle Instrumente und Schalter sitzen da, wo man sie erwartet. Nur das Umfeld sieht etwas anders aus. Hat aber den Vorteil, dass dank der tiefen Instrumenten-Höhlen keine Spiegelungen die Ablesbarkeit beeinträchtigen und irrtümliches Danebendrücken quasi ausgeschlossen ist.

100 PS in der zahmsten Version

Das Herzstück des Trevi ist aber der von Aurelio Lampredi entwickelte, herrliche DOHC-Vierzlinder. In seiner zahmsten Version als 1600er leistet er genau 100 PS. Darüber folgt der 2000er mit immerhin 115 PS. Beide Versionen sind mit je einem Weber-Doppelvergaser ausgerüstet. Heisseste Saugmotor-Variante war der Einspritzer namens 2000 I.E., der es dank einer Bosch L-Jetronic auf 122 PS bringt. Noch rasanter ist nur der 135 PS starke Trevi VX mit Volumex-Drehkolbenlader.

Was der kleine Doppelnocker mit der 1165 Kilogramm leichten Limousine anzustellen imstande ist, beeindruckt. Der Trevi reagiert sofort auf jeden Gasbefehl, dreht mühelos und willig den 6000 entgegen und tönt dabei so unnachahmlich wie es nur Vierzylinder aus Italien tun. Gleichwohl ist der Zweiliter derart elastisch, dass er an Ortsausgängen bequem im fünften und höchsten Gang davonzieht. Den Hang zum Übersteuern würde man dem Trevi 39 Jahre später auf einer schmalen Landstrasse nicht mehr als Nachteil auslegen. Hätte er Hinterradantrieb, wäre er ein ernsthafter Gegner für BMW 320i und Alfa Giulietta 1.8 gewesen. Leider blieb ihm damals diese Anerkennung verwehrt. Er war wohl zu konsequent inkonsequent.

Den ausführlichen Fahrbericht sowie viele weitere Bilder gibt es auf www.zwischengas.com zu lesen und zu sehen.

Zwischengas.com ist die umfangreichste Online-Plattform zu den Themen Oldtimer, Youngtimer und historischer Rennsport und wird von Enthusiastinnen und Enthusiasten mit Benzin im Blut täglich mit neuen Artikeln, Bildern und historischen Dokumenten ergänzt.

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

30 Kommentare